Fanfiction done wrong?
Spoilerfreie Meinung 💕 Es ist eine schöne Geschichte über zwei Personen, die eine gemeinsame Vergangenheit haben und versuchen, dort wieder anzuknüpfen. Durch die Hollywood Atmosphäre und sympathische Charaktere konnte ich viele Emotionen nachempfinden und mich einfach mitziehen lassen. Wäre da nicht, dieser eine Fakt über das Buch, der meinen Blick darauf sehr verändert hat. Achtung, ab hier folgen Spoiler❗ Setting ⭐⭐⭐ Die schicken Restaurants, die Partys, die Villen, das Theater. Die Umgebung war schön, aber ist nicht das Erste, woran ich bei dem Buch denke. Charaktere ⭐⭐⭐,5 Chanti war mir zu Beginn sympathisch. Ich konnte ihre Gedanken und auch ihren Zwiespalt zwischen ihrem Job als neugierige Journalistin und grenzenwahrende Person sehr gut nachvollziehen. Als Leserin half mir ihre Perspektive, um die Presseartikel über Gabe einzuordnen. Auch Gabe mochte ich sehr. Er ist sehr empathisch, erzählt Chanti sogar von seinen Problemen (wie z.B. seine Angst, zuzunehmen) und versteht, wenn etwas für sie unangenehm ist. Dass er sie zum Alkoholtrinken motiviert und dadurch anfängt, die eigentliche Berufsbeziehung aufzubrechen, schiebe ich erstmal auf sein Alkoholiker-Dasein. Ich konnte die Verbindung der beiden wirklich gut nachfühlen. Die Mischung zwischen ihrem Celebrity Crush & der tatsächlichen realen Bindung zu ihm war emotional. Auch Ollie war mir schnell sympathisch. Er ist Gabes bester Freund und trotzdem unterstützt er Chanti soviel, auch in Bezug auf Konflikte mit Gabe. Handlung ⭐⭐⭐ Das Buch verlief sehr schnell, ohne viel Wendung. Toll war, dass ich mich total in die VIP-Welt reinlesen konnte. Man verfolgt Chanti, wie sie sich dort zurechtfindet. Dadurch bleiben aber einige offene Fragen zurück. Es wird kurz erwähnt, dass Jeremy Chanti betrogen hat. Aber ob das bei der ersten Trennung oder der Grund für die Scheidung war, weiß ich nicht. Außerdem wird kurz angebrochen, dass Chanti im Heute, anders als im Damals, eine sehr gute Freundin mit Katie hat. Chanti ruft Katie aber nicht an, wenn sie Sorgen hat und auch sonst kommt sie nicht mehr im Buch vor. Das fand ich ein bisschen schade. Chanti & Gabe bauen sehr schnell ein Vertrauen zueinander auf. Das kann ich verstehen, denn manchmal passiert das einfach innerhalb weniger Tage. Trotzdem habe ich nicht ganz nachvollziehen können, dass nach 10 Jahren exakt dieselbe Vertrauensbasis vorliegt. Die beiden behandeln sich gegenseitig, als wären sie Expartner. Dass Chanti Wut verspürt, wenn er sie anschaut, kann ich nur bedingt verstehen. Ja, die beiden verbindet etwas. Und ja, man möchte da anknüpfen. Aber für mich wirkt es so, als würde ihre Wut aus einer Fantasie stammen. Er ist mit ihr kein Committment eingegangen. Deshalb wirkt es sehr wie eine Fanfiction. Und nach ein bisschen Recherche ist es das auch: In einer Rezension von Hannah B. auf Goodreads las ich, dass es einen Artikel von einer Journalistin gibt, die zwei Tage mit Chris Evans feiern war und bei ihm zuhause aufwachte. Exakt, wie im Buch. Im Buch verfolgt man Chantis Probleme, in dem sie bei allem was sie tut, immer wieder zu der Frau herabgesetzt wird, die fast mit Gabe Parker schlief. Alle ihre neue Arbeiten werden nur damit in Verbindung gebracht. Chanti regt sich über die Sensationsgeilheit auf, dass alle wissen wollen, was genau passiert ist und wie sie jetzt zu ihm steht. Ich konnte sehr mitfühlen. Umso kritischer sehe ich, dass genau daran, sich das Buch in der realen Welt bedient. Die Autorin mutmaßt über Umstände und lässt die "echte" Journalistin Edith Zimmermann nicht als Autorin, die weiß, was sie tut, erscheinen sondern als Reporterin, die mit ihrem Interviewpartner schläft. Schreibstil-Gefühl ⭐⭐⭐,5 Ich habe sehr viele neue Wörter kennengelernt, was ich sehr spannend fand. Es liest sich aber trotzdem leicht. An einigen Stellen sorgen sehr lange Sätze dafür, dass ich ein zweites Mal drüberlesen musste. Der Aufbau des Buches war für mich am Anfang verwirrend. Es wird zwischen Heute und Damals gesprungen, unterbrochen von Artikeln aus der Presse und von Chanti. Ich konnte manchmal nicht ganz zuordnen, zu wem der Artikel genau gehört. Am Ende wusste ich dann, wie die Überschriften von Chantis Artikeln und die Überschriften von den Presseartikeln aussahen und konnte es sehr viel besser zuordnen. Ich habe das Gefühl, dass das Buch sehr viel richtig machen möchte. Es thematisiert Sexismus, Homophobie und Alkoholkonsum. Auf der einen Seite geht die Geschichte damit sehr sensibel um und auf der anderen Seite gibt es teilweise sehr unsensible Kommentare: Alkoholkonsum🍾 Gabe wird als Alkoholiker thematisiert, und auf der anderen Seite nutzt Chanti Alkohol für sich, um "weniger" über bestimmte Dinge, nachzudenken: "[Ich] wünsche mir im Moment verzweifelt, nicht nüchtern zu sein [...]" psychische Gesundheit🧠 Es wird u.a. auch die Stigmatisierung von Alkoholikern besprochen. Gleichzeitig gibt es einen Kommentar, der eine andere Erkrankung verharmlost und als Charaktereigenschaft erscheinen lässt: "Schizophren, wie ich nun einmal bin, bevorzuge ich diesen Look." Homophobie👪 Auch Olivers Probleme als schwuler Mann in der Filmbranche werden gezeigt. Dass er eine Rolle ablehnt, weil ein Regisseur seine sexuelle Orientierung als moralisch fragwürdig ansieht. Und gleichzeitig spielt Chanti mit einem ihrer Gedanken genau in die Stereotype: "Falls er ein ungelenker Tänzer sein sollte, wie die meisten Heteromänner, wollte ich mein Fantasiebild von ihm noch nicht zerstören." Dass alle homosexuellen Männer gut tanzen können, ist ein positives Stereotyp. Es schreibt ihnen eine Eigenschaft zu, die aber nicht alle haben und somit auch stigmatisierend sein kann, wenn jemand daraus fällt. Geschlechterstereotype🧑👩 Chanti versucht, Gabe auch aus anderen Perspektiven zu sehen, als die des Internets und spielt wirklich wenig mit Geschlechtsstereotypen. Aber in anderen Momenten dann auf einmal sehr deutlich: "Es hat etwas Ursprüngliches, diesem großen, starken Mann dabei zuzusehen, wie er Feuer macht, um mich zu wärmen." Das sind alles Dinge, über die kann man hinweglesen. Trotzdem sind sie mir aufgefallen. Und nun zu meiner Kritik der Fanfiction: Ich habe Ausschnitte aus dem echten Artikel mit Edith Zimmermann & Chris Evans gelesen. Der Schreibstil von Chanti ähnelt dem von Edith Zimmermann schon sehr. Unterhaltung ⭐⭐⭐,5 Ich habe das Buch gerne gelesen. Auch wenn die Handlung und auch die Beziehungsentwicklung keine Stärke des Buches sind, habe ich mich gerne in die Welt der Berühmten entführen lassen. Wie man wahrscheinlich unschwer rauslesen kann, stört mich der Kontext des Buches sehr. Davon abgesehen ist es eine süße Second-Chance Geschichte, die viele Emotionen weckt.




























































