Ein wirklich schmutziges Buch, was einem einfach nicht loslässt.
Manchmal greift man zu einem Buch und ahnt nicht, dass es einen auf eine Weise trifft, die man so nicht erwartet hat. „Das Liebesleben der Hyäne“ von Charles Bukowski war für mich genau so eine Erfahrung. Schon nach den ersten Seiten hatte ich dieses Gefühl von Schock. Nicht dieses oberflächliche „oh, das ist aber krass“, sondern ein tiefes, unangenehmes Ziehen irgendwo zwischen Neugier und Abwehr. Die Sprache ist roh, dreckig, direkt – nichts wird beschönigt, nichts wird romantisiert. Liebe ist hier kein sanftes Gefühl, sondern ein körperlicher Akt, oft leer, oft flüchtig, manchmal fast schon brutal in seiner Gleichgültigkeit. Und genau das hat mich immer wieder an den Punkt gebracht, an dem ich dachte: Ich will das nicht weiterlesen. Und doch habe ich weitergelesen. Es ist schwer zu erklären, warum. Vielleicht, weil Bukowski eine Art hat, einen festzuhalten – nicht durch Schönheit, sondern durch Ehrlichkeit. Eine Ehrlichkeit, die wehtut. Jede Begegnung, jede Szene wirkt wie ein weiterer Beweis dafür, dass der Protagonist Henry Chinaski sich selbst verloren hat. Frauen kommen und gehen, Namen verschwimmen, Körper bleiben – und doch bleibt am Ende immer nur eines zurück: Leere. Was mich wirklich getroffen hat, war nicht die schonungslose Darstellung von Sex oder Exzess. Es war das, was darunter lag. Diese stille, fast verzweifelte Einsamkeit. Je weiter ich gelesen habe, desto klarer wurde mir, dass all diese Begegnungen keine Nähe schaffen, sondern nur ein Loch füllen sollen, das sich nicht füllen lässt. Und plötzlich kippt das Ganze. Aus Abstoßung wird Nachdenklichkeit. Aus Distanz wird eine seltsame Form von Mitgefühl. Denn dieser Mann, der scheinbar alles bekommt, was er will, ist am Ende unfassbar allein. Nicht, weil niemand da wäre – sondern weil er gar nicht in der Lage ist, jemanden wirklich an sich heranzulassen. Beziehungen scheitern nicht an den anderen, sondern an ihm selbst. Das ist vielleicht das Verstörendste an diesem Buch. Es zeigt keine große Liebesgeschichte. Es zeigt das Gegenteil davon. Und genau deshalb bleibt es hängen. Für mich war dieses Buch eine Grenzerfahrung. Eines, bei dem man sich manchmal wünscht, es wegzulegen – und es dann doch nicht tut, weil man verstehen will, was da eigentlich passiert. Und vielleicht auch, weil man sich fragt, wie viel von dieser Leere irgendwo auch in unserer eigenen Welt existiert. Am Ende bleibt kein schönes Gefühl. Aber ein ehrliches. Und manchmal ist genau das die stärkste Wirkung, die ein Buch hinterlassen kann.

