
Mondlichtmagie und Knochengaben
Sabine und Ailesse könnten kaum verschiedener sein. Beide sind Knochensängernovizinnen, die das Handwerk ihrer Familie lernen: die Seelen der Toten ins Jenseits zu bringen. Doch wo Ailesse, die Tochter der Clan-Anführerin mutig und waghalsig ist, bleibt Sabine eher vorsichtig und zurückhaltend. Als Ailesse ihre letzte Prüfung als Novizin ablegen soll, geht jedoch alles schief, sie wird entführt, ihr Leben wird bedroht und ihre Magie gestohlen. Während die Knochensängerinnen untereinander Intrigen spinnen, ist Sabine die Einzige, die das Leben ihrer Freundin und ihre Magie retten kann… „Bone Crier’s Moon“ ist der Auftakt einer zweiteiligen Young Adult Fantasy-Reihe voller Knochenmagie und dramatischen Liebesgeschichten. Die Idee hinter dem Fantasy-Aspekt, also die Knochensängerinnen, die die Magie von Tieren, die sie den Göttern opfern, aus deren Knochen erhalten, um die Seelen der Verstorbenen ins Jenseits zu bringen, ist an sich erstmal recht vielversprechend, wenn auch etwas seltsam, denn ja, es werden viele Tiere gejagt in diesem Buch. Jede Knochensängerinnen benötigt drei Gaben, um aufzusteigen. Sabine, die jüngere Protagonistin, hat genau damit ihre Probleme, scheint aber auch die einzige zu sein, der es so geht. Die anderen hinterfragen die Seltsamkeiten ihrer Religion eher nicht. Denn es wird noch viel schräger: Die letzte Prüfung der Knochensängerinnen besteht nämlich darin, ihren“Amouré“, also ihren Seelenverwandten, mit einem magischen Lied anzulocken… und zu töten. Also wahlweise auch erst nach einem Jahr, nachdem sie ein Kind mit ihm bekommen haben, aber trotzdem, warum hinterfragt das niemand? Das Buch bietet zwar im Verlauf der Handlung ein paar Erklärungen dafür, aber zufriedenstellend war das nicht. Die Handlung selbst entwickelt sich ziemlich geradlinig, es wird nicht langweilig auf den Seiten dieses Buches, aber besonders überraschend ist auch nicht vieles. Sabine, die vergessene, belächelte, muss in neue Höhen aufsteigen, um ihre Freundin zu retten (und macht ihre Sache auch sehr gut), besagte Freundin allerdings… erfüllt das Romantasy-Klischee des Buches. Sie und ihr „Feind“, also Seelenverwandter, werfen sich zweihundert Seiten lang an den Kopf, dass sie einander töten werden, sobald sie die Gelegenheit dazu haben, was sie dann in der passenden Gelegenheit aber natürlich eher nicht tun. Die Geschichte der beiden war weniger überraschend, aber auch nicht so wirklich nachvollziehbar. Zum Glück gibt es noch die Haupthandlung. Während auch diese nicht mit den erstaunlichen Wendungen aufwarten kann, so war sie doch ganz unterhaltsam zu lesen und kam gegen Ende noch mal ein bisschen in Schwung, um einen passenden Cliffhanger zu servieren. Es gibt noch einige offene Handlungsstränge, die in Band zwei geschlossen werden müssen, außerdem muss noch mindestens ein Happy End vergeben werden, vermutlich sogar eher zwei, vielleicht springt dabei sogar noch ein bisschen Magie heraus. „Bone Crier’s Moon“ hatte viel Potenzial, ein spannendes Magiesystem, das leider nur nie im Detail angewandt wurde, und außerdem auch eine fühlbare Atmosphäre voller schattiger Wälder, Geister und Mondlicht, nur leider wurde daraus nicht allzu viel gemacht, sodass das Ergebnis ein eher durchschnittliches Fantasy-Jugendbuch ist, dem einige Details und Worldbuilding fehlen und dessen Charaktere etwas unreif wirken und an den falschen Stellen dramatische Liebesbekenntnis-Reden halten. Aber wer weiß, vielleicht erfahren wir ja in Teil zwei noch etwas mehr über die wahre Magie der Knochensängerinnen?











