Okay ich habe ehrlich gesagt den Mittelteil komplett übersprungen und nur das Ende gelesen, weil ich wissen wollte, wie es ausgeht.
Erstmal: Das ist absolut ein subjektives Ding. Ich habe mich einfach nicht auf die Figuren einlassen können und mochte sie auch eigentlich alle nicht, was es mir unglaublich schwer gemacht hat, mich für den Plot zu begeistern.
Ich liebe die Welt und den Schreibstil und die Grundidee und fand Band 1 ja auch wirklich toll. Aber hier stimmte die Chemie zwischen den Figuren und mir einfach nicht. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass das bei anderen ganz anders war und sie deswegen das Buch super fanden ❤️
Bei ungefähr 40% tut aber eine der Hauptfiguren etwas, was dafür gesorgt hat, dass ich jede Sympathie für sie verliere und das ist leider nicht wieder gekommen - weil ich die Figur eben auch vorher nicht sooo gerne mochte.
N. K. Jemisin ist eine fantastische, talentierte Autorin von der ich unbedingt mehr lesen möchte, und das mir auch bestimmt besser gefallen wird, weil hier einfach wirklich nur der Vibe zwischen mir und den Figuren nicht gestimmt hat. Das passiert mir manchmal einfach.
Absolutes Highlight, wie auch schon Band 1, obwohl Band 1 und 2 hier doch deutlich sich voneinander abgrenzen.
10 Jahre sind vergangenen nach den Geschehnissen in Band 1. Neue Handlungsstränge und neue POVs treten auf die Bildfläche, auch wenn es zwei altbekannte Gesichter gibt, die hier aber eher an den Rand treten und nur in wenigen Kapiteln ihre Sicht schildern. Zeitgleich gibt es noch einen sehr grausigen POV, bei dem man früh merkt, dass es hier um den "bösen" Charakter geht. Aber auch in dieser Storyline gibt es noch einige Überraschungen.
Jemisins Worldbuilding ist auch hier wieder ziemlich überzeugend, auch wenn anstelle von Gujaareh diesmal auch viel Zeit in der Wüste bei dem Stamm der Banbarra verbracht wird. Gujaareh ist mittlerweile von Kisua besetzt und steht unter einem Protektorat, geführt von Sunandi, aber die Konflikte zwischen dem Lebensweg der Stadt Hananjas und den umliegenden Völkern bleiben zentral. Mehrere Gujaareh werden bei den Banbarra mit anderen Ansichten und ihren eigenen Werten vs. denen anderer Völker konfrontiert. Zugleich stellt die junge Hanani, ein Sharer in Ausbildung, die traditionellen Geschlechtsrollen indirekt infrage - dies wird sehr subtil hier und da aufgegriffen und wieder eingewoben. Jemisin bleibt allerdings bei einem komplett binären Bild hier.
Die Welt der Narkomanten und des Traumreiches Ina-Karekh hat mich auch hier wieder unglaublich fasziniert. Obwohl ich Band 1 noch gut in Erinnerung hatte, ist es fast eine komplett neue Geschichte durch den Zeitsprung und die neuen Hauptcharaktere. Nur hier und da gibt es bittersüße Anspielungen und Erinnerungen an Band 1. Hinter dessen Wucht blieb "The Shadowed Sun" für mich ein bisschen zurück, aber es bringt die Welt von "Dreamblood" sehr schön und gelungen zum Abschluss.
Das Buch hat keine Content Warnungen, deshalb hier von mir hinter Spoilertag kurze Warnungen:
Gewalt, Folter, Tod, Blut und Kampfszenen kommen vor im üblichen "Fantasy-Sinne" - distanziert und nicht ausführlich beschrieben, verschiedene Charaktere stellen sich auch dagegen.
Eine Storyline dreht sich um Vergewaltigung und Inzest sowie Quälen eines Kindes. Diese Kapitel lassen sich durch einen bestimmten POV komplett überspringen, sind dort aber sehr zentral und immer wieder auch emotional thematisiert.