Der Roman (auf Deutsch bei Piper erschienen unter dem Titel "In Flammen", ich habe aber das Original gelesen und kann zur Übersetzung nichts sagen) spielt in Indien, in Kolkata (Kalkutta) und zeichnet das Bild eines korrupten Staates, rassistischer Unterdrückung, Armut und Polizeigewalt. Im Zentrum steht Jivan, eine junge muslimische Frau aus dem Slum, die durch einen unbedachten Kommentar auf Facebook ins Visier der Behörden gerät. Nachdem sie zufällig Zeugin eines Terroranschlags in einem Bahnhof wurde, wird sie verhaftet und als Mittäterin angeklagt. Ihre Unschuld ist den Lesenden von Anfang an klar, doch das Justizsystem braucht eine Schuldige und Jivan hat eigentlich keine Chance. Im Verlauf der Geschichte erfahren wir mehr von Jivans Vergangenheit, warum sie die Schule abgebrochen hat und was ihrem Vater zugestoßen ist. Wir lernen aber auch Lovely kennen, eine Hijra (im Westen würde man "trans Frau" sagen, aber das greift ein bisschen zu kurz), die Schauspielerin werden will und Jivan ein Alibi geben könnte. Ein Teil der Geschichte ist aus ihrer Sicht erzählt und ihre Figur ist mir sehr ans Herz gewachsen. Die dritte Hauptfigur ist PT Sir, Jivans früherer Sportlehrer, der eine Karriere in einer rechtsextremen Partei beginnt. Die Vielstimmigkeit des Romans und die hochpolitische Auseinandersetzung mit dem modernen Indien haben die Lektüre für mich zu einem echten Highlight gemacht. Es ist kein Feelgood-Buch, eher das Gegenteil, aber wer meine Lesevorlieben kennt, hat das wahrscheinlich auch eh nicht erwartet, hehe.
13. JuniJun 13, 2024
A Burningby Megha MajumdarRandom House LLC US
