Ein glitzerndes, schillerndes Juwel von einem Buch!
Dieser Roman stand lange ungelesen bei mir im Regal. Kühn mutet uns Virginia Woolf schon auf den ersten Seiten die sperrigsten Sätze zu. Beinahe hätte ich direkt am Anfang aufgegeben. Doch dann mit einem groben Wissen um das Setting (Ferienhaus auf einer hebridischen Insel, Familie Ramsay mit sage und schreibe 8 Kindern plus Personal und noch zahlreichen Freunden der Familie, das Meer, der ersehnte Ausflug zum Leuchtturm) ließ ich den Anspruch los, alles sofort verstehen und deuten zu können und ließ mich auf ihren berühmten Stream of Consciousness ein. Und dann schwebte ich wundersam getragen von ihrer erfrischenden, lebendigen, assoziativen Sprache mitten in der Geschichte. Mal den Gedanken der einen, mal denen der anderen Figur folgend. Im Mittelpunkt Mrs Ramsay und ihr leicht übellauniger Mann, drum herum die Kinder und Gäste. Handlung und Plot stehen nicht im Vordergrund. Eher Gedanken über das Leben, menschliche Beziehungen und deren Ambivalenzen und typisch weibliches und männliches in der Gesellschaft. Zart, frisch und liebevoll beobachtet, poetisch, feministisch, stellenweise witzig, klug, bildhaft und philosophisch. Ich wollte Virginia Woolfs Romane immer toll finden, hatte mich aber bisher nicht rangetraut oder war doch mehrfach am Experimentellen ihres Stils gescheitert (Orlando, The Waves). Ich dachte, das wunderbar tolle ist doch zu enigmatisch für mich. Doch „To The Lighthouse“ hat sich mir nun doch überraschend gut und leicht erschlossen und ich bin sehr froh einen Zugang zur literarischen Welt dieser Schriftstellerin gefunden zu haben. Ich empfehle jedem einen Versuch!








