
Achtung, es wird wütend …
[Achtung, Spoiler] Ich wollte Boys of Tommen 2 wirklich lieben, weil der erste Band für mich trotz aller Kritikpunkte noch emotional funktioniert hat. Aber dieses Buch war leider eine ziemliche Enttäuschung für mich. Vor allem, weil es sich unfassbar gezogen hat. Gefühlt bestanden die ersten 500 Seiten einfach nur aus denselben Konflikten, denselben Gesprächen und denselben Gedankenspiralen immer und immer wieder. Wirkliche Handlung kam für mich erst auf den letzten 200 Seiten zustande — und genau das hat mir gezeigt, dass das Buch locker deutlich kürzer hätte sein können. Die wichtigen Entwicklungen wurden am Ende plötzlich abgearbeitet, während sich davor vieles einfach permanent wiederholt hat. Zusätzlich haben mich die Dialoge irgendwann komplett verloren. Gerade die Gespräche mit den Eltern wirkten teilweise so drüber oder unfreiwillig cringe, dass dadurch eigentlich ernste Themen fast lächerlich geworden sind. Das Buch behandelt schwere Themen wie Gewalt, Missbrauch, Vernachlässigung und psychische Belastung, aber gleichzeitig gab es Dialoge oder Szenen, die sich tonal so seltsam angefühlt haben, dass die emotionale Wirkung für mich oft verpufft ist. Und irgendwann musste ich auch einfach lachen, weil die Autorin eine Zeit lang offensichtlich die Formulierung „Johnny knurrte dunkel“ für sich entdeckt hatte. Das wurde so oft benutzt, dass ich jedes Mal nur noch die Augen verdreht habe. Allgemein waren viele romantische Szenen für mich irgendwann eher überzeichnet als intensiv. Vieles sollte wahrscheinlich unglaublich leidenschaftlich wirken, hatte für mich aber eher Fanfiction-Vibes. Was mich aber am meisten gestört hat, war das Frauenbild innerhalb der Reihe. Gefühlt brauchen hier wirklich alle Frauen einen Mann, damit ihr Leben funktioniert oder sie „gerettet“ werden. Shannon wird ständig von Johnny beschützt, kontrolliert oder emotional getragen und darf nur selten wirklich eigenständig stark sein. Aber selbst bei den Nebenfiguren zieht sich das durch. Sogar Johnnys Mutter bekommt am Ende wieder so eine Geschichte, in der ein Mann der Wendepunkt für ihr Leben ist. Mir fehlten komplett weibliche Figuren, die unabhängig heilen, wachsen oder einfach mal ohne männliche Rettung auskommen dürfen. Dadurch wirkte das Buch für mich trotz der sensiblen Themen teilweise erstaunlich altmodisch. Viele problematische Verhaltensweisen von Johnny werden romantisiert — seine Kontrolle, seine Eifersucht, dieses extreme Besitzdenken — und gleichzeitig drehen sich viele weibliche Figuren emotional komplett um Männer herum. Das hätte ich vielleicht eher ignorieren können, wenn die Charakterentwicklung dafür stärker gewesen wäre, aber stattdessen hatte ich oft das Gefühl, dieselben Konflikte nur in leicht anderer Form wieder und wieder zu lesen. Besonders schade fand ich Johnnys Entwicklung. Im ersten Buch hatte er für mich noch diesen „beschützender Green-Flag“-Vibe, aber hier ist das für mich komplett gekippt. Statt eines liebevollen Partners war er oft einfach nur bevormundend. Und nachdem die beiden ihre sexuelle Beziehung entdeckt haben, hatte ich leider auch das Gefühl, dass sich plötzlich fast alles nur noch darum dreht. Die emotionale Nähe, die ich anfangs eigentlich mochte, ging dabei für mich ziemlich verloren. [wir vergessen hierbei bitte auch nicht, dass Shannon 16 ist!!!!] Der Moment, der mich endgültig rausgebracht hat, war dann nach dem Trainingslager, als Johnny zurückkommt und der Fokus sofort darauf liegt, dass Shannon jetzt endlich Brüste und Arsch bekommen hat. Das sollte vermutlich sexy oder emotional wirken, war für mich aber einfach nur unangenehm und hat perfekt zusammengefasst, was mich am zweiten Band zunehmend gestört hat: toxische Männlichkeit die über weibliche Körper bestimmen. Ja, das Ende hat es geschafft, mich kurz wieder neugierig zu machen. Aber gleichzeitig weiß ich bei der Dicke der Bücher inzwischen eigentlich auch selbst, dass ich mir wahrscheinlich einen größeren Gefallen tue, wenn ich aus der Reihe aussteige. Für mich war das leider ein Fall von: viel zu lang, zu viele Wiederholungen und zu viel romantisiertes problematisches Verhalten hinter emotional schweren Themen.





























































