In diesem kurzen Büchlein, das eigentlich eher ein Spin-Off Where the Axe is Buried ist, schreibt Nayler über den (geglückten) Versuch, Mammuts wieder anzusiedeln und diese in der Folge vor Wilderern zu schützen. Dabei finden sich zentrale Motive von Naylers Werk wieder, wie z.B. eine Person bzw. eher ihre Persönlichkeit zu retten, wenn der Körper stirbt und diese in einen anderen Körper zu übertragen. Ich mag Naylers Welt und seine Ideen, aber diese Geschichte ist einfach zu kurz, um wirklich zu fesseln oder einen in ihren Bann zu ziehen. Es liest sich so weg, aber ohne Tiefgang. Und vermutlich auch ohne große Nachwirkung.
Mammuts wurden genetisch neu erschaffen und streifen nun in der Tundra Sibiriens herum. Doch sie konnten nie arttypisches Verhalten lernen, weshalb sie Probleme haben, in der Wildnis zu überleben. Das digitalisierte Bewusstsein von Dr. Damira Khismatullina, einer der größten Elefantenforscherinnen und -schützerinnen wird in die Leitkuh einer Herde verpflanzt. Sie soll den Tieren beibringen, wie man überlebt. Doch nicht nur natürliche Gefahren bedrohen die Mammuts, sondern auch Wilderer. Kann Damira ihre Herde auch vor ihnen beschützen? Es ist sehr schwer zu beschreiben, was dieses Buch ist und was es nicht ist. Die Geschichte behandelt eine Menge Themen und liest sich an verschiedenen Stellen sehr unterschiedlich. Manchmal könnte sie fast ein Thriller sein, während sie an anderen Stellen eher eine langsame Betrachtung dessen ist, was das menschliche Bewusstsein ausmacht. Diese Vielfalt macht es schwer, eine Rezension dazu zu schreiben, aber sorgte auch dafür, dass diese Novelle besonders interessant zu lesen war. Als das zentrale Thema des Buches würde ich dennoch die Wilderei benennen. Dabei werden hier geschickt die aktuelle Situation mit einer theoretischen Zukunft verknüpft. Gezeigt wird, wie brutal der Kampf jetzt gerade ist, wenn es um die letzten lebenden Elefanten und Nashörner in Afrika geht. Erzählt wird von Versuchen, diese Tiere zu retten, von Fehlern, welche versehentlich gemacht wurden und welche sich nicht bei den Mammuts wiederholen dürfen. Es geht um menschliche Gier, um ein brutales System, welches hinter der Wilderei steckt und um das Leid der getöteten Tiere. Dieser Aspekt des Buches hat mich in allen Facetten beeindruckt und mitgenommen. Damit zusammenhängend geht es um Artenschutz und verschiedene Versuche, diesen umzusetzen. Unter anderem geht es hierbei auch um Trophäenjagd, welche durch Artenschützer durchgeführt wird, um mit dem Geld eines Abschusses die weitere Arbeit finanzieren zu können. Von diesem Aspekt hätte ich mir leider mehr gewünscht und ich hatte das Gefühl, die Novelle hätte hier einige Seiten mehr vertragen können, um die Debatte um dieses Thema herum stärker einzufangen. Insbesondere, dass Damira, die lange Zeit als Rangerin gearbeitet hat, von diesem Thema so überrascht war, war für mich einfach nicht glaubhaft. Für meinen Geschmack hätte auch die Frage nach dem menschlichen Bewusstsein, nach Erinnerungen und Personalität ein wenig mehr Platz erhalten dürfen. Ich kann mir jedoch vorstellen, dass hier absichtlich vieles offen für eigene Interpretationen gelassen wurde, da dies nicht der wirkliche Fokus des Buches war. Fazit: „The Tusks of Extinction“ ist eine vielfältige Novelle, welche sich insbesondere mit Wilderei und Artenschutz beschäftigt. Auch wenn manche Themen mehr Raum gebraucht hätten, war dies ein spannendes Buch, welches mich auf viele Weisen zum Nachdenken gebracht hat.

