Schachmatt im Dienste der Krone. Wenn ein alter Brief zum tödlichen Spielball der Macht wird.
Der verbotene Liebesbrief" ist ein Roman, der mich mit sehr gemischten Gefühlen zurücklässt, aber gerade deshalb im Gedächtnis bleibt. Wer hier eine klassische Herz-Schmerz-Erzählung erwartet, wird schnell eines Besseren belehrt: Lucinda Riley verwebt hier eine Liebesgeschichte mit massiven Crime-Elementen, die am Ende sogar richtig brutal und angsteinflößend werden. Die Handlung ist in Abschnitte unterteilt, die mit Begriffen aus dem Schachspiel überschrieben sind – ein passendes Sinnbild für das gefährliche Taktieren der Charaktere, die sich gegenseitig mattsetzen wollen. Die Hauptprotagonistin Joanna war für mich ein echter Volltreffer. Sie ist charismatisch, sympathisch und besitzt eine gesunde Portion Neugier, die ich sehr gut nachempfinden konnte. Auch die Familie des verstorbenen Schauspielers Sir James Harrison ist höchst interessant gezeichnet, wenngleich es manchen Figuren an Glaubwürdigkeit mangelt. Besonders Simon wirkte auf mich paradox: Sein plötzlicher Wandel vom besten Freund zum Feind und wieder zurück zum rettenden Helden war mir etwas zu konstruiert. Ein kleiner Wermutstropfen war für mich die Struktur. Zu Beginn zieht sich die Familiengeschichte der Harrisons etwas in die Länge, und im weiteren Verlauf wird das Geflecht aus Geheimnissen so verschlungen, dass es fast schon verwirrend wirkt. Zu oft hatte ich das Gefühl, dass Joanna endlich am Ziel ist, nur um dann wieder bei Null anfangen zu müssen. Geheimnisse werden aufgedeckt, nur um kurz darauf als falsch erklärt zu werden. Das war mir ein wenig zu viel des Guten. Doch trotz dieser fehlenden Balance bleibt der Spannungsbogen bis zum Schluss extrem hoch. Die letztendliche Auflösung und das überraschende Ende haben mich absolut überzeugt, auch wenn der allerletzte Ausklang sich etwas seltsam anfühlte. Ein überraschend anderes Buch, das fesselt, auch wenn es mich nicht restlos begeistern konnte. Wissenswertes Lucinda Riley, die leider viel zu früh verstorbene Bestsellerautorin (bekannt für ihre "Sieben Schwestern"-Reihe), zeigt mit diesem Werk ihre Vielseitigkeit. Ursprünglich wurde der Roman bereits in den 90er-Jahren unter dem Titel "Seeing Double" veröffentlicht, bevor er Jahre später überarbeitet und neu herausgebracht wurde. Dies erklärt vielleicht auch das starke Crime-Element, das sich von ihren späteren, reinrassigen Familiensagas unterscheidet. Das Buch spielt mit der Faszination für das britische Königshaus und der Frage, welche Geheimnisse die Monarchie um jeden Preis schützen würde. Riley, die selbst eine Zeit lang als Schauspielerin arbeitete, nutzt ihr Insiderwissen über die Welt der Prominenten und des Rampenlichts, um die Familie Harrison und den Druck der Öffentlichkeit authentisch darzustellen. Der Roman gilt unter Fans als eines ihrer spannendsten Einzelwerke, da er die Grenze zwischen Unterhaltungsliteratur und politischem Verschwörungsthriller gekonnt verwischt.




















































