1. Juni
Ein ruhiges Buch
Rating:4

Ein ruhiges Buch

Rezensionsexemplar/Werbung Lucy Steeds*The Artist* Dtv Verlag 🦩🦩🦩🦩von 5 🦩. Meine Meinung zu dem Buch: Schon beim ersten Blick hat mich das Cover dieses Buches absolut verzaubert. Es verströmt eine unglaublich ästhetische, sinnliche und mediterrane Atmosphäre. Das Buch handelt aus dem Jahr 1922 und spielt in der Provence, da wo ein einsamer, egozentrischer Maler namens Tattoufo sich zurückgezogen hat und mit seiner Nichte Ettie zusammenlebt. Er führt dort ein sehr abgeschiedenes Leben, das völlig von seiner Ichbezogenheit bestimmt wird. Als der junge britische Journalist Joseph Adelaide anreist, um ein Porträt über den Künstler zu schreiben, gerät dieses Gefüge gehörig ins Wanken. Die Kulisse in diesem Buch ist wirklich greifbar. Die Farben, die Gerüche der Provence und das Terpentin im Atelier werden so bildhaft beschrieben, dass man die Sommerhitze beim Lesen förmlich auf der Haut spüren kann. Allerdings fand ich den Schreibstil manchmal etwas holprig. Das hat leider hin und wieder meinen Lesefluss gestört, was ich bei dieser eigentlich so sinnlichen Atmosphäre sehr schade fand. Die Geschichte wird abwechselnd aus der Sicht von Ettie und Joseph erzählt. Was mir sofort aufgefallen ist: Man merkte wirklich vom ersten Moment an, dass Ettie etwas zu verbergen hatte. Diese unterschwellige Spannung und ihr Geheimnis liegen ständig in der Luft, besonders weil die Dynamik im Haus durch Tattoufos Tyrannei sehr toxisch und beklemmend ist. Es wird ein sehr ehrliches Bild einer damaligen Welt gezeigt, in der Frauen kaum eine eigene Stimme hatten. Insgesamt ist es ein sehr atmosphärischer Roman mit kleinen Schwächen im Erzählfluss, der aber durch seine tiefgründigen Charaktere und diese wunderbar ästhetische, mediterrane Stimmung im Gedächtnis bleibt. Eine Empfehlung meinerseits.

The Artist
The Artistby Lucy SteedsJohn Murray Press
30. Mai
Ein Sommer in der Provence
Rating:5

Ein Sommer in der Provence

Joseph ist ein junger englischer Journalist, der beauftragt wird, den berühmten Künstler Édouard Tartuffe (Tata) zu interviewen. Als er in dessen Haus in der Provence kommt, weiß dieser nichts von dem vereinbarten Interview. Joseph darf ihm aber Modell sitzen für sein neustes Werk "Junge mit Orange". Joseph nimmt begeistert an in der Hoffnung, Tata währenddessen studieren zu können, um schließlich doch noch seinen Artikel schreiben zu können. Mit im Haushalt wohnt seine Nichte Ettie, die für ihn kocht, putzt, die Korrespondenz führt und seine Malutensilien richtet. Ettie ist still und beobachtet viel. Noch ahnt niemand, welche Kräfte in ihr schlummern. "The Artist" ist ein poetischer und sehr sinnlicher Roman um eine unterdrückte Gewalt, die sich ihren Weg an die Oberfläche bahnt. Tata, der gefeierte Künstler, lebt in einer gegenseitigen Abhängigkeit mit Ettie. Zu viel darf hier nicht verraten werden, um die überraschenden Wendungen der Geschichte nicht vorweg zu nehmen. Was ich jedoch über das Buch sagen kann ist, dass es mich sehr abgeholt hat. Ich mochte die Beschreibungen der gemalten Gegenstände; ich hatte das Gefühl, den Sommer in der Provence, den Geruch des Lavendels, der Ölfarben und den Staub in der Luft des Ateliers zu schmecken und zu riechen. Lucy Steeds hat einen sehr atmosphärischen, vielschichtigen und kurzweiligen Roman geschrieben, der mich vom ersten Moment an in die Provence zu Tata, Ettie und Joseph versetzt hat. Am meisten mochte ich Ettie, die für mich ein ganz besonderer Buchcharakter ist, den ich nicht so schnell vergessen werde. Ein kleiner Spoiler: der Titel lautet "The Artist". Man darf sich eingeladen fühlen zu rätseln, ob es sich hierbei um ein Femininum oder Maskulinum handelt.

The Artist
The Artistby Lucy SteedsJohn Murray Press
26. Mai
Rating:5

Klasse Debüt, atmosphärisch, lebendig und dramatisch

Da ich bisher noch kein Buch gelesen habe, in dem das Thema Kunst so allgegenwärtig war, war ich sehr gespannt auf "The Artist - die Farben des Lichts" Im Mittelpunkt steht der exzentrische Maler Edouard Tartouffe, seine Nichte Ettie sowie der Journalist Joseph Adelaide. Wir befinden uns 1920 in der Provence Frankreichs, wo der Maler Tartouffe (Tata) zurückgezogen mit seiner Nichte Ettie lebt. Nach langer Wartezeit wird es dem Journalisten Joseph erlaubt, das Anwesen des Malers zu besuchen und ihn zu interviewen. Doch dieser will Joseph Zeichnen. The Artist ist ein Buch, wo man nur so durch die Seiten fliegt und sich bewusst bremsen muss, um nicht die vielen Feinheiten zu verpassen. Die Autorin hat einen ausgesprochen guten Schreibstil, welcher nicht nur atmosphärisch, sondern auch lebendig und ausdrucksstark, teils sogar poetisch ist. Die Protagonisten sind vielschichtig und tiefgründig gezeichnet. Besonders die langsam aufbauende Beziehung zwischen Joseph und Ettie fand ich sehr passend. Aber auch die Dynamik zwischen Ettie, Joseph und Tata war sehr dramatisch und fesselnd. Besonders hervorzuheben ist die Lebendigkeit des Textes. Man sieht beim Lesen Farben vor Augen, spürt die Wärme und riecht die Ölfarben, spürt aber auch Schmerz und Trauer. Es werden Themen wie Unterdrückung, Misogynie und Abhängigkeit, aber auch Wachstum und der Ausbruch aus diesen Strukturen behandelt. Ein Debüt, was mich mit jeder Seite überzeugt hat und ich gerne weiterempfehlen werden.

The Artist
The Artistby Lucy SteedsJohn Murray Press
25. Mai
So entwickelt sich aus der Künstlergeschichte ein Roman, der zahlreiche psychologische Themen aufgreift.
Rating:4

So entwickelt sich aus der Künstlergeschichte ein Roman, der zahlreiche psychologische Themen aufgreift.

Der Roman spielt um 1920, lange nach der Ära der Impressionisten und Postimpressionisten, als die französische Avantgarde neue Trends setzte. Der etwa 60jährige Tartuffe, dessen Bild- und Malstil an Van Gogh und Cézanne erinnert, wird aber nach wie vor als "Meister des Lichts" gefeiert. Seine Bilder sind in Paris noch immer gefragt, obwohl er selbst seit Jahren in einem abgeschieden gelegenen Haus in der Nähe von Avignon lebt. Tartuffe ist ein egozentrischer und unfreundlicher Charakter, der keine Besucher empfängt. Nur sein Kunsthändler Raimondi, der seine Bilder bei ihm abholt und in Paris anbietet, ist regelmässig zu Gast. Umso überraschter ist Tartuffe, als Joseph, ein junger Londoner Journalist, bei ihm eintrifft und auf ein Interview hofft. Zufälligerweise sucht Tartuffe gerade ein Modell für ein Bild. Joseph willigt ein, Modell zu sitzen, und darf bleiben und schreiben. Im Hintergrund agiert Ettie, die Nichte Tartuffes. Sie führt den Haushalt und kümmert sich um alles, was Tartuffe zum Malen und Vermarkten seiner Bilder braucht. Sie scheint eine sehr stille Frau ohne eigene Bedürfnisse zu sein, doch der Schein trügt. Auch Ettie will ihre künstlerischen Begabungen leben. "Um malen zu können, muss sie in ihrem Inneren graben. Sie blickt in sich hinein und entdeckt dort zum ersten Mal seit langer Zeit etwas Schimmerndes. Etwas Hoffnungsvolles. Früher waren ihre Gemälde Sturzbäche aus Dunkelheit, aber nun wendet sie sich dem Licht zu. Da ist etwas, das sie erhaschen möchte." Und so wird im Laufe des Roman aus der stillen Ettie am Rande des Geschehens eine Hauptfigur, die mich mit ihrer Kraft, ihrem Ideenreichtum und ihrem wachsenden Willen zur Veränderung sehr angesprochen und den Roman zu einem Leseerlebnis gemacht hat. Auch der anfangs unsichere und von Schicksalsschlägen gebeutelte Joseph entwickelt sich weiter und beide kommen, wie zu erwarten, einander näher. Dabei blieb es jederzeit spannend zu lesen, wie die Autorin dieses Näherkommen gestaltet. So entwickelt sich aus der anfänglichen Künstlergeschichte ein Roman, der zahlreiche psychologische Themen wie Verlust, Kriegstraumata, herausfordernde Geschwisterbeziehungen, Schuldübertragung auf die nachfolgende Generation, Kontrolle, Abhängigkeit und Zurückweisung weiblicher Kreativität, aber auch Selbstfindung und unkonventionelle Selbstermächtigung aufgreift. Neben fiktiven Figuren tauchen im Roman Personen auf, die wirklich gelebt haben. Dass eine dieser Personen im Rahmen der künstlerischen Freiheit etwas zugeschrieben wird, was auf Grund seiner Persönlichkeit wenig wahrscheinlich ist, hat mich beim Lesen etwas aus dem Tritt gebracht. Aber ich habe mich entschieden, das hinzunehmen, weil mich der Roman als Ganzes bewegt und inspiriert hat.

The Artist
The Artistby Lucy SteedsJohn Murray Press
23. Mai
Rating:3.5

Ein exzentrischer und fast schon klischeehafter Künstler (Tata) hält seine Nichte Ettie in einem abgelegenen Dorf isoliert. Das ist die Ausgangslage von The Artist. Ettie wirkt anfangs kühl, unnahbar und wenig sympathisch. Je mehr man jedoch durch Rückblenden ihre Kindheit und das Leben mit ihrem Onkel kennenlernt, desto verständlicher wird ihre Haltung. Man spürt die emotionale Kälte und Abhängigkeit, in der sie aufgewachsen ist. In diese abgeschottete Welt platzt Joseph, Autor eines renommierten Kunstmagazins. Er kommt, um über den berühmten, aber zurückgezogen lebenden Künstler Tata zu schreiben. Schnell entwickelt er eine fast schon devote Bewunderung für Tata, während sich zwischen ihm und Ettie eine zunehmend intensive Beziehung entspinnt. Dieses Dreiecksverhältnis fand ich durchaus interessant und spannend. Das Buch wirft darüber hinaus mehrere Fragen auf: Was macht einen Künstler eigentlich erfolgreich? Reicht Talent allein? Oder sind es vor allem Mythos, Inszenierung, Netzwerke und die richtigen Privilegien? Besonders deutlich wird die Schieflage in der Kunstwelt durch die massiven Vorteile für männliche Künstler und die systematische Benachteiligung von Frauen. Für alle, die sich für Kunst interessieren, definitiv lesenswert. Für eine allgemeine Empfehlung reicht es bei mir allerdings nicht ganz.

The Artist
The Artistby Lucy SteedsJohn Murray Press
15. Mai
Wenn Kunst leuchtet und unter der Oberfläche alles brennt
Rating:5

Wenn Kunst leuchtet und unter der Oberfläche alles brennt

Manchmal reicht ein Klappentext und man sitzt innerlich schon mit staubigen Schuhen irgendwo in der Provence, schwitzt leicht dramatisch vor sich hin und denkt: Ja gut, jetzt brauche ich Pfirsiche, Honig und ein Geheimnis. The Artist von Lucy Steeds hat mich genau mit dieser Stimmung gekriegt. Diese Bloggerbox vom DTV Verlag war schon ein kleines Highlight, aber das Buch selbst wirkt nicht wie hübsches Beiwerk, sondern wie ein Gemälde, bei dem man erst denkt: schön. Und dann merkt man: Moment mal, da brennt ja was unter der Oberfläche. Joseph reist zu Édouard Tartuffe, dem großen Meister des Lichts, und glaubt natürlich, er bekommt die Story seines Lebens. Süß. Denn kaum ist er dort, wird klar: Der eigentliche Mittelpunkt ist nicht der berühmte Maler, sondern Ettie. Diese Frau, die kocht, putzt, Pinsel wäscht, alles trägt und trotzdem etwas in sich hat, das viel größer ist als ihre stille Rolle im Haus. Genau das mochte ich so sehr. Dieses langsame Freilegen. Diese Hitze. Diese Farben. Dieses Gefühl, dass Kunst nicht nur schön ist, sondern auch egoistisch, schmerzhaft und befreiend sein kann. Tartuffe möchte man zwischendurch gepflegt mit einem nassen Lappen aus dem Atelier wedeln, Joseph beobachtet manchmal herrlich ahnungslos, und Ettie trägt diesen Roman mit einer Kraft, die nicht laut sein muss. The Artist ist kein schneller Pageturner, eher ein sinnlicher Slow Burn mit Licht, Schatten und ordentlich innerem Brodeln. Wer atmosphärische Romane liebt, in denen man Düfte fast riechen und Farben fast schmecken kann, bekommt hier richtig schönes Lesefutter.

The Artist
The Artistby Lucy SteedsJohn Murray Press
14. Mai
Gewöhnungsbedürftig, langsame Erzählgeschwindigkeit, jedoch lohnt es sich dem Buch die Zeit zu geben!
Rating:3.5

Gewöhnungsbedürftig, langsame Erzählgeschwindigkeit, jedoch lohnt es sich dem Buch die Zeit zu geben!

Verbunden durch das letzte Festmahl Mein Interesse für Kunst ist groß und auch selbst male ich seit der Kindheit wahnsinnig gerne, inklusive eines jahrelangen Ölmalfarbenkurs bei einem lokal bekannten Künstler als Jungerwachsene. Dabei habe ich vorallem genossen den Maler selbst zu beobachten und eins seiner Werke ziert nun mehr eine Wand daheim. Deshalb konnte ich sehr gut die Intentionen des Hauptprotagonisten Joseph nachvollziehen, der unerwartet dem Schaffen von Edouard Tartuffe, kurz Tata, folgen darf, um einen Artikel darüber zu schreiben. Welche tragende Rolle die Nichte Ettie dabei vielleicht spielen könnte, zeichnet sich Punkt für Strich ab... Das Buch ist in vier Abschnitte unterteilt: den Maler, den Autor, die Fälscherin und die Künstlerin. Dabei wechselt die Erzählsicht zwischen Ettie und Joseph, hat den Haupthandlungsstrang in der französischen Provence 1920 angesetzt und den Prolog sowie Epilog in London 1957. Erst mit dem letzten Pinselstrich, den letzten Seiten ist das Meisterwerk zu erkennen und die Geschichte ist in den Einzelheiten verständlich. Der Schreibstil ist wie das Thema im Buch sehr malerisch sowie bildhaft. Die Autorin Lucy Steeds bietet der Umgebung, dem Essen der Stilleben soviel Platz und Farbe, sodass man die heiße Brise der Sommerluft spüren, die saftigen Orangen schmecken und die Kräuter der Provence riechen kann. Es gibt bei vielen Künstlern eine gewisse Aura, die sie umgibt und ihr Handwerk nach außen hin sichtbar macht. Das hat Steeds bei Tata für meine Vorstellung ebenso recht gut einfangen können. Seinen Kontrollzwang, Etties Zerrissenheit und Josephs Zurückhaltung waren charakterlich gut beschrieben, obwohl es den LeserInnen überlassen bleibt, diese Schlüsse selbst zu ziehen. Ettie und Tata sind aneinander gefesselt im positiven und negativen, in Liebe und Hass, in künstlerischen Gemeinsamkeit und dem verheerenden Unterschied des Geschlechts! Dabei war ein sehr erhellender Gedanke für mich, dass Ettie vor der Dunkelheit flieht und Tata stets das Licht sucht. Obwohl es sich beim Großteil des Inhalts um Fiktion handelt, gibt es im Nachwort einige Ankerpunkte aus der Realität, und gesamt bleibt die Geschichte Beispiel für die Befreiung aus der damaligen Ungerechtigkeit und dem Versäumnis von Anerkennung für Frauen im Schatten großer Männer, wie sie auch heute leider noch zu finden sind! Fazit: Das Buch konnte mich nicht sofort für sich gewinnen, da ich mich vorallem an die langsamen Passagen gewöhnen musste, aber es lohnt sich definitiv dran zu bleiben!

The Artist
The Artistby Lucy SteedsJohn Murray Press
2. Mai
Rating:5

Beeindruckendes Debüt

„The Artist – Die Farben des Lichts“ von Lucy Steeds ist ein Buch über Kunst, Krieg, Sehnsüchte, Liebe, Kontrolle, Emanzipation, Abhängigkeit und Freiheit. ​Inhaltlich führt uns die Reise nach St. Auguste, wo der junge Journalist Joseph ein Porträt über den berühmten, völlig zurückgezogen lebenden Künstler Edouard Tartuffe – genannt „Tata“ – schreiben soll. In dessen abgelegenem Haus trifft er neben dem Maler auch auf dessen Nichte Ettie. Tartuffe entpuppt sich als cholerisch mürrisch und kontrollsüchtig. Joseph, gefühlvoll und unsicher, der die Ungerechtigkeiten der Welt sieht, wirkt oft etwas verloren. Hinter Ettie, die sich im Zusammenleben mit ihrem Onkel fast unsichtbar durch das Haus bewegt, verbirgt sich eine sehr kluge Frau, deren Weg in diesem Buch zeigt, dass Freiheit nicht immer einfach ist, wenn man sie nie kennengelernt hat. Lucy Steeds schreibt wunderbar, teils fast poetisch. Man hat die Landschaften direkt vor Augen und möchte die Bilder, die im Buch entstehen, am liebsten selbst sehen. Die Geschichte schrammt manchmal ganz leicht am Kitsch vorbei, aber damit kann man in der Gesamtgeschichte gut leben. ​Es ist ein eher leiser Roman, der zum Ende etwas Fahrt aufnimmt, ein Roman mit schöner Sprache und sehr bildlicher Darstellung.

The Artist
The Artistby Lucy SteedsJohn Murray Press
16. Apr.
Ein wundervoller Roman!
Rating:5

Ein wundervoller Roman!

1920. Der junge Kunst-Journalist Joseph Adelaide ist eingeladen, den als exzentrisch und eigenwillig bekannten Maler Edouard Tartuffe für das Magazin The Inkling zu interviewen. Dieser lebt gemeinsam mit seiner jungen Nichte Ettie zurückgezogen hinter den Feldern des abgelegenen Dorfes Saint-Auguste im Süden Frankreichs. Tartuffe hat bei Josephs Eintreffen auf dem Gut jedoch wenig Lust, Fragen zu beantworten und die beiden schließen einen Deal: Joseph sitzt Model für ein Gemälde und darf den Künstler im Gegenzug für seinen Artikel beobachten. Die junge Ettie assistiert dabei auf sehr Stille und zurückgezogene Art und Weise in den Vorbereitungen und im Hintergrund. Nachdem der erste Artikel sowohl für Joseph aber noch mehr für Tata (so darf Joseph Tartuffe im Vertrauen nun nennen) erfolgreich war, beschließt der junge Journalist, auf dem Gut des Künstlers für weitere Schreibarbeit zu verweilen. Seine Faszination gilt mittlerweile aber nicht mehr nur alleine den Kunstwerken sondern auch Ettie, die ihm die Augen geöffnet hatte, um die Bilder ihres Onkels zu verstehen. Und Ettie, ja die hat ihre ganz eigene Leidenschaft, mit der sie selbst gesehen werden will, raus aus ihrem Schattendasein möchte und die Mauern zur Welt rund um Saint-Auguste auf ihre sanfte Art einzureißen versucht. Das Buch ist in vier Bereiche unterteilt und ich habe fast einen ganzen Abschnitt / ca. 100 Seiten gebraucht, bis ich richtig in der Geschichte eingetaucht war, da die männliche Dominanz zu Beginn der Handlung sehr stark ist. Spätestens aber der Besuch vier amerikanischer Kunstexperten auf dem Künstlergut drehen die Handlung in eine ganz neue Richtung. Genau hierin lag auch meine große Hoffnung: Dass das Buch nicht lediglich von einem exzentrischen, männlichen Künstler handelt, sondern auch Ettie als weibliche Protagonistin in der Handlung stark werden lässt und sie emanzipieren wird. Dies ist dramaturgisch äußert gut gelungen. Malerisch an ‚The Artist‘ ist nicht nur das Thema Kunst sondern auch die Worte der Autorin Lucy Steeds. Sie beschreibt mit ihren Worten keine Szenen sondern malt diese in gewisser Weise durch ihre Sprache. Bereits in ihrem Epilog streut die Autorin eine Szene in die Handlung ein, die sich als Gedanke im Verlauf des Buches festigen kann, ohne sich zu offensichtlich aufzudrängen und zu einem eigenen Kunstwerk entwickeln wird. Ettie sucht sich im Rahmen gegebener Möglichkeiten ihren Weg und ihre Befreiung, um gesehen zu werden und das für das Jahr 1920 bereits auf doch progressive Weise. Dafür versucht sie selbst den renommierten Künstler Tartuffe um eine wichtige Farbe in seinen Gemälden zu täuschen: Der Farbe des Lichtes. Das Buch ist für mich mehr als nur ein Roman über Kunst, sondern ein intelligentes Abbild dessen, wie Frauen sich in der Kunst und Kulturszene über viele Jahre und Jahrzehnte beweisen mussten, um akzeptiert zu werden. Dass man an manchen Stellen des Romanes vergisst, dass dieser im Jahr 1920 und nicht heute spielt, ist bestimmt nicht ganz ungewollt. Mir hat ‚The Artist‘ sehr gefallen!

The Artist
The Artistby Lucy SteedsJohn Murray Press
13. Apr.
Rating:3.5

Teilweise zu kitschig

Joseph bekommt die Einladung einen Artikel über den berühmten Maler Tartuffe zu schreiben. Dieser führt ein sehr zurück gezogenes Leben und daher stellt diese Einladung etwas Besonderes dar. In dem Bauernhaus angekommen, trifft Joseph auf einen egoistischen Tyrannen, den anderen Menschen nur dann interessieren, wenn sie einen Nutzen für seine Kunst darstellen. Ettie, die Nichte von Tartuffe (Tata) scheint nur im Hintergrund zu existieren. Sie sorgt dafür, dass Tata alles hat was er braucht und zieht die Fäden. Sie lebt dort ohne Kontakt zu anderen Menschen und es ist auch keinerlei Lektüre erlaubt. Tata verbietet alles was ihr wichtig werden könnte. Aber man spürt schnell, dass Ettie etwas verbirgt. Das Buch ist flüssig zu lesen, trotzdem konnte es mich nicht richtig packen. Wahrscheinlich liegt es daran, dass ich mit anderen Vorstellungen an das Buch heran gegangen bin. Ich habe mehr Poesie erwartet. Am besten hat mir die Geschichte von Ettie und ihre Entwicklung gefallen, die Liebesgeschichte war mir zu kitschig.

The Artist
The Artistby Lucy SteedsJohn Murray Press