Sehr politische Fantasy. Kitschfreie Drachen.
Wir befinden uns in einer Welt, in der sich der Osten und der Westen in einer Art Kaltem Krieg befinden. Im Westen regiert eine Linie von Erbköniginnen, die sich auf die Abstammung von einem religiösen, ritterlichen König berufen, das Land Ynis. Es heißt, solange diese Frauen regieren, wird der Namenlose, repräsentiert von bösen Drachen, nicht zurückkehren. Im Osten hingegen sind Drachen Götter. Unsere wichtigsten Protagonistinnen sind Ead, eine Hofdame, die in geheimem Auftrag als eine Art Bodyguard für Königin Sabran von Ynis agiert, und Tané, eine junge Waise, die sich im Osten um eine Position als Drachenreiterin bewirbt. Dann geschehen Ereignisse, die daraufhin deuten, dass eine Zusammenarbeit von Ost und West unvermeidlich ist... Ich brauchte dringend eine Abwechslung von schwerer Kost und wollte ja eigentlich sowieso wieder mehr Fantasy lesen. Ich mag High Fantasy und Samantha Shannon schreibt moderne High Fantasy, also habe ich mich für dieses Buch entschieden. Eine ganze Zeit lang war ich besorgt, dass die Story darauf hinauflaufen würde, welche Religion die richtige ist, was ich für problematisch gehalten hätte. Tatsächlich wird der Glaube einiger Figuren sozusagen geradegerückt, doch die übergeordnete Botschaft dieser Geschichte ist Toleranz, was sich auch in der starken Repräsentation von queeren Figuren und People of Colour zeigt. Daher konnte ich mich mit der Darstellung des ohnehin wirklich interessanten Religionskonflikts anfreunden. Aufgrund der gefühlt inflationären Thematisierung von Drachen vor allem in YA-Fantasy ging ich mit einer gewissen Skepsis an das Buch heran, auch hier kann ich jedoch Entwarnung geben: Die Darstellung der Drachen und ihrer Beziehung zu Menschen ist weitestgehend kitschfrei. Die Geschichte ist eine sehr politische, unterfüttert von reichem World-Building. Es braucht eine gewisse Zeit, bis man die vielfältigen Charaktere zuordnen kann, zumal man im Hörbuch ja nicht eben mal zurückblättern kann. Die zentrale Lovestory habe ich überhaupt nicht gefühlt, sie erschien mir persönlich überflüssig, störte mich jedoch auch nicht. Was mir sehr gut gefallen hat, war, dass es auch Charaktere gibt, die sich bis zuletzt nicht in Gut- oder Böse-Kategorien einordnen lassen. Die finale Auseinandersetzung ist nicht ganz unvorhersehbar, doch insgesamt hat mich dieses Buch gut unterhalten und mich in eine spannende Welt entführt. Die Sprecherin Liyah Summers gibt ihren Charakteren je nach Herkunft unterschiedliche Akzente, Ead beispielsweise spricht mit karibischem Zungenschlag, die Bewohner von Ynis eher in einem britischen, die des Ostens eher in einem amerikanischen Akzent. Das erleichtert durchaus die Charakterisierung und funktioniert gut.


















































