Schöne nostalgische Sommerlektüre über das Erwachsenwerden. Ray Bradbury kann einfach gut Geschichten erzählen, besonders wenn es sich bei den Protagonisten um Kinder handelt.
Ray Bradbury ist hierzulande vor allem bekannt für seine Science-Fiction, insbesondere Fahrenheit 451. Doch im Rahmen seiner Green Town-Trilogie hat Bradbury auch Bildungsromane geschrieben, die stark an seine Kindheit in Waukegan, Illinois, angelehnt sind. In „Löwenzahnwein“ erzählt Bradbury episodenhaft, wie Douglas, ein 12-jähriger Junge, den Sommer in seiner Heimatstadt erlebt. Dabei lernen wir zahlreiche Charaktere und Originale kennen, die die kleine Stadt prägen. Eine Motive ziehen sich über mehrere der kurzgeschichtenartigen Episoden hinweg, etwa die „Glücksmaschine“, die einer der Bewohner zu bauen versucht, die lebendige Zeitmaschine in Form eines betagten Bewohners, der vieles aus der Geschichte zu schildern vermag oder auch der gruselige Aspekt des Buches, der Mörder, The Lonely One, der Ausflüge in die „Ravine“, eine kleine Schlucht nahe der Stadt gefährlich und abenteuerlich zugleich macht. Der Roman ist durchzogen von Nostalgie, Atmosphäre und Originalität, mit wenigen leicht fantastischen Elementen und einer Prise Dunkelheit, die die Erlebnisse der Kinder ein wenig schaurig machen. Das hat uns in der Lesegruppe an „Stand By Me“ von Stephen King erinnert, vielleicht war das Buch ja ein Einfluss für den Horrorautor. „Dandelion Wine“ ist eine ganz wunderbare Sommerlektüre, zugleich leicht und doch mit Tiefgang, die ich sehr gerne weiterempfehle. Ray Bradbury hat mich als Autor überzeugt und ich möchte sowohl die beiden anderen Green Town-Romane als auch seine Science-Fiction bzw. Dystopien lesen.

