Band 4 ist ebenfalls ein Page-Turner und überzeugt mit einer sympathischen Hauptfigur, die oft als glückliche Überlebende gefeiert wird. Weir gelingt es aber zu zeigen, in welch misslichen Lage Anna sich befand und wie belastend das für die junge Frau gewesen sein muss.
Im vierten Band der Reihe dreht sich alles um Anna von Kleve, Heinrichs vierter Ehefrau, die bis heute zu Unrecht als "ugly one" abgestempelt wird, dabei war es höchstwahrscheinlich Henrys gekränkter Stolz darüber, dass sie ihn verkleidet bei ihrem ersten Aufeinandertreffen nicht erkannt hat. Henry war zu diesem Zeitpunkt nicht mehr der athletische, junge Mann, der als attraktiv galt, sondern übergewichtig, mit einer eiternden Wunde am Bein und ständigen Wutanfällen. Für Anna, die bald vom Schicksal seiner Vorgängerinnen erfährt, ein schmaler Grad. Gerade die Sorge was mit ihr bei einer Annullierung der Ehe passiert, fand ich greifbar. Auch sonst bietet der Roman viele spannende Momente, zeigt er doch nicht nur die Unterschiede zwischen dem deutschen und englischen Hof, sondern vor allem Annas Leben nach Heinrich nimmt viel Raum ein. Eine Spanne in ihrem Leben mit der ich mich noch gar nicht so intensiv beschäftigt habe. Etwas schade fand ich, dass Weir die Gerüchte, dass Anna bereits vor ihrer Hochzeit ein Kind geboren hat, integriert und somit die englische Propaganda von Heinrich aufgreift. Ich verstehe es zwar im Hinblick darauf, dass die Geschichte spannender wird und Annas liebe zu Otho und ihrem Sohn ein roter und für sie gefährlicher Faden ist, der sich durch das Buch zieht, etwas zwiegespalten. Trotzdem hat mir das Buch gut gefallen, auch weil Anna konstant sympathisch ist, etwas was auch Zeitgenossen über sie berichten und weil die Außenansicht auf alles was am Hof vor sich geht ebenfalls mal was anderes war. Nur Heinrich, der in dieser Zeit als Tyrann bekannt ist, kommt mir etwas zu sympathisch weg.




