WOW!!! *Kleiner Tipp, man sollte dieses Buch nicht lesen, weil es ein Klassiker ist, sondern weil es einen interessiert, ansonsten könnte es wahrscheinlich sehr langweilig werden. Ich fand ihn wirklich lesenswert!
Kein Buch was ich einfach durchlesen konnte. Maximal 70 Seiten pro Tag bei 779 Seiten, habe ich also ein wenig gebraucht. Henry James schreibt sehr bildlich und oft musste ich meinen Verstand mit einbringen um zu verstehen, was das Bild mir gerade sagen möchte über den Charakter. Denn er nimmt viele Worte aber so vieles wird nicht gesagt, und aus beidem entsteht das Bild. Diese Geschichte ist wirklich komplex und sehr Charakterbasiert, mit sehr wenig Handlung. Eher mit vielen Gedanken von den Charakteren und Konversationen untereinander. Und das Ganze noch in einer Sprache aus dem späten 19ten Jahrhundert (google war mein ständiger Begleiter hier, da viele Begriffe so nicht mehr verwendet werden) man braucht hier also wirklich Langmut. Ich kann mir vorstellen, dass viele sich denken, was für ein Geschwafel oder viel zu verquast. Daher habe ich das Gefühl, man braucht hier eine gewisse Feinfühligkeit und Interesse an vielschichtigen Figuren und vor allem an der Psychologie, um die Kunst dieses Schreibens zu würdigen. Ich behaupte nicht, dass ich diese Kunst zu 100% verstanden habe aber sie hat mich zu 100% beeindruckt. Wir begegnen hier Isabel Archer einer jungen Frau die aus Amerika nach England kommt und der Autor nimmt uns mit in ihre innere wie äußere Reise mit sich selbst und den Personen um sie herum. Wir werden hier auch vom Autor direkt angesprochen als der Lesende und somit erfahren wir auch einige Hintergründe, die Isabel nicht weiß, somit wissen wir als Leser den Betrug schon können aber nur beobachten wie sie in die Falle tappt. Es heißt zwar Bildnis "einer" Dame und auch wenn Isabel die Hauptfigur ist, empfand ich es aber, dass insgesamt die Frauen hier mehr Anteil und mehr Bildnis bekommen als die Männer. Tatsächlich würde ich Henry James als einen kleinen Feministen nennen, denn er hinterfragt hier auch patriachale Strukturen und die Privilegien der Klassenunterschiede auch im Hinblick auf die Frauen. Wie ich schon bereits erwähnte, ist der Gesellschaftsroman sehr psychologisch und es wird mich noch eine Weile begleiten. Achtung evtl. kleiner Spoiler! Alleine das Ende, lässt viel Spielraum offen. (in der heutigen Zeit wäre es ein Cliffhanger und es würde einen zweiten Teil geben) >Was ich noch hinzufügen kann, dieser Roman beschäftigt sich auch mit den Klassenunterschieden, mit der alten und neuen Welt, un die Unterschiede zwischen Amerika und Europa.


