22. Mai
depressioncore meets poetische selbstrettung
Rating:4.5

depressioncore meets poetische selbstrettung

📚 4,5/5 Sterne Warum glücklich statt einfach nur normal? – Jeanette Winterson Jeanette Winterson erzählt in dieser autobiografischen Erzählung von ihrer Kindheit und Jugend als adoptiertes Kind in einem streng religiösen, emotional kalten Umfeld und von dem Versuch, trotz Ausgrenzung, Enge und Verlust den eigenen Platz im Leben zu finden. Im Zentrum steht dabei immer wieder dieselbe Frage: Reicht es, einfach „normal“ zu sein – oder darf man mehr vom Leben wollen? Dieses Buch war für mich ein absolutes Highlight auch wenn oder vielleicht gerade weil es kein leichtes Buch ist. Die Atmosphäre ist fast durchgehend düster, bedrückend und traurig. Winterson beschreibt ein Aufwachsen unter prekären Bedingungen und in einem lieblosen, engstirnigen Umfeld, und dieses Gefühl zieht sich durch das gesamte Buch: dieses permanente Kämpfen, dieses Suchen nach einem Ort, an dem Glück überhaupt möglich scheint. Selbst als das Ende versöhnlicher wird, bleibt etwas zurück nicht Hoffnungslosigkeit, aber das Gefühl eines Lebens, das sich vieles hart erkämpfen musste. Winterson schreibt gleichzeitig schonungslos direkt und überraschend poetisch. Manche Sätze treffen mit voller Wucht, andere sind so schön formuliert, dass man kurz innehält obwohl sie oft etwas sehr Schmerzhaftes beschreiben. Gerade diese Kombination aus Authentizität, Klarheit und literarischer Kraft macht das Buch für mich so eindrücklich. Es ist stellenweise verstörend, oft traurig, aber nie beliebig. Durch die autobiografische Perspektive entsteht eine Nähe, die manchmal fast unangenehm intensiv wirkt. Kein Buch, das „Spaß“ macht. Aber eines, das lange nachhallt. ⭐ 4,5/5 Habt ihr es gelesen?

Why Be Happy When You Could Be Normal?
Why Be Happy When You Could Be Normal?by Jeanette WintersonRandom House UK Ltd