19. Mai
Rating:5

Auf der von den USA unabhängigen Insel Nollop wird deren Gründer Nevin Nollop wegen eines von ihm geschaffenen Pangramms – also eines Spruchs, der alle Buchstaben des Alphabets enthält – gottgleich verehrt. Als von seinem ihm zu Ehren errichteten Denkmal Buchstabenkacheln des Pangramms kaputt gehen, reagiert der Rat der Insel mit einem Verbot dieser Buchstaben, woraufhin sich Widerstand regt. „Nollops Vermächtnis“ ist definitiv kein alltäglicher Roman. Das merkt man schon an seiner Eigenbeschreibung: Ein langsam überschnappendes Lipogramm in Form eines Briefromans. Und in diesem Briefroman erlebt der Lesende eine wahre sprachliche Tour de Force, denn natürlich bleibt es nicht bei einem Kachelfall und nachdem der Rat stur alle gefallenen Buchstaben als Tabu betrachtet, kommt es im Briefverkehr mehr und mehr zu sprachlichen Verrenkungen, die immer absonderlicher anmuten. Es ist einerseits faszinierend zu betrachten, was sprachlich alles so machbar ist, dennoch schleicht sich beim Lesen der Briefe auch ein beklemmendes Gefühl ein. Irgendwann kommt man an den Punkt, an dem man feststellen muss: So schreibt wirklich keiner, wenn er nicht muss. Und genau das bringt mich zum nächsten Punkt: Die Nollopianer müssen das tun. Denn sonst droht ihnen der öffentliche Pranger bis hin zur Verbannung von der Insel. Das macht „Nollops Vermächtnis“ zu mehr als einer bloßen Sprachspielerei, es ist auch eine Warnung vor einem totalitären Regime. Dies sieht man auch an der Haltung der Bürger und Bürgerinnen. Vom anfänglichen „Wird schon nicht so schlimm sein“ über erzwungene und freiwillige Exile bis hin zur Gründung einer Widerstandsbewegung zur Rückgewinnung einer Sprache ohne Einschränkungen. So entpuppt sich „Nollops Vermächtnis“ als ein außergewöhnlicher Roman, der trotz oder gerade wegen seiner Kürze von etwa 240 Seiten noch stark nachwirkt. Man fragt sich, was Sprache kann und sollte, aber auch, was passiert, wenn entscheidende Teile des menschlichen Umgangs eingeschränkt bis verboten werden. Sicherlich nichts für jedermann, aber wer sich darauf einlässt, bekommt ein vollumfänglich intensives Leseerlebnis.

Ella Minnow Pea
Ella Minnow Peaby Mark DunnRandom House LLC US
14. Nov.
Rating:4.5

Ich liebe kreative Buchkonzepte und das hier war eins der kreativsten Bücher, die ich je gelesen habe: ein Briefroman, in dem immer mehr Buchstaben verschwinden, weil sie von einer Statue abfallen. Eine eindrückliche Warnung vor totalitären Systemen und ein inspirierender Liebesbrief an unsere Sprache!

Ella Minnow Pea
Ella Minnow Peaby Mark DunnRandom House LLC US
6. Feb.
Rating:5

Richtig süßes Buch

Dieses kleine aber feine Buch hab ich richtig gerne gelesen. Auch wenn mein Englisch nicht das Niveau hat, dass ich alles ohne Probleme verstanden habe, war die Sroryline richtig cool und so in Briefen geschrieben einfach mal was anderes. Außerdem lässt es Kreativität zum Mitraten, welcher Satz alle Buchstaben (möglichst nur ein mal) beinhaltet. Große Empfehlung für kleines Buch.

Ella Minnow Pea
Ella Minnow Peaby Mark DunnRandom House LLC US
28. Jan.
Rating:4

“On Wednesday, July 19, the Council, having gleaned and discerned, released its official verdict: the fall of the tile bearing the letter 'Z' constitutes the terrestrial manifestation of an empyrean Nollopian desire, that desire most surely being that the letter 'Z' should be utterly excised--fully extirpated--absolutively heave-ho'ed from our communal vocabulary!” In Nollop, a fictional island off the US-American coast, language is at the center of everything. But the island's peace is disturbed when suddenly, letters starts to fall off of the monument of their cherished idol Mr. Nollop. He is being worshipped for having come up with the wonderful sentence "The quick brown fox jumps over the lazy dog", a pangram containing each letter of the alphabet at least once. For the Nollopian leadership, the sudden fall of letters can only mean one thing: It is a divine message from the deceased Mr. Nevin Nollop, suggesting that whatever letter has fallen shall not be used in written or spoken communication any more. And thus, one letter after the other is banned from the island. People who use it, who even just accidentally speak a word that contains a forbitten letter, are punished and eventually exiled. Neighbors denounce neighbors; the people live in fear. We witness all of this through letters that are being sent between Ella Minnow Pea (tell me this is not the perfect name for a character in this novel) and her cousin, aunt, family and neighbors. Throughout the book, their communication becomes increasingly cryptic as less and less letters are at the writers' disposal, and the terror soon infecting the once peaceful island becomes blatantly clear - not just through content, but also through form. "Ella Minnow Pea" is a startling example for what amazing powers lie within language while also being a thoughtful parable for extremism and dictatorship of any kind. This cautionary tale is certainly worth your time and a scary and yet somehow delightful read for everyone enjoying a play on language and the occasional epistolary novel. Go read!

Ella Minnow Pea
Ella Minnow Peaby Mark DunnRandom House LLC US
15. Apr.
Rating:4

Interessantes Schreibexperiment, wo in jedem Kapitel mit einem Buchstaben weniger geschrieben wird. Die Themen sind sehr offensichtlich, was sie aber nicht weniger interessant macht. Die Liebesgeschichte ist eher zweitrangig, was mir aber gut passte. Am interessantesten ist am Ende die Bevölkerung mit ihren Regeln und was das für Auswirkungen hat. Das Ende war wirklich schön

Ella Minnow Pea
Ella Minnow Peaby Mark DunnRandom House LLC US
27. März
Rating:2

Nevin Nollop hat einst ein Pangramm geschaffen, für das er bis in die Gegenwart bewundert und verehrt wird. Jenes Pangramm wurde sogar an einem Turm manifestiert, so bedeutsam war es den Bewohnern des kleinen Inselstaates. Als sich dann der erste Buchstabe (Z) löst und zu Boden fällt, beschließt der Inselrat, dass sämtliche Wörter, die diesen Letter beinhalten, nicht mehr genutzt werden dürfen. Denn Nollop, vor 107 Jahren dahingeschieden, war ein Mann des Wortes und - so die Ansicht der Staatsherren - was wolle ein Mann des Wortes sonst damit anderes als den Verbot des Buchstabens ausdrücken?! Das hat weitreichende Folgen, denn so werden alle Bücher, außer Bilderbücher, von der Insel verbannt und die Bibliothek geschlossen. Nutzung des Buchstabens wird bestraft und kann in einer Verbannung oder dem Tod enden. Im weiteren Verlauf dieses Briefromans fallen natürlich weitere Buchstaben und die Sprache wird stur immer weiter eingeschränkt. Das sorgt für versteckten Widerstand und stimmt selbst den größten Hardliner nachdenklich. "Nollops Vermächtnis" beginnt vielversprechend, entwickelt sich im weiteren Verlauf aber nicht besonders und wirkt in der Gesamtbetrachtung ziemlich dünn.

Ella Minnow Pea
Ella Minnow Peaby Mark DunnRandom House LLC US