
Manche mögen nicht wissen, was Enshittification ist, aber wir alle sehen und spüren sie jeden Tag. Auf Social Media und Websites, die so mit Werbung zugeballert sind, dass man sie kaum noch benutzen kann. Auf großen Shoppingplattformen, die völlig überteuerten Schrott auf die erste Seite schmeißen und da große Banner draufpappen. Und wenn man Apps mit allen Funktionen anständig nutzen will, muss man monatlich zahlen. Wäre ja doof, wenn wir ein Produkt nur einmal kaufen, also für die CEOs. Besser: Man überweist monatlich! Und wenn die Gier immer größer wird, zieht man die Preise an, siehe Netflix. Die Leute bleiben trotzdem dabei. Dieses Buch bietet eine umfangreiche, übersichtliche Aufarbeitung der Enshittification, wie sie funktioniert, welche Symptome es gibt, wer darunter leidet (nicht nur wir, sondern auch alle Firmen, die Werbung schalten, Ware verkaufen wollen, Artikel posten etc.) und warum es sie überhaupt gibt. Anhand von konkreten Beispielen wie Amazon, Google, Apple, Uber usw, können wir als Lesende nachvollziehen, warum uns das Internet keinen Spaß mehr macht… und wie böse die Machenschaften tatsächlich sind. Klar, man weiß das so ungefähr. Aber nochmal genau zu lesen, was da abgeht, hat mich ziemlich umgehauen. Zum Glück hat der Autor Humor, sonst wäre das alles ja nur zum Verzweifeln. “Ich führe Musks Patzer nicht auf, um ihn als dumm und inkompetent hinzustellen (auch wenn ich ihn, um das klarzustellen, für sehr dumm und sehr inkompetent halte).” - Seite 65 Es geht natürlich auch um Arbeitsrecht, Ausbeutung und unmenschliche Bedingungen, was ich wichtig finde. “(...) derjenige, der die eigentliche Arbeit verrichtet, bekommt das kleinste Stück vom Kuchen ab.” - Seite 243 Der Autor bleibt dabei größtenteils in den USA, nimmt aber auch immer mal wieder die EU mit rein. Im letzten Teil zeigt er uns dann auf, wie man all den Mist wieder ändern könnte. Allerdings sieht er durch die aktuelle US Regierung momentan wenig Gutes, sondern weitere Verschlechterungen. Er bleibt aber auch ein wenig hoffnungsvoll. Es kostet uns einiges, die Giganten nicht mehr zu nutzen (auch das erklärt und begründet der Autor gut). Aber wir sind diejenigen, die wirklich was bewegen können, wenn wir irgendwann gar keinen Bock mehr haben. Bis dahin machen wir vielleicht kleine Schritte.
