
Nach einem gemeinsamen Trauma heiraten Sloane Chase und Senator Whit Montgomery und wollen neu anfangen. Doch nach einer Operation ist Sloane auf eine Pflegekraft angewiesen – und Athena scheint zunächst ein absoluter Glücksgriff zu sein. Genau diese Ausgangslage, die der Klappentext verspricht, hat mich direkt abgeholt: privilegiertes Umfeld, politische Bühne, Krankheit, Abhängigkeit und dieses leise Unbehagen, dass hier etwas nicht stimmt. Ich bin sehr gut in die Geschichte reingekommen und habe mich schnell orientieren können. Erzählt wird aus vier Perspektiven, was ich grundsätzlich sehr mag, weil es Tiefe schafft und verschiedene Blickwinkel eröffnet. Allerdings entwickelt sich die Handlung über weite Strecken recht langsam. Im Mittelteil hatte ich öfter das Gefühl, dass sich Situationen und Gedanken wiederholen und die Geschichte etwas auf der Stelle tritt. Gleichzeitig hatte ich viele Fragezeichen im Kopf vor allem, was die Motivation einer bestimmten Person angeht. Ich konnte sie lange nicht greifen und habe mich ständig gefragt, welches Motiv dahintersteckt. Bis kurz vor dem Ende war es für mich eine solide, aber eher durchschnittliche Geschichte. Nichts, was man zwingend gelesen haben muss, und ich hatte innerlich fast schon damit abgeschlossen, dass mich hier nichts mehr wirklich überraschen wird. Und dann kam das Ende. Beziehungsweise die Auflösung. Und die war ein echter Mindfuck. Plötzlich ergab alles Sinn, lose Fäden fanden zusammen und die Geschichte wirkte im Rückblick deutlich durchdachter und intelligenter, als ich es ihr zwischendurch zugetraut hätte. Diese Wendung war stark und hat das Buch für mich klar aufgewertet. Trotzdem bleibt für mich der Eindruck, dass der Mittelteil deutlich mehr Potenzial gehabt hätte und straffer oder intensiver hätte ausgearbeitet werden können. Das Ende reißt viel raus, kann aber nicht komplett darüber hinwegtäuschen. Insgesamt eine gute, spannende Idee mit einer sehr gelungenen Auflösung.

