Dürfen es mal ein paar Piraten, Zombies, Geister und so sein? Mit einer Prise Suche nach dem Jungbrunnen? Dann lest unbedingt den Roman "ON STRANGER TIDES" von Tim Powers. Der inspirierte nicht nur Teil 4 von Fluch der Karibik, sondern unter anderem auch Monkey Island. Es ist ein schöner Abenteuerroman mit viel Schiffsjargon und noch mehr Piratenjargon. Jack Shandy will eigentlich nur Rache an seinem Onkel üben, gerät dann an Piraten und gelangt so in eine Welt, in der Geister, Kannibalen, Voodoo und ewiges Leben in greifbarer Nähe sind. Daraus hätte Fluch der Karibik 4 ruhig mehr entnehmen können. Aber okay. Man hat es ja als Buch und das ist wirklich sehr spannend.
Wahrscheinlich weil ich aus dem Binnenland Schweiz stamme, übt das Meer eine gewisse Faszination auf mich aus, dazu kommt meine Angst vor tiefen Gewässern, die diese Faszination paradoxerweise noch verstärkt. Somit war ich natürlich gespannt auf dieses Buch und freute mich auf die Lektüre. Schlussendlich muss ich sagen, dass das Buch ganz in Ordnung war, aber nicht das, was ich mir erhofft hatte. Powers nimmt sich auf eine interessante Weise dem Thema der Zombies an und führt uns zurück zum Ursprung dieses Glaubens. Eigentlich ein gutes Thema und ein tolles Setting (Jamaica!), aber es fehlte einfach an Spannung. Einerseits ist die ganze Sache viel zu lang geraten und andererseits passt der Autor auch an rasanten Stellen seinen Stil nicht an. So liest man und liest und liest und merkt plötzlich, dass eigentlich etwas Wichtiges geschehen ist, ohne dass man es wirklich mitbekommen hat. Dieses Buch hätte etwas für mich sein können, war es aber nicht. Nun gut, Challenge-Aufgabe abgeschlossen, das ist ja auch was.
Piratengeschichte, die Vorlage von Monkey Island sein soll, aber meine Erwartung nicht ganz erfüllt.
Ich bin hin- und hergerissen, wie ich dieses Buch bewerten soll. Ich habe es gelesen, weil es die Vorlage von Monkey Island sein soll, eines meiner Lieblingsspiele. Fluch der Karibik ist jedenfalls nicht der Grund. Ich kann durchaus die Verbindung zu Monkey Island herstellen und habe das Buch auch durch dieser Brille gelesen. Viele Dinge waren da: das Karibik-Setting Anfang des 18. Jahrhunderts, die Voodoo-Magie, Untote, Schwarzbart und andere Piraten als Widersacher und Vorlagen für LeChuck. Doch einerseits holt mich die Sprache (Übersetzung?) nicht richtig ab, sei es die kontroversen N-Worte (Buchalter oder Authentizität?) oder die doch vielen speziellen Beschreibungen und Begriffe aus der Seefahrt (ein Glossar im Buch hätte nicht geschadet). Andererseits wirken viele Situationen und Begebenheiten oft zu gewollt, zu platt und künstlich herbeigeführt. Die Story ist nämlich simpel zusammengeköchelt eine Heldengeschichte mit zu rettender Damsel in Distress (gut, Monkey Island auch). Die Handlung ist zugegeben recht gut ausgeschmückt, die Magie gut implementiert, das Worldbuilding funktioniet, auch wenn die Fülle an Personennamen verwirren kann. Doch einen Archetyp eines eher tollpatschigen Guybrush Threepwood mit Humor finde ich hier nicht. Das Buch ist eher derb, mitunter brutal und oft nicht beschönigend geschrieben. Der Held Shandy wird hier tatsächlich Pirat und der Autor Powers schreibt hier eher seine Gelüste aufs Papier, so dass ich eher den Eindruck habe, „nur“ einen klassischen Fantasy-Roman aus den späten 80ern gelesen zu haben - mit all seinen „aged like milk“-Eigenheiten dieses Genres. Immerhin meine ich an einer Stelle ein Beleidigungsduell herausgelesen zu haben. Darauf einen Grog in der Scumm-Bar!
Ein wirklich spannendes Piratenabenteuer mit lebhaften und tollen Naturbeschreibungen der Karibik. Der Protagonist lernt natürlich innerhalb von ein paar Monaten alles über Schiffe, Navigieren und Magie. Die weibliche Hauptperson tritt nur selten auf und wenn, dann fällt sie meist in Ohnmacht. Natürlich muss unser Protagonist sie aus allen möglichen Nöten retten und heiratet sie am Ende. Aber hey, mir ging es hier auch nicht um Glaubwürdigkeit sondern einfach um eine gute unterhaltsame Piratengeschichte. Und die habe ich bekommen. Am Ende wurde das Finale für meinen Geschmack zu sehr künstlich in die Länge gezogen und auch der Mittelteil hatte einige Längen. Gute Piratengeschichten sind leider rar, aber ich werde die Suche nicht aufgeben.



