Schwierig, das ohne Spoiler zusammenzufassen. War jedenfalls gut 😉 Wenn ich es schaffe, um die Spoiler herumzunavigieren, gibt es noch ne Rezension.
Rosanna Pike gelingt mit "A Little Trickerie" ein ebenso freches wie berührendes Debüt, das sich tief in die Schattenseiten des Tudor-Englands wagt und dabei eine Heldin präsentiert, die man so schnell nicht vergisst. Im Zentrum steht Tibb Ingleby, eine junge Vagabundin, die nach dem Tod ihrer Mutter allein durch die Wälder und Felder Englands zieht. Ihre Reise ist geprägt von Täuschung, Überlebenskunst und dem Wunsch nach Zugehörigkeit. Pike entwirft ein England, das von Aberglauben, Armut und patriarchalen Zwängen durchzogen ist – und lässt Tibb darin eine „Trickerie“ inszenieren, die sich zu einem gesellschaftlichen Spektakel auswächst. Die Atmosphäre ist rau, aber nie trostlos. Pike nutzt eine fast märchenhafte Sprache, die an Chaucer erinnert, und verleiht dem historischen Setting eine moderne, rebellische Energie. Tibb ist keine klassische Heldin – sie ist ungehobelt, clever, verletzlich und zutiefst menschlich. Ihre Entwicklung vom Straßenkind zur Anführerin eines gewagten Plans ist glaubwürdig und mitreißend. Die Nebenfiguren – ein buntes Ensemble aus Außenseitern und Mitläufern – sind liebevoll gezeichnet und tragen zur emotionalen Tiefe der Geschichte bei. Pikes Stil ist pointiert und bildhaft, mit einem feinen Gespür für Dialoge und Timing. Besonders gelungen ist die Struktur: Rückblenden und Vorausdeutungen erzeugen Spannung und lassen das Finale wie ein sorgfältig gelegtes Puzzle erscheinen. "A Little Trickerie" ist ein origineller, kluger Roman über Täuschung, Gemeinschaft und weibliche Selbstermächtigung. Wer historische Romane mit Eigensinn und Herz sucht, wird hier fündig. Pike beweist, dass Geschichte nicht nur von Königen und Kriegen erzählt werden muss – sondern auch von den kleinen Tricks, mit denen man sich durchs Leben schlägt.

