
"Then how can you , O my own husband, stop loving me? I repeat, the woman I have been loving is not you. But who? Another woman in your shape. She perceived i his words the realization of her own apprehensive foreboding in former times. He looked upon her as a species of impostor; a guilty woman in the guise of an innocent one. (S. 179)" Das Buch "Tess" handelt von dem jungen naiven Dorfmädchen Tess, das zunächst in die Fänge des ruchlosen Alec D' Urbervilles gerät, von diesem schwanger wird, allein in ihr Heimatdorf zurückkehrt, wo sie das Kind auf die Welt bringt, welches nicht lange danach stirbt. Als Milchmädchen auf einer Farm lernt sie danach Angel Clare kennen, den sie abgöttisch liebt und nach langem Zaudern wegen ihrer Vergangenheit schließlich doch heiratet. Als Angel in der Hochzeitsnacht von Tess Vergangenheit erfährt, zerfällt das Idealbild (s. Zitat), das sich Angel bis dahin von Tess gemacht hat. Tief erschüttert , lässt er Tess kurz darauf zurück, um nach Brasilien zu gehen und dort eine Zukunft als Farmer aufzubauen, zu der er Tess eventuell nachholen will. Auf der Suche nach neuer Arbeit begegnet Tess erneut Alec. Dieser bedrängt sie so lange bis sie ihm nicht mehr Stand halten kann. Kurz danach kehrt Angel zum Teil von Reue getrieben zurück und sucht nach Tess. Hin und her gerissen zwischen diesen beiden Männern und unter der Last ihrer eigenen inneren Qual, befeuert durch die religiösen Lehren der Zeit, wird Tess langsam wahnsinnig. Sie begeht schließlich einen Mord und besiegelt damit ihr eigenes Schicksal. Der englische Schriftsteller Thomas Hardy ( 1840-1928) erzählt diese Geschichte auf langsam und bedächtige Weise, die manchmal schon fast langatmig anmutet. Sie wird untermalt von landschaftlichen Beschreibungen und pastoralen Bildern, deren Idylle in krassem Gegensatz zu der Heftigkeit und Schicksalshaftigkeit von Tess Leben und Erleben stehen. Das Innenleben seiner Figuren beschreibt Hardy mit geradezu philosophischer Tiefe, dessen Wahrheit weit über deren momentane Gefühlslage hinausgeht. Ich mochte das Buch. Es hat mich aber einige Zeit gekostet es zu lesen, weil ich aufgrund der Erzählweise immer nur eine gewisse Anzahl an Seiten auf einmal genießen konnte. Tess Geschichte hat mich traurig und wütend gemacht bzw. das Verhalten der männlichen Figuren hat mich wütend gemacht und ich hätte den einen wie den anderen geren zurecht gestutzt, ohne Tess damit komplett die Verantwortung für ihr Handeln und ihre Entscheidungen absprechen zu wollen. Der eine benutzt sie, der andere idealisiert sie, aber letztendlich will sich keiner der beiden mit der wahren Tess, ihren Bedürfnissen und Gefühlen auseinandersetzen. Den Preis dafür zahlt Tess. Tess Geschichte ist die Geschichte von Frauen vieler Jahrhunderte und auch der heutigen Zeit. sie zeigt die Verantwortungslosigkeit von Männern, die erwarten, dass Frauen sich ihnen auf die ein oder andere Art unterordnen, aber gleichzeitig nicht mit den daraus resultierenden Konsequenzen ihres eigenen Regimes umgehen wollen.
