1. Jan.
Rating:4

Edit: Ich wusste nicht, dass es auch eine deutsche Übersetzung gibt: Wild Flower - Die Gesetzlose ist 2020 bei Blanvalet erschienen. Tut euch einen Gefallen und lest mein Review aber nicht den deutschen Klappentext, der absolut furchtbar und am Thema vorbei ist! Knapp über 4 Sterne aber nicht "amazing", war "The Good Luck Girls" ein sehr (! zu sehr, manchmal) aufregendes Buch über die Flucht aus Sklaverei und Unterdrückung von fünf Mädchen, über Freundschaft und erste Liebe, über die innere Stärke und die Ungerechtigkeit eines Systems, das ganz klar an Rassismus und Sklaverei in den USA angelehnt ist, in Arketta aber die Dustbloods diskriminiert, jene, die keinen Schatten haben (gegenüber den Fairbloods). Arketta und vor allem "The Scab" ist wilder Westen mit viel Staub, Hitze und brutalen Konditionen, vor allem für die Dustbloods, die hier gezwungen sind, imaginäre Schulden abzuarbeiten, aus denen sie quasi nie herauskommen. So sind immer wieder Familien gezwungen, ihre Töchter an Welcome Houses zu verkaufen, mit dem Versprechen, dass sie dort weder Hunger noch Krankheiten leiden werden und ein besseres Leben führen können. Diese "Good Luck Girls" haben aber alles andere als Glück, denn man ahnt wahrscheinlich bereits, was die Welcome Houses wirklich sind. Mit einem Favor markiert, einem Tattoo am Hals, das sich nicht verdecken lässt und anfängt zu leuchten und zu brennen, wenn man es versucht, sind sie für immer als solche gezeichnet. Das Buch beginnt mit der Lucky Night von Clementine, bislang ein Daytime Girl, wie die jüngeren Mädchen, die nur im Haushalt arbeiten, genannt werden. Doch Clems Lucky Night geht schief und gibt ihr, ihrer Schwester Aster und drei anderen die Chance, aus dem Welcome House zu fliehen. Große Kudos an die Autorin, dass es auch an dieser Stelle keine Darstellung sexueller Gewalt gibt! Auch wenn das Thema an sich durch die Welcome Houses und die Vorgeschichte der älteren Mädchen präsent ist, gibt es keine einzige Szene, die eine Trigger Warnung in dieser Richtung bräuchte. Obwohl dieser Anfang aus Clementines Sicht beschrieben wird, übernimmt danach Aster die Erzählung, was mich etwas überrascht hat. Sie ist die Starke der Gruppe, die Planerin, die Anführerin. Sowohl Aster als auch Clementine (sowie Tansy, Mallow und Violet) sind Namen, die sie im Welcome House erhalten haben, nicht ihre echten. Während ihrer Flucht durch den Scab auf der Suche nach einer Zukunft sind die Mädchen wirklich permanent in Gefahr, was mir manchesmal etwas zu nervenaufreibend war. Gleichzeitig kommen sie aus manchen Gefahren dann einfach sehr leicht davon, irgendwie gelingt es immer. Was mir ebenfalls ein bisschen gefehlt hat, war mehr Fokus auf das Worldbuilding. Arketta ist eben nicht der Wilde Westen der USA, sondern Teil einer Welt, wo manche Menschen keinen Schatten haben. Wo es Raveners gibt, Menschen mit Fähigkeiten jenseits des Schleiers, die in den Geist von anderen eindringen können, und Geister in verschiedenen Formen. Es werden Stückchen dieser phantastischen Welt eingestreut, aber insgesamt ist sie sehr nah an unserer und hier und da fehlte mir da etwas. Was allerdings nicht bedeutet, dass ich dieser Geschichte nicht eine absolute Leseempfehlung geben würde! Das Buch strotzt vor Girl Power, und bietet wahrscheinlich in den USA vor allem schwarzen Mädchen sehr starke Identifikationsfiguren. Gleichzeitig gibt es auch eine lesbische Liebesgeschichte am Rande (Romantik ist kein Hauptfokus generell), und die Autorin hat sehr viel Recherche in ihre Geschichte gesteckt. Und der Stil! Ich fand einige Stellen so stark und sie haben sich tief in mein Herz gegraben, vor allem Aster und Violet, die beiden ältesten der kleinen Gruppe. Compared to the woods, the quietness here was profound. No crickets or bullfrogs, no wind in the trees. The vengeants' cries had been reduced to a distant murmur. The darkness, too, was completely devoid of stars, and looking up through the hole in the roof was like looking upon the Veil. Maybe this is what it feels like - to be dead and buried, she thought. The idea should have filled Aster with dread, but instead she just felt a sudden and overwhelming peace: she was beyond the reach of the living. They couldn't hurt her here. She fell into her deepest sleep in years. (S. 209-210) How could she ever truly leave the welcome house behind when it was written on her very skin? You were never going to leave it behind, no matter how far you ran, a small voice whispered back. The thought filled her with grief, which she expected, and relief, which she didn't. At least, at last, she could stop running. Green Creek would always be a part of her whether she wore its favor or not. She couldn't change the past. But neither did she have to let it decide her future. (S. 342) An einigen Stellen, vor allem am Anfang, hat mich das Buch an "Dread Nation" von Justina Ireland erinnert - es wird bestimmt dieselben Fans ansprechen. So oder so, lest das Buch! Band 2 wird diesen Sommer erscheinen und ich bin schon sehr gespannt nachdem mich das Ende etwas heartbroken zurückgelassen hat. TW: psychische Folter, Erbrechen, Verletzungen, Blut, Gewalt, Mord, sexueller Missbrauch in der Vergangenheit der Charaktere (nicht beschrieben)

The Good Luck Girls
The Good Luck Girlsby Charlotte DavisHot Key Books
30. Dez.
Rating:4

Aufmachung Die Geschichte ist in der Außenperspektive verfasst, jedoch wird vor allem Aster betrachtet. Der Schreibstil ist sehr flüssig, mitreisend und viele Emotionen werden gut transportiert. Allerdings hätte ich mich gefreut, wären Personen und Umgebungen noch ein kleines bisschen bildhafter beschrieben worden. Charaktere Aster steht auf Grund der Erzählweise im Fokus. Oft wirkt sie harsch, aber sie versucht nur ihre eigene Angst zu kompensieren. Doch auch die anderen Charaktere kamen in der Story nicht zu kurz, allerdings bekommt der Leser kaum etwas von den Emotionen und Geschehnissen mit, die nicht mit Aster in Zusammenhang sind. Fazit Ehrlich, ich bin so froh dieses Buch gelesen zu haben. Ja, es gibt ein paar Kritikpunkte, aber vor allem war er spannend, kreativ und ein echter Pageturner. Und: Fernab vom Fantasy Einheitsbrei, den ich zuvor leider mehrfach hatte. Denn gerade diese Elemente wurden so einfallsreich verwendet, wie ich es bisher noch nicht kannte. Außerdem ist es unglaublich abenteuerlich und es passiert einiges unerwartetes. Auch das Ende war während des Lesens nicht einschätzbar. Ich hätte alles passieren können. Vom Western Flair habe ich jedoch nicht wirklich viel mitbekommen, aber vermisst habe ich es auch nicht, wie ich gestehen muss. Mein größter Kritikpunkt ist aber, dass die zeitliche Komponente manchmal gefühlt nicht hingehauen hat. Die Kokarden können nur eine kurze Zeit verdeckt werden, doch in dieser scheinen sie in meinen Augen oft so viel tun zu können, dass es unrealistisch wird. Auch das Ende hatte irgendwie auch ein paar Schwächen. Aber was das betrifft, gehe ich nicht ins Detail, da ich nicht spoilern will. Trotz der oben genannten Punkte, überwiegt meine Begeisterung über dieses Buch, einfach weil es sich von der Masse abhebt und mich absolut mitgerissen hat.

The Good Luck Girls
The Good Luck Girlsby Charlotte DavisHot Key Books