This is a man's world!
Der in den 80er Jahren verfasste, mit Preisen geschmückt und von namhaften Fantasy-Autoren gelobte Roman führt uns in die uralte Mythologie Englands und verbindet zugleich mit den keltischen und nordischen Sagen. Hier liegt der erste von 7 Teilen des Ryhope-Wood-Zyklus vor und Robert Holdstock macht es uns bei weitem nicht leicht, in diese vielschichtige Geschichte zu finden. Die sehr poetisch angewandte alte englische Sprache verlangt so Einiges von einem ab, zudem werden auch andere, sehr alt anmutende, vielleicht auch fiktive Sprachen eingeflochten. Die Familie Huxley, Vater und 2 Söhne leben auf einem Hof in Herefordshire in der unmittelbaren Nachbarschaft zum Ryhope Wood, einem dichten Wald, der zunächst nicht betreten werden kann. Immer wieder tauchen Wesen daraus auf, die aus einer anderen Zeit zu stammen scheinen, Wächter und Jäger gleich, die den Wald zu beschützen scheinen. Diese Wesen, Mythago genannt, scheinen von den Menschen hervorgebracht, ja geprägt zu werden, aus den Tiefen ihres Unterbewusstseins manifestiert. Hier wird von den Kritikern gern ein shamanistischer Ansatz gelobt, verbunden gar mit der jungschen Psychologie oder der paganen Lebensphilosopie. Vor allem die Begegnung mit Guiwenneth, einem mädchenhaften Wesen wird hier hervorgehoben und zunächst der Vater, nach seinem Tode auch beide Söhne verfallen dieser «Wesensidee» Durch diese nahezu einzige weibliche Person wird für mich ein Frauenbild gezeichnet, eine verhängnisvolle Verführerin, die alle männlichen Menschen in dem Roman ins Verderben zu bringen scheint. Und natürlich verhalten sich die Männer wie besessene, liebestolle Steinzeitmänner, die sich, zumindest auf Bruderebene, bekämpfen. Mich hat dieses sehr alte Rollenbild gestört und ich mochte keine der hier angebotenen Geschlechterstereotypen. Und dennoch konnte die Geschichte mich einnehmen und bezaubern, auch wenn durch die archaische Atmosphäre einem oft unheimlich zumute ist. Ein ungewöhnliches Beispiel aus der Fantasy-Welt, welches davon lebt, sich immer wieder ganz neu zu erfinden und anzubieten, über das Bekannte hinauszuwachsen.
