
Endlich einmal eine Darstellung in der Kathryn Howard nicht leichtgläubig, materialistisch und übersexualisiert ist. Weir bleibt bei ihrer Charakterisierung an den Fakten, das hätte ich mir auch bei Jane Boleyn gewünscht.
Leichtgläubig, materialistisch und ständig sexuell aktiv, so haben lange nicht nur Filme, Serien und Bücher Katheryn Howard dargestellt, sondern leider auch Historiker*innen. Das Bild, das Katheryns Zeitgenossen von ihr zeichnen, ist ein anderes: Mitfühlend, voller Leben, ihr Verhalten, das einer Tudor-Königin würdig. Ich bin dankbar, dass auch Weir sich daran orientiert und damit mit Blick auf die Charakterisierung ziemlich nah an der echten Kathryn Howard dran sein könnte. Weirs Howard weiß genau, in welchem Haifischbecken sie sich befindet und was passiert, sollte ihre Vergangenheit publik werden. Viele Attribute, die der fünften Frau von Heinrichs VIII nachgesagt werden, sind längst widerlegt. Materialistisch? Es war Henry der sie mit Geschenken überhäufte, während Kathryn sich vor allem für andere, va Gefangene im Tower eingesetzt hat. Ständig sexuell aktiv? Wohl eher Fälle von grooming, da kathryn bei Mannox Avancen gerade einmal 13 Jahre alt war. Generell konnte sie nicht ahnen, je Königin von England zu werden. Wie auch in allen Vorgängerbänden beleuchtet Weir das gesamte Leben der Tudor-Königin und zeigt auf beeindruckende Weise, wie sehr Kathryn am Ende abgeschottet wurde und kaum wusste, was um sie herum passierte. Ihre Panik komplett nachvollziehbar, weiß sie doch, dass Heinrich kein Problem hat, sie Frauen zu entledigen. Für mich wird Kathryn im Buch menschlich, ihre Handlungen greifbar. Lediglich die Darstellung von Jane boleyn als die Böse, ist ein großer Minuspunkt. Erneut wird sie zu der Person, die zum Fall der Boleyns beigetragen hat. Was schon allein, weil ihre komplette Stellung vom Einfluss der Boleyns abhängig war, mehr als fragwürdig ist, aber auch in der Kathryn-culpeper Affäre bleibt ihr Handeln in weirs Buch nicht nachvollziehbar. Darüber hinaus bin ich auch kein Fan der Romantisierung von Kathryns und Culpeppers Beziehung. Zum Glück werden sie nicht sexuell aktiv, jedoch macht Weir, natürlich aus erzählerischen Gründen daraus, eine verbotene Liebe. Die Realität könnte aber eine andere gewesen sein, nämlich dass Culpeper die Königin unter Druck gesetzt hat und einer der vielen war, die um ihre Vergangenheit wussten. Im Buch wurd anschaulich dargelegt, wie schwierig es für Kathryn wird, ihre Vergangenheit geheim zu halten, va als immer mehr Menschen Gefallen von ihr einfordern. Trotzdem muss ich sagen, dass mir Band 5 bislang am Besten gefallen hat, auch weil howards Darstellung nah an den Quellen ist.



