19. Okt.
Rating:5

Ein wunderschönes, bildgewaltiges Kinderbuch!

"Der Bär am Klavier" (Rezensionsexemplar) hat meinen Sohn (5) und mich sofort gefesselt. Nicht weil die Geschichte äußerst spannend wäre. Dem ist nicht wirklich so. Sondern weil die Illustrationen von David Lichtfield mal wieder ganz wunderschön gezeichnet sind und die Geschichte des Bären ans Herz geht. Eines Tages entdeckt ein junger Bär inmitten des Waldes, umringt von vielen Bäumen auf einer kleinen Lichtung ein Klavier. Erst weiß er nicht so recht etwas mit dem Musikinstrument anzufangen. Er ist noch zu klein, um die Tasten zu erreichen. Dennoch kehrt das neugierige Waldtier Tag für Tag zurück, um den fremden Gegenstand näher zu erkunden. Als unser Protagonist dann endlich die Größe eines ausgewachsenen Grizzlys erreicht, berührt er die Tasten und stellt fest, dass dabei ganz wundersame, betörend schöne Töne erklingen. Mit der Zeit gibt unser Bär kleine Konzerte, denen seine Artgenossen gebannt lauschen. Bis zu dem Tag, an dem Menschenkinder den Wald besuchen und das musizierende Tier dazu überreden, sie in die große Stadt zu begleiten, um sein Talent vor großem Publikum zur Schau zu stellen. Der Bär ist hin- und hergerissen, möchte er doch nur ungern seine Liebsten zurücklassen, doch die Sehnsucht überwiegt seine Zweifel: "Aber er sehnte sich so sehr danach, die Welt jenseits des Waldes zu erkunden, mehr wunderbare Musik zu hören und noch besser zu spielen als je zuvor." (Buchzitat) So macht sich der Grizzly auf in die große weite Welt und landet am Broadway. "Er hatte Ruhm und Reichtum und alle Musik der Welt, doch er vermisste den Wald." (Buchzitat) Nun aber stellt der Bär fest, dass Ruhm und Geld nicht alles sind und ihm seine Liebsten fehlen. Wird er also in den Wald zurückkehren? Aber wie würden die Bären nun reagieren? Irgendwann stehen unsere Kinder alle mal vor der Frage: Bleibe ich bei dem, was ich kenne oder wage ich einen oder gar mehrere Schritte ins Unbekannte? Sicherheit vs. Abenteuer. Vor dieser Situation stehen unsere Söhne und Töchter schon in jungen Jahren, wenn es darum geht, einem neuen Verein beizutreten, erstmals allein einen Kindergeburtstag zu besuchen oder auf fremde Kinder zuzugehen. Die Geschichte zeigt, wie wichtig es ist, Neues auszuprobieren, um Erfahrungen zu sammeln und für sich selbst herauszufinden, was einem wirklich wichtig ist. Und wie ihr euch denken könnt, wird Bär bei seiner Rückkehr mit offenen Armen empfangen. Es ist also keine Entscheidung gegen das Altbekannte, sondern für das Neue. Und wer sagt, dass man das eine aufgeben muss, um das andere zu bekommen? Manchmal sind gute Kompromisse der beste Weg.

The Bear and the Piano
The Bear and the Pianoby David LitchfieldHarperCollins