10. Aug.
Rating:5

Historischer Roman, aber anders

Seit zwanzig Jahren liebe ich die Romane von Guy Gavriel Kay. Einmal abgesehen von seinem Erstlingswerk, der Fionavar Trilogie, nimmt er sich historisch sehr fundiert einer bestimmten Epoche und bekannter Ereignisse an, verfremdet diese jedoch. Personen-und Ortsnamen werden verändert, Handlungen umgeschrieben, mehr oder weniger fantastische Elemente eingebaut. Hier befinden wir uns in Ferrieres (Frankreich) im Hundertjährigen Krieg. Der Tavernendichter Thierry wird mitten in der Nacht zum Fundort einer sehr prominenten Leiche gerufen und findet sich fortan immer öfter in Gesellschaft der Reichen und Mächtigen wieder. Es gilt, Ferrieres durch die Invasion der Anglcyn zu bewahren, wofür auch das von Gott berufene Bauernmädchen Jeannette kämpft, und ebenso einen Bürgerkrieg zu verhindern. Kay schreibt eindringlich, poetisch und melancholisch, jedes Wort zählt, muss an genau dieser Stelle stehen. Wer sich in erster Linie für eine spannende, schnelle Handlung interessiert, ist hier eher falsch. Stattdessen soll das Gelesene zum Nachdenken anregen. Das soll aber auf keinen Fall heißen, dass es keinen genialen Plot gibt oder das Buch langweilig wäre -ganz im Gegenteil! Die Charaktere sind vielschichtig und sympathisch. Der häufige Wechsel des POV, zwischen Protas und absoluten Nebencharakteren, ist ebenfalls typisch für GKK, damit man einen eher weiten, vielschichtigen Blick auf die Geschehnisse erhält. Wie ein Wandteppich oder ein Mosaik, um bei zwei zentralen Symbolen seines Gesamtwerks zu bleiben.

Written on the Dark
Written on the Darkby Guy Gavriel KayPenguin Publishing Group