24. Nov.
Rating:4

In der Fremde

Wir begleiten Lef auf dem Weg aus einem nicht weiter benannten Land aus dem Osten Europas nach London, um eine neue Perspektive, zunächst aber einfach nur Arbeit zu finden und ein bisschen Geld zu verdienen, damit er seine zuhause zurückgelassene kleine Tochter und seine Mutter unterstützen kann. Seine Ehefrau ist kürzlich an Krebs gestorben und Lef belastet nicht nur die Trauer über die zurückgelassene Familie sondern zudem auch der Tod seiner Frau Marina. Lef wird uns sehr menschlich nahegebracht, so dass wir ihn bald zu mögen beginnen. Seine Haltung, Schwierigkeiten und Sehnsüchte wirken sehr echt und nachvollziehbar. So kommen wir dem, für viele inzwischen leidigen Thema der „Immigration aus wirtschaftlichen Gründen“ nahe und können am Beispiel von Lef sehr authentisch und empathisch mitbekommen, was es für einen Menschen bedeutet, in einer überaus fremden Kultur bedürftig zu sein. Die Entwicklung von Lef aber auch die der zurückgelassenen Freunde und Familie Lefs in der Heimat sind Thema und über die Monate zeigen sich erneut die Unterschiede in deren Entwicklung, was zu einer Entfremdung zu enden droht. Ein bisschen hat die Geschichte Probleme mit dem Erzähltempo: zu Beginn wird sich viel Zeit gelassen und sehr detailverliebt beschrieben, gegen Schluss wird sich sehr beeilt und die Zeitsprünge schienen für mich nicht recht zu der anfänglichen Erzählart zu passen. Auch die Entwicklung von Lef erschien mir gegen Schluss nicht so recht plausibel oder hätte mehr Zeit für genauere Beschreibungen gebraucht. Mir hat der Schreibstil von Rose Tremain aber insgesamt sehr gefallen, das englische Original kann jemand mit durchschnittlichen Kenntnissen in dieser Sprache gut Lesen und unterstreicht so noch die Internationalität des Themas

The Road Home
The Road Homeby Rose TremainRandom House UK Ltd