(Zuerst einmal Danke an den Verlag für die Bereitstellung des Buches. ) Bei diesem Buch bin ich ein wenig hin- und hergerissen. Einerseits fand ich den Plot sehr spannend und ich wollte wissen, wie es mit unserer Protagonistin weitergeht, allerdings fand ich den Schreibstil immer ermüdender. Und dabei kann ich nicht mal genau beschreiben, woran es genau lag, aber irgendwie war es so neutral geschrieben, dass ich kaum eine Verbindung zu den Charakteren aufbauen konnte, obwohl ich sie sehr interessant fand. Hinzu kam, dass häufiger die Erzählperspektive verändert wurde und dann Passagen aus der Sicht eines Kindes formuliert wurden, die alles andere als realistisch wirkten. Was ich wiederum wirklich schön fand, war die Aufmachung des Buches mit den Familienbildern und den zeitlichen Einordnungen, was mir persönlich auch zur zeitlichen Orientierung verhalf. Außerdem habe ich das Gefühl, etwas über die zeitliche Epoche und den Umgang der Juden in dieser gelernt zu haben. Ich würde also zusammenfassend sagen, dass dieses Buch für Personen geeignet wäre, die sich gerne mit Geschichte auseinandersetzen und denen eine tiefe Verbundenheit zu den Charakteren nicht so wichtig ist.

Liebevolle Ehrung der Autorin an ihre Großmutter.
"Glaubst du an Gott?" ... "In gewisser Hinsicht schon. Man könnte sagen, ich fühle mich in religiösen Fragen eher dem Geist als den Buchstaben des Gesetzes verbunden. Ich lese gern über die jüdische Geschichte, es gab viele weise Männer, aber ich habe nicht viel Zeit." Elizabeth Graver setzt mit ihrem Roman "Kantika" ihrer Großmutter Rebecca Cohen Baruch Levy ein Denkmal. Sie zeigt den schweren Weg ihrer Großmutter auf, die kein leichtes Leben hatte und die oft sehr, sehr stark sein musste. Dank ihres Vaters, einem sephardischen Unternehmer, genießt Rebecca Cohen das Leben der Istanbuler Oberschicht. Rebeccas Kindheit ist durchtränkt von allerlei Regeln, ob zu Hause, auf der Straße oder in der Schule. Alles in ihrem jungen Leben hat eine Ordnung. Daher freute sie sich als Kind immer auf die Besuche bei Tiya Djentil, bei der sie eine ganz eigene Welt findet. Eine Welt alter Weisheiten, Aberglauben und Geistern. Doch dann schlägt in den 20er Jahren die Stimmung in Europa allmählich um, Rebeccas Vater wird enteignet und für Familie Cohen verändert sich alles. Erst recht als sie 1925 nach Spanien flüchten. In diesen Zeiten des Umbruchs, verliert sie als junges Mädchen ihre beste Freundin und wichtigste Bezugsperson. Natürlich gab es Briefe, die sie über dem Atlantik erreichten, aber wir alle wissen, dass das nicht dasselbe ist, wie seine Freundin zu umarmen, mit ihr zu lachen, zu tanzen und zu weinen. Und dann, kaum Ehefrau und Mutter, wurde sie mit zwei kleinen Söhnen auch schon wieder zur Witwe. Das Leben wurde danach nur noch schwerer. Doch dann erreicht sie ein Brief aus New York, der ihrem Leben noch einmal eine Wendung gibt... "Kantika" von Elizabeth Graver ist einerseits eine wehmütige Klage an die Unbillen des Lebens und das Leid, das eine Familie treffen kann und andererseits ein Fest ans Leben, an all die wundervollen Erinnerungen und Ereignisse, die eine Familie miteinander verbindet. Es ist ein Roman über das Fortgehen und Ankommen. Ein schöner Roman, der mich etwas wehmütig in Gedanken an meine Urgroßmutter und auch meine Großeltern zurücklässt. Generationen, die so viel ertragen haben und deren Leben selten einfach war. Übersetzt aus dem Amerikanischen von Juliane Zaubitzer.
Eine spannende Familiengeschichte und Reise auf die die Autorin Elizabeth Graver uns mitnimmt. Über Konstantinopel ( Istanbul) nach Barcelona und über Kuba bis nach New York folgen wir Rebecca Cohen und ihrer Familie. Dabei erhalten wir Einblicke in eine vergangene Welt und Kultur, die so nicht mehr existiert. Angelehnt ist das ganze an die eigene Familiengeschichte der Autorin. Es geht um Vertreibung, Emigration, die Anpassung an eine neue Umgebung - hier lässt sich die Hauptperson niemals unterkriegen. Auch die Dynamik zwischen den einzelnen Familienmitgliedern fand ich großteils stimmig. Für mich war der erste Teil des Buches, die Zeit in Konstantinopel sehr gelungen mit dem Einblick in das Leben dieser sephardischen Familie. Ich würde das Buch allen empfehlen, die sich für jüdisches Leben in der Diaspora interessieren und die gerne Familiengeschichten lesen.
Grossartiges Buch! Musste mich etwas einlesen, hat sich aber gelohnt!
Ein Roman über eine sehr starke Frau und die Suche nach Heimat und dem Gefühl dazuzugehören.
Dieser Familienepos begleitet eine jüdische Familie über mehrere Jahrzehnte, zeigt ihre Flucht während des zweiten Weltkriegs und wie sie vergeblich versuchen die komplette Familie nach New York nachzuholen. Ich habe ein bisschen gebraucht um in die Geschichte rein zu kommen, aber dann hat es mich gepackt. Elizabeth Graver zeichnet die Charaktere mit viel Liebe, insbesondere bei Rebekka ist diese zu spüren, was sicherlich daran liegt, dass diese Figur ihrer eigenen Großmutter nachempfunden ist. Ein schönes Buch über die Höhen und Tiefen des Lebens. Und gerade jetzt wieder ein sehr wichtiges Buch in Bezug auf Antisemitismus.





