28. Sept.
Rating:4

3.5 stars Im Südwesten von Nordamerika im 16. Jahrhundert. Die Spanier erkunden diese Region von Amerika, weiter im Süden, in Mexiko, herrschen sie längst. Auch die Region westlich und nördlich des Golfes von Mexiko fällt bald unter ihre Herrschaft. Sie nennen sie „Tejas“. Wie der zeitgenössische Autor Edward Rutherfurd schrieb James Michener während seiner Schaffensperiode von den Vierziger bis zu Beginn der Neunziger Jahre zahlreiche historische Romane, die die Geschichte einer bestimmten Region anhand mehrerer Familiengeschichten schildern. Im Gegensatz zu einigen anderen Büchern, die schon bei der Geologie oder der Tierwelt der Region beginnen, setzt die Handlung von „Texas“ erst kurz nach der Eroberung durch die Spanier ein. Als Rahmenhandlung dient die Bildung einer „Task Force“, die den Geschichtsunterricht an texanischen Bildungseinrichtungen reformieren soll, in der Gegenwart. Teil dieser Task Force sind die Sprösslinge der Familien, die im Laufe des Romans nach Texas gelangen und dort siedeln. Die einzelnen Kapitel, die je einen Zeitabschnitt behandeln, schließen jeweils mit einem Abschnitt der „Task Force“ Während das erste Kapitel noch etwas spröde daherkommt, gelingt es Michener in den Folgekapiteln, interessante und glaubhafte Charaktere zu erschaffen, mit denen man sich teilweise identifizieren kann, was jedoch dadurch eingeschränkt ist, dass die Charaktere Menschen ihrer Zeit sind, deren Haltung zu Indianern und Schwarzen für uns heute verwerflich ist. Michener schont seine Leser nicht – Grausamkeiten werden in nüchternem Ton und ohne Weichzeichnung geschildert. Ich selbst war schockiert angesichts der entsetzlichen Folter- und Tötungsmethoden, die Michener die vor Ort siedelnden Indianer – Apachen und Comanchen – gebrauchen lässt. Mir war nicht bekannt, dass es sich bei diesen Stämmen um besonders grausame Indianergruppen handelte. Mir ist klar, dass beide Seiten und nicht nur die Amerikaner Massaker anrichteten, aber ich wusste mehr über den Genozid an den Indianern. Ich stelle nicht das Motiv der Indianer infrage, natürlich wehren sie sich gegen die Eindringlinge, aber diese entsetzliche Grausamkeit… sie liegt wohl in der Natur des Menschen. Nichtsdestotrotz gehören die Kapitel, in denen es um Auseinandersetzungen zwischen (US-)Amerikanern und Indianern geht, zu den Highlights des Buches. Überrascht hat mich, wie knapp der amerikanische Bürgerkrieg beschrieben wird, der erste und zweite Weltkrieg werden gänzlich ausgelassen. Dies ist nachvollziehbar, denn zu diesen Themen gibt es genug andere Literatur. Was für meine Begriffe aber wirklich zu kurz kommt, ist das Kennedy-Attentat, das schließlich in Dallas geschah, und die Person Lyndon B. Johnson, der selbst Texaner war. Überhaupt sind die Kapitel über die neuere Geschichte des Staates die Schwachpunkte des Romans. Zwar informieren die entsprechenden Kapitel recht gut über die weitere Entwicklung von Texas (z. B. den Ölboom), beschränkt sich jedoch zu stark auf wirtschaftliche Aspekte, sodass ich sie regelrecht langweilig fand. Insgesamt ist „Texas“ jedoch wie andere Bücher dieses Genres eine kurzweilige und vergnügliche Quelle, mit der die Leser etwas über die Geschichte der Region lernen können. Man sollte sich jedoch des enormen Umfangs des Romans bewusst sein, bevor man die Lektüre erwägt.

Texas
Texasby James A MichenerRandom House Publishing Group