Im Zentrum von „The Good Thieves“ steht Vita Marlowe, ein junges Mädchen, das sich nicht so leicht unterkriegen lässt. Trotz ihrer Polio-Erkrankung und der körperlichen Einschränkungen, die sie seit ihrer Kindheit mit sich trägt, zeigt Vita einen unbeugsamen Willen. Besonders rührend ist die Beziehung zu ihrem Großvater Jack, der nach einem Betrug durch den zwielichtigen Geschäftsmann Sorrotore alles verloren hat – einschließlich seines geliebten „Familienschlosses“ in New York. Die Sorge um ihren gebrochenen Großvater treibt Vita an, und sie entwickelt einen mutigen Plan: Sie will eine wertvolle Juwelenkette aus dem Besitz ihrer Familie zurückstehlen, um mit dem Erlös Anwälte zu engagieren und Gerechtigkeit für ihren Großvater zu erlangen. „Kann es überhaupt Diebstahl sein, wenn der Gegenstand zuvor selbst gestohlen wurde?“ Neben Vita finden wir eine Gruppe von ungewöhnlichen Verbündeten, die sie in ihrem Abenteuer unterstützen – ein junger Taschendieb und zwei Jungs mit bemerkenswerten Fähigkeiten und Geheimnissen. Diese Mischung macht den Charme der Geschichte aus: Kinder, die sich zusammenfinden, um gegen das Unrecht anzukämpfen und dabei über sich hinauswachsen. Besonders gelungen finde ich das Setting in New York. Als jemand, der die Stadt liebt, war es für mich ein besonderes Highlight, dass die Handlung an so ikonischen Orten wie dem Dakota Building, der Carnegie Hall und der Public Library spielt. Diese Schauplätze, kombiniert mit den halbseitigen Zeichnungen am Anfang jedes Kapitels, lassen New York in den 1920er Jahren lebendig werden. Auch die Atmosphäre der Zeit wird wunderbar eingefangen. Die Good Thieves schmieden ihre Pläne nicht nur an gewöhnlichen Orten, sondern besuchen auch ein Speakeasy – und damit fängt Rundell den Charme und die Spannung der Ära perfekt ein. Während sich die Gruppe Schritt für Schritt ihrem Ziel nähert, wächst auch die Freundschaft zwischen ihnen, was dem Buch zusätzlich Wärme und Tiefe verleiht. Der Schreibstil ist, obwohl es sich um ein Kinderbuch handelt, unglaublich schön und leicht zu lesen. Rundell hat eine ganz besondere Art, Szenen zum Leben zu erwecken und die Gefühle ihrer Figuren greifbar zu machen. Vita selbst ist eine sehr aufgeweckte und mutige Protagonistin, mit der man von Anfang an mitfiebert. Zugegeben, einige Entwicklungen sind kindlich vorhersehbar, aber das tut dem Lesevergnügen keinen Abbruch. Im Gegenteil: Die dann doch aufkommenden, unerwarteten Twists, die immer wieder eingestreut sind, haben mich mehr als einmal überrascht und mich immer wieder zum Umblättern motiviert. Fazit: „The Good Thieves“ ist eine spannende und herzerwärmende Geschichte über Freundschaft, Gerechtigkeit und Mut, die besonders durch ihr lebendiges Setting und die liebenswerten Figuren besticht. Ein wunderschönes Kinderbuch, das auch erwachsene Leser verzaubern wird.
3. Nov.Nov 3, 2024
The Good Thievesby Katherine RundellBloomsbury UK
