5. Aug.
Rating:1

DNF at ~130 pages. I have a lot of mixed feelings about this book, especially because it takes on a topic of immense urgency and moral weight: the ongoing violence against Palestinians and the ways the West remains complicit or silent. Or at least, that’s what I believed when I started reading. In reality, what I found was a broad critique of 'the West', set against the backdrop of the ongoing genocide. I ended up DNFing the book after trying to push through it again and again, for several reasons: 1. I didn’t vibe with the writing style at all. For me personally, it was difficult to engage with. I often couldn’t tell what point the author was trying to make or where the argument was going. The structure felt jumbled, with various parts stitched together without a clear line of thought guiding the reader through. 2. No real new insights. I actively engage in discourse on 'the West' and enjoy hearing people bring up all kinds of points — good, bad, and worse — and reflecting on them. So for me, this book felt like a light brushing over of arguments I’ve heard a million times before, only communicated less effectively. 3. Near-total lack of citations. You either have to take everything the author says at face value or waste your time trying to figure out where the quotes came from and whether they can be verified, which, frankly, the author should have done. Good luck finding an Israeli newspaper article from 2014 that’s quoted but not cited. I expect more from a book. This level of sourcing (or lack thereof) I can excuse in a rushed opinion piece, but not here. 4. Extreme black-and-white thinking. You know the drill: 'the West' is bad, and no one there has any “real personal stakes”, so people in the West should drop everything and do exactly what people like the author demand. Because how dare you have problems you consider important or vote for an imperfect party out of fear of losing your own rights. There is an ongoing genocide, haven't you heard? I could go on, but I’ve already spent too much time on a book that preaches to the choir, makes little effort to persuade or inform, and offers no deeper understanding of the complex issues it claims to tackle.

One Day, Everyone Will Have Always Been Against This
One Day, Everyone Will Have Always Been Against Thisby Omar El AkkadRandom House LLC US
6. Mai
Rating:4.5

Diese Buch ist aktuell, politisch und ein extrem wichtiger Beitrag zum Zeitgeschehen.

Omar El Akkad thematisiert darin nicht nur den Genozid in Gaza, sondern vor allem auch den Umgang des Westens damit. Trotz tagtäglicher Schreckensbilder, eines Urteils des internationalen Gerichtshofs etc. ist unfaire, einseitige Berichterstattung in den Medien, Doppelmoral in der Politik und Cancel Culture im Kulturbetrieb nach wie vor die Regel, wenn es um Palästina geht. El Akkad bezieht sich in seinem Text vor allem auf Nordamerika, vieles kann man aber auch auf Europa umlegen. Seine Argumentation ist gut nachvollziehbar und überzeugt durch eine klare Sprache und konkrete Beispiele, dabei kommt ihm ohne Zweifel seine journalistische Erfahrung zugute. Durch Anekdoten aus seiner Kindheit in Katar und Kanada sowie aus seiner Karriere als Auslandskorrespondent verleiht er dem Buch auch eine persönliche Note.

One Day, Everyone Will Have Always Been Against This
One Day, Everyone Will Have Always Been Against Thisby Omar El AkkadRandom House LLC US
28. März
Rating:5

Beim Bestellen und Abholen von "One day, everyone will have always been against this" in der Buchhandlung, haben beiden Personen hinterm Tresen unabhängig voneinander sowas gesagt wie "ja, das stimmt wohl". Eines Tages werden alle immer schon dagegen gewesen sein. Gegen den Genozid an den Palästinenser*innen. Doch eines Tages ist noch nicht. Heute sind viele noch nicht einmal bereit, die Verbrechen von Israels Regierung und Militär, die mit Unterstützung der USA (und auch Deutschland) begangen werden als solche zu benennen. Heute heißt es noch häufig, es sei "kompliziert". Eines Tages werden alle schon immer dagegen gewesen sein, aber heute erfahren die, die jetzt schon dagegen sind, Repressionen und Gewalt. Die, die protestieren und nicht mitmachen wollen in der Gleichgültigkeit angesichts 50.000 Getöteter, Hunderttausenden Verletzten, Millionen Vertriebenen, verlieren Jobs und Aufträge, werden verhaftet, geschlagen und zunehmend auch deportiert. Omar El Akkad, kanadisch/us-amerikanischer Journalist und Schriftsteller, fasst in Worte wofür es kaum Worte gibt. Er beschreibt den Horror des Völkermords und den Horror, in einer Gesellschaft zu leben, die das Töten und Sterben ignoriert, es im schlimmsten Fall sogar rechtfertigt, gutheißt. Ja, es sei tragisch, aber notwendig, sagen die, die nicht um das Leben ihrer Angehörigen bangen. Denn "die Alternative ist Barbarei". Die Alternative zu den unzähligen Toten, den Verstümmelten und Waisen, ist Barbarei. Die Alternative zur Zerstörung der zivilen Infrastruktur, der Krankenhäuser, der Hilfsgüter, ist Barbarei. Omar El Akkad schreibt nicht nur über Gaza. Es geht zum Beispiel auch um Guantanamo, um rassistische Polizeigewalt. Es geht um die Ideologie des Westens, die nie als "Ideologie" angesehen wird, sondern als "Zivilisation". Die rassistische Weltordnung, white supremacy, bedeutet, dass ganze Menschengruppen als weniger menschlich, als weniger schützenswert betrachtet werden, in dem getötete Kinder zwar als "tragisch" gelten, aber mehr auch nicht. Es ist ein System, in dem wir einfach weitermachen in unserer Normalität. In ein paar Jahrzehnten vielleicht, wenn alle, die Verantwortung tragen, längst nicht mehr zur Rechenschaft gezogen werden können, werden alle immer schon dagegen gewesen sein. Omar El Akkad schreibt auch über die Verzweiflung und Ohnmacht der passiven Zuschauer*innen im sicheren "Westen". Über die Einsamkeit derer, die inmitten einer weißen Mehrheitsgesellschaft nicht mehr schlafen oder essen können, weil die Bilder des Genozids sie keine Sekunde loslassen, während um sie herum gefeiert, gelacht, publiziert, geheiratet, promoviert wird. "One Day" ist kein leichtes Buch, natürlich nicht. Ich war fast froh, dass es nach rund 180 Seiten vorbei war. Aber es wirkt nach. Ich bin froh, dass es im Mai bei Matthes&Seitz auf deutsch erscheint und ich hoffe, dass es viele, viele Leser*innen findet.

One Day, Everyone Will Have Always Been Against This
One Day, Everyone Will Have Always Been Against Thisby Omar El AkkadRandom House LLC US