Die mittlerweile in der neunten Staffel befindliche BBC-Serie „Call the Midwife“ ist ja bekanntermaßen meine Lieblingsserie, auch wenn sie in den letzten Staffeln etwas nachgelassen hat (die medizinischen und sozialen Probleme sind irgendwann wahrscheinlich größtenteils abgearbeitet). Grundlage für die ersten Staffeln der Serie waren die dreibändigen Memoiren der früheren Hebamme Jennifer Worth, die 2011 leider verstarb. Ich habe die ersten beiden Bücher schon geliebt und habe nichts anderes für den dritten Teil erwartet. „Farewell to the East End“ erzählt weitere Geschichten vom harten Leben im Londoner East End. Etwa von der Familie, deren Kinder bis auf eines alle an Tuberkulose starben, oder den unfassbar ungerechten Prostitutionsgesetzen, die es Gesetzeshütern erlaubten, junge Mädchen mit Methoden auf Geschlechtskrankheiten zu untersuchen, die einer brutalen Vergewaltigung gleichkamen. Doch es nicht alles schlimm in Worths Memoiren, die Anekdoten von einer der interessantesten Nonnen, von denen ich je gehört habe, Schwester Monica Joan, dürften allen Lesern ein Lächeln entlocken. Es ist eine Freude, Jennifer Worths Sprachstil zu lesen, sie erweckt das East End der fünfziger und frühen sechziger Jahre zum Leben, man ist mittendrin und will immer mehr und mehr von den Geschichten. Zuschauer der Serie werden einige Fälle wiedererkennen, die in der Serie verarbeitet wurden. Doch mit diesem Band beendete Worth ihre Hebammenreihe leider, am Ende erfährt man das weitere Schicksal der wichtigsten Personen, was mir doch die Tränen in die Augen trieb. Ich werde die Bücher sicher noch mehrmals lesen. Wie könnte ich anders bei Sätzen wie dem folgenden: „I remember the days of my youth when evverything was new and bright; when the mind was always questing, searching, absorbing; when the pain of love was so acute it could suffocate. And the days when joy was delirious.“ (Seite 3)
28. Sept.Sep 28, 2022
Farewell to the East End (Morrisons)by Jennifer WorthGardners Books Holding Acc
