5. Mai
Rating:2.5

The Venus Flytrap ist ein Buch, das mich mit gemischten Gefühlen zurückgelassen hat. Vor allem wegen seiner starken psychologischen Ansätze, aber auch aufgrund einiger Aspekte, die mich weniger überzeugen konnten. Besonders spannend fand ich die intensive Darstellung der Abhängigkeit zwischen den Figuren. Die Entwicklung der Protagonistin, die sich zunehmend in Cat verliert und ihr immer mehr nacheifert, ist faszinierend und teilweise auch erschreckend gut beschrieben. Dieser schleichende Identitätsverlust und das fast schon obsessive Verhalten erzeugen eine beklemmende Atmosphäre, die definitiv zu den stärksten Elementen des Buches gehört. Der psychologische Anteil ist generell das, was die Geschichte trägt. Hier zeigt das Buch seine größte Stärke, weil man als Leser tief in die Gedankenwelt und Dynamiken eintauchen kann. Allerdings wirkte die Einbindung bestimmter Aspekte, wie etwa die Darstellung von Autismus, eher zufällig und nicht immer vollständig ausgearbeitet, was etwas irritierend sein kann. Weniger überzeugend fand ich dagegen den Umgang mit den vielen sexuellen Szenen. Diese wirkten stellenweise sehr präsent und teilweise auch etwas überzogen, was nicht immer zur eigentlichen Handlung beigetragen hat. Dadurch entstand manchmal das Gefühl, dass der Fokus etwas verloren geht und war insgesamt nicht nötig. Auch der Spannungsaspekt rund um den Mord konnte mich nicht vollständig abholen. Hier hätte ich mir mehr Tiefe und Intensität gewünscht, da dieser Teil im Vergleich zu den psychologischen Elementen eher schwächer ausgefallen ist. Insgesamt ist The Venus Flytrap ein interessantes, wenn auch stellenweise unausgewogenes Buch. Wer sich für komplexe zwischenmenschliche Dynamiken und psychologische Abgründe interessiert, wird hier definitiv etwas finden – auch wenn nicht alle Elemente gleich stark ausgearbeitet sind.

Venus Fly Trap
Venus Fly Trapby Emma MedranoPenguin Books Ltd (UK)