Was macht einen guten Charakter aus?
…ich würde sagen, die gleichnamige Protagonistin in Anne Brontës Debüt „Agnes Grey“ vereint viele unschlagbar sympathische Eigenschaften in sich. Man spürt, dass sie einem Elternhaus voll Liebe und Geborgenheit aufgewachsen und ihr Handeln trotz ihres jungen Alters an konkreten Werten ausrichtet. Als ihre Familie in finanzielle Schwierigkeiten gerät, möchte Agnes ihren Beitrag leisten und setzt es sich zum Ziel, als Gouvernante die Kinder der Upper Class zu erziehen und auszubilden. Im Rahmen dieser Tätigkeit wird sie schnell mit den charakterlichen Abgründen konfrontiert, die Wohlstand und Standesdünkel in Form von verwöhnten Zöglingen und unverschämten Eltern hervorrufen können. Unbeirrt führt sie ihre Aufgabe fort. Ihre Resilienz, die sie ihrem Umfeld entgegensetzt, wirkt durch den Kontrast zu dessen Verhalten noch beeindruckender auf mich. "Geduld, Entschiedenheit und Ausdauer waren meine einzigen Waffen, und ich war entschlossen, sie bis zum Äußersten zu gebrauchen." – Dieses Zitat bringt den Schwerpunkt des ersten Romanabschnitts der jüngsten Brontë- Schwester treffend zum Ausdruck. In der zweiten Hälfte des Werks wandelt sich der Fokus. Von den Reflektionen über Charakterbildung und (fehlende) Erziehung hin zu einer Liebesgeschichte. Ich hatte Agnes im Vorfeld sehr ins Herz geschlossen und fieberte demzufolge sehr mit ihr mit… Ich mochte die Atmosphäre dieses Klassikers sehr und habe nun von allen Brontës jeweils ein Werk gelesen und mich parallel mit den Biografien beschäftigt – ich bin begeistert von den unterschiedlichen stilistischen Einfärbungen und werde wohl noch sehr gern und lange zum Brontë-Kosmos recherchieren. Anne hat für mich in ihrem Roman den sanftesten Erzählton angeschlagen und das hat mir ganz persönlich sehr zugesagt.








































