Wir (das sind noch zwei weitere Leseratten und ich) haben es wieder geschafft und waren dieses Mal in England unter Henry VIII unterwegs (der Schwerenöter mit der hohen Frauenquote). Sansom entführte uns erneut ins 16. Jahrhundert nach London – und wie immer gefiel mir seine häufig ungeschönte Sicht auf Politik und Leben zu der Zeit sehr gut. Mitunter hatte ich das Gefühl, selbst die Gerüche von den Gerbern wahrzunehmen… In Sansoms Büchern trifft Kriminalfall auf die damalige Politik. Cromwell war sehr rührig, doch andere waren ebenfalls in der Lage, ihre Intrigen zu spinnen. Dieses Mal beauftragt Cromwell Shardlake, das sogenannte „Griechische Feuer“ zu finden, um König Henry VIII zu beeindrucken (und seinen eigenen Kopf zu retten). Selbstverständlich stößt Shardlake nicht nur auf logistische Hindernisse, sondern auch auf den einen oder anderen Toten. Parallel dazu wird Shardlake von einem früheren Klienten gebeten, seine Nicht zu vertreten. Diese wird des Mordes an ihrem Cousin verdächtigt – so droht ihr zunächst Folter und anschließend die Todesstrafe. Doch das junge Mädchen spricht kein Wort und Shardlake verzweifelt fast. Wer Details mag, wird womöglich an Sansom Gefallen finden. Für mich unterscheiden sich seine Krimis, weil er sehr auf den historischen Kontext eingeht und recht viel der damaligen gesellschaftlichen Konflikte in seinen Krimis verarbeitet. So hatten viele Menschen, auch Shardlake, große Hoffnung in die Auflösung der Klöster gesetzt – denn durch das Geld sollten Arme unterstützt werden. Doch es zeigte sich, dass sich am Ende das Geld seinen Weg in andere Taschen suchte und es wahre Machtkämpfe innerhalb des Adels gab (bei denen sich die Kirche auch nicht heraushielt). Einen wirklichen Unterschied spürte man nicht, wenn man davon absah, dass sich die Opfer auf den Scheiterhaufen unterschieden. Eine klare Leseempfehlung mit dem wichtigen Hinweis, am besten mit dem ersten Teil („Dissolution“ bzw. „Pforte der Verdammnis“) zu beginnen.
19. Sept.Sep 19, 2024
Dark Fire (The Shardlake series, Band 2)by C. J. SansomPan
