
Wegbereiter des True Crime
Truman Capote hat „Kaltblütig“ als „non-fiktionalen Roman“ angelegt. Er wollte beweisen, dass eine Tatsachenerzählung ebenso spannend sein kann wie ein Thriller. Damit bereitete er dem neuen Genre des „New Journalism“ den Weg. Auch die Ästhetik des True Crime in seinen unterschiedlichen Formaten ist deutlich von Capotes Werk beeinflusst. Damals wie heute ist das Publikumsinteresse an solchen Themen gewaltig. Das Werk wurde direkt als literarische Sensation aufgenommen. Obwohl ich kein Fan solcher Formate bin, wusste mich Capote mit seinem sachlich-eleganten Erzählstil zu beeindrucken. Auch sind die Ereignisse rund um den grausamen Mord erschreckend und mitreißend beschrieben. Dass Capote durch seine detaillierte Beschreibung der Lebensläufe der beiden Täter einen Hintergrund für die anfangs völlig unbegreifliche Tat schaffen wollte, ist nachvollziehbar. Ausgiebig geht er der Frage nach, wie aus Perry Edward Smith und Richard Eugene Hickock Mörder werden konnten und ergründet dabei das dämonisch Böse in ihnen. Dabei bleibt er jedoch stets seinem Anspruch treu, einen Tatsachenroman zu schaffen: Er verurteilt nicht und zieht daraus auch keine Lehren für Gesellschaft oder Menschheit im Allgemeinen. Nachvollziehbar. Dennoch hätte ich mir etwas „mehr“ gewünscht. So fiel es mir schwer, mich für diese Lektüre zu motivieren. Zum einen bin ich kein Fan kriminalistischer Formate, die sich rein auf die Beschreibung einer Tat sowie deren Aufklärung beschränken. Zum anderen fand ich es mitunter schwer erträglich, zwei grausame Mörder über 500 Seiten lang durch ihren Alltag zu begleiten. Möglicherweise geht das Krimifans oder gerade Fans von modernen True-Crime-Formaten anders. Denen rate ich, dieser klassischen Lektüre eine Chance zu geben und damit nachzuvollziehen, wo dieses Genre seine Wurzeln hat. Als literarisches Experiment und stilbildende Neuerung ist Capotes Werk unbestritten auch heute noch großartig.




































