Unreliable narrator, rebounded phrases und Dostoyevskys typische monologe.
Manipulation, Selbstwert, Kontrolle und Verlust komprimiert auf 67 Seiten
Der unzuverlässige Erzählende schildert die Situation seiner Ehe zu einem jungen Mädchen, das er vorgibt aus Güte zu heiraten. Im Verlaufe des Werks zeigt er sich als manipulativ, kontrollierend und egoistisch, indem er sie durch Schweigen und Ablehnung abwertet und einschüchtert. Sie verliert so ihre Handlungsvermögen, sieht sich in ihrer misslichen Lage gefangen und ihr Mann wird ihr egal. Zum Ende des Werks zeigt sich, dass der Erzählende die Schuld nicht bei sich sieht, glaubt dass es sich nur um einen kurzen Moment der Achtlosigkeit handelt, und sieht als Konsequenz ihres Ablebens seine Einsamkeit, nicht aber den Verlust ihrer Menschlichkeit. Grundsätzlich problematisch ist der Altersunteschied der beiden Protagonisten. Das Mädchen, das der Erzählende heiratet ist 16, und er 41 Jahre alt. Dieser Alterunterschied unterstreicht das starke Machtgefälle der Beziehung und verdeutlich erneut die Machtlosigkeit, in der sich das Mädchen befindet. Alles in allem ein interessantes, kurzes Werk, das den Lesenden zum Nachdenken anregt. Eine interessante Nebeninformation: Das Werk wird, je nach Übersetzung auch ‚the gentle creature‘ genannt. Diese Unterscheidung zwischen meek als ‚unterwürfig’ und gentle als ‚sanft’ ist eine nicht irrelevante Wertung des Werks. Das Mädchen wird durch die Wahl des Wortes in ihrem Selbst eingeschränkt, oder als Individuum wahrgenommen. Je nach Übersetzung.
Ein unsicherer und von der Gesellschaft ausgestoßener Mann, der aufgrund seiner eigenen verquerten Vorstellungen es nicht über sich bringt die Liebe zu seiner frisch verheirateten Frau zu gestehen. Es ist wirklich beatlich wie sehr der Protagonist an seiner Denke festhalten konnte, trotz allem was aufgrund dessen passiert (und es passiert wirklich nicht wenig!). Dostojewskis Schreibstil macht das Buch dabei wirklich unglaublich gut. Wie gut Charaktere beschrieben sind, die Verhältnisse in denen sie leben und vor allem ihr chaotisches Innenleben bereichern die Geschichte wirklich so immens. Das gilt vor allem für die Erzählweise und den in Teilen etwas wirren Monolog des Protagonisten (aber auf eine gute Art). (*Ab hier Spoiler!!*) Eine Sache, die ich besonders clever finde, ist dass die Handlungen und der Charakter der Frau vielleicht ein bisschen flach wirken, das aber wahrscheinlich darauf zurückzuführen ist, dass der Protagonist sie eben so wahrnimmt. Er denkt quasi gar nicht daran, dass sie bestimmte eigene Gedanken fassen kann und Gefühle haben kann, die über das hinausgehen, was er ihr zuschreibt.
“I entered the gate she was still warm”
Hat definitiv mehr aufmerksamkeit verdient. Es ist ein stilles und beklemmendes Buch. Die reduzierte sprache, die vieles unausgesprochen lässt regt nochmal mehr zum denken an. Ein buch was definitiv im Kopf bleibt und sich unangenehm ehrlich anfühlt.
Es ist ein sehr interessantes Buch und super geschrieben, leider einfach nicht meins. 56 Seiten in 7 Tagen mit Mühe gelesen… 😬
Sehr melancholisch geschrieben, kurz und unterhaltsam, perfekt für einen regnerischen Tag





