Einer der besten Geisterrromane, die ich je gelesen habe. Einmaliger Plot und geniale Charaktere. Southern Gothic in Perfektion.
Das Vorwort zu diesem Buch liess meine Erwartungen wohl etwas zu rasch in die Höhe schnellen; zumindest bin ich noch immer eher enttäuscht von der Lektüre dieses Buches. Das Setting liest sich eigentlich vielversprechend und originell: Alabama in der Sommerhitze, drei Familienhäuser, in einem davon stimmt etwas ganz und gar nicht. Leider scheint das Buch nicht gut gealtert zu sein. Zumindest meiner Ansicht nach nicht. Zum einen ist es viel zu zäh erzählt. Viel zu lange ergeht sich der Autor in den Ferienaktivitäten der Figuren, sodass ich oftmals eher das Gefühl hatte, einen Familienroman zu lesen, keine Horrorgeschichte. Wenn es dann zu den Phänomenen kommt, werden die ziemlich vertrocknet geschildert. Es kommt leider keinerlei Spannung auf. Auch keine Stimmung, keine Atmosphäre. Und genau das braucht es doch in diesem Genre. Vielleicht lag es auch daran, dass mir die Figuren alle einigermassen gleichgültig waren. Viel des Zitterns beim Lesen von Horror kommt auch daher, dass man sich fragt, was mit den Charakteren passiert. Mir blieben die Figuren aber derart fremd, dass es mir eher Wurscht war, ob sie nun von Sanddünen fast verschluckt wurden, oder aber auf der Veranda sassen und sich sonnten. Ein weiterer Punkt, der für mich heutzutage nicht mehr funktioniert, ist die ständige Beschreibung Odessas als "the black woman". Das mag in den Siebzigern noch gegangen sein, heutzutage liest sich das als eher beleidigend. Ich weiss nach dem ersten Mal, dass sie dunkle Hautfarbe hat. Aber laut McDowell scheint dies das einzige Merkmal seiner Figur zu sein, die erwähnenswert ist. Vielleicht sehen das andere Leser aber weniger eng als ich. Ich lass das hier mal so stehen. Das sind meine Eindrücke der Lektüre und ich gestehe, ich bin froh, das Buch nun von meiner Wunschliste entfernen zu können.

