Spannendes Gedankenexperiment, Umsetzung hat mich leider nicht überzeugt
"Dann bricht das System zusammen, haben die Experten erklärt und die Politiker und die Streiksprecher und die Journalisten, aber mehr als Abschluss, als Conclusio. Dabei hätte dieser Satz nicht das Ende der Debatte sein sollen, sondern der Anfang." Was würde passieren, wenn von einen Tag auf den anderen Frauen beschließen, ihre Lohn- und unbezahlte Care Arbeit niederzulegen? Einfach so, ohne Ankündigung, ohne Forderung, ohne Vertretung. Dieses Szenario entwirft Mareike Fallwickl in “Und alle so still”. Sie zeichnet eine Welt, in der Frauen sich unabgesprochen zusammentun und sich einfach auf den Boden legen - und nicht mehr aufstehen. Die Frauen sind zu erschöpft, um ihren Pflichten nachzugehen, und auch zu erschöpft, um noch für eine Verbesserung ihrer Situation zu kämpfen. Die Situation wird aus drei Perspektiven geschildert: die der Influencerin Elin, die sich Bestätigung und Aufregung in ihr eintöniges Leben holt, indem sie bedeutungslosen, schnellen Sex mit Fremden sucht - bis sie Gewalt erfährt. Nuri, der mit drei Jobs gleichzeitig versucht, sich aus seinem durch Armut und Schweigen geprägten Elternhaus herauszuarbeiten und endlich mal dazuzugehören. Und Ruth, die als Krankenpflegerin und Mutter eines pflegebedürftigen Sohns seit jeher mehr tut, als aushaltbar wäre und dennoch nie aufhört. Alle drei Figuren gehen unterschiedlich mit dem Widerstand der Frauen um, sodass die Lesenden mitbekommen, welche Konsequenzen die Revolte hat: sowohl in Bezug auf die komplett zusammenbrechende Infrastruktur, als auch in Bezug auf die Beziehungen zwischen den Geschlechtern. Das Gedankenexperiment von Fallwickl finde ich total spannend, nicht selten habe ich beim Lesen Beklemmungen und ein starkes Unwohlsein verspürt, insbesondere, da einige der gezeigten Szenarien sich sehr nah an unserer Realität anfühlen. Leider konnte mich das Buch dennoch nicht ganz abholen, da ich vieles zu zugespitzt, zu gewollt und unauthentisch fand - insbesondere die Dialoge. Manche Entscheidungen und Verhaltensweisen der Protagonist:innen haben sich mir gar nicht erschlossen, Elin und Nuri waren mir oftmals zu performativ. Außerdem hat mich gestört, dass nahezu alle Männer (bis auf Nuri) sehr eindimensional und plakativ sexistisch dargestellt wurden. Insgesamt hat das Buch meine Erwartungen damit leider nicht erfüllt. CN: Sexismus, Hate Speech, Stealthing, Rassismus, Alkohol, Ableismus, Tod, Trauer, Klassismus, Suizid, Gewalt gegenüber Frauen




























































