Reread: Langsamer Wohlfühltoman zum Nachdenken
Spoilerfreie Meinung💕 Als Vorbereitung für den neuen Roman "Orlandos Vermächtnis", der im November erscheint, und auf diesem Band basiert, wollte ich unbedingt mir alles nochmal ins Gedächtnis rufen. Ich habe dieses Buch zuletzt vor 5-6 Jahren gelesen & dementsprechend viel vergessen. Ich mag die Sieben-Schwestern Reihe sehr gern und empfehle sie immer wieder. Die Schattenschwester ist zwar kein Roman, den ich als Pageturner bezeichnen würde, aber man taucht gemeinsam mit Star in die Geschichte ein. Ich liebe die Art zu erzählen sehr. Auch wenn ich mit Stars neuen Bekannten meine Probleme hatte, gewöhnte ich mich an sie. Die historische Geschichte ist wirklich herzerwärmend. Mit Flora habe ich einen "neuen" Lieblingscharakter gefunden. Viele Fakten entsprechen historisch der Wahrheit, was mich in ein Recherche Rabbit-Hole über Alice Keppel, Violet Keppel, Vita Sackwille-West & vielen weiteren führte. Achtung, ab hier folgen Spoiler❗ Setting ⭐⭐⭐⭐⭐ Sowohl in der heutigen als auch in der historischen Zeit ist die Umgebung sehr schön beschrieben. Ich habe nach Rileys Bücher immer Lust, mir eine Liste mit allen Orten zu schreiben & auf Reisen zu gehen. Charaktere ⭐⭐⭐⭐,5 Star👥 Star ist mir sehr sympathisch, auch wenn ich eine Zeit brauchte. Am Ende habe ich sie als Person erkannt, während ich zu Beginn sie noch nicht greifen konnte. Aber das zeigte umso deutlicher, wie sehr sie aufblühte. Das Schlusswort der Autorin, dass "Star zwar nicht die Welt verändert [hat], aber das Leben der Menschen um sie herum beeinflusst und verbessert", trifft es für mich auf den Punkt. Es ist so schön zu sehen, wie wichtig es ist, sein eigenes Leben aufzubauen. An einigen Stellen verglich Star sich sehr. Sie blickte sich so begeistert in der Buchhandlung um, "wie viele Frauen es wohl in der Boutique mit modischer Kleidung getan hätten" oder dass sie eine klare Handschrift hatte, "wie man sie heutzutage kaum noch sah". Egal, wie man das bewertet, frage ich mich, ob der Vergleich zur Handlung beiträgt. Meiner Meinung nach nicht. CeCe👥 Dass die Beziehung & Abhängigkeit von den beiden Schwestern problematisch ist, wird sehr deutlich. Auf Star war ich stolz, dass sie es schafft, mehr aus sich rauszukommen, während ich bei Cece inständig auf Reflexion hoffte (die es nach meiner Erinnerung aber im nächsten Band gab...) Trotzdem war ich überrumpelt, dass Star sich nach dem ersten Besuch bei Orlandos Familie (nach meinem Gefühl) sehr schnell von Cece lösen konnte. Wusste CeCe überhaupt, dass sie den Job hat? Orlando👥 Meine Meinung zu Orlando ist zwiegespalten. Umso mehr freue ich mich auf mehr Einblicke im November. Auf der einen Seite ist er ein sympathischer, schräger Buchhandlungs-Besitzer. Auf der anderen Seite ist auch er erwachsen und einige Aktionen sehr kindlich. Teilweise geht Orlando mit Star nicht gerade empathisch um. Ja, sie ist seine Angestellte für die Buchhandlung. Aber eben nicht für High Weast. Kommentare wie "Da ist ja die Köchin." waren zwar selten, trugen aber bei mir nicht für viel Sympathie bei. Oder dass Star ihm den Rücken freihält und er sie dann beim Kauf von Halloweenkostümen mit folgender Aussage kommentiert: "Wenn man eine Frau in der Nähe von Läden allein lässt, gelingt es ihr eine Familie im Handumdrehen in den Ruin zu treiben." Sie möchte Rory, seinem Neffen, eine schöne Erinnerung schenken, mehr nicht. Die Tatsache, dass er mit Geld nicht umgehen kann, außen vorgelassen. Zum Schluss gab es eine Situation, in der Star sich verletzt fühlte von seiner "analytischen Vorgehensweise". Die Schattenschwester war für mich vor 5-6 Jahren der Grund, warum mir Repräsentation von Erkrankungen wichtig ist. Genau wie Orlando, habe ich Epilepsie & hatte bei jeder Erwähnung hier meinen eigenen, verqueren Fangirl-Moment. Maus👥 Maus kam sehr schnell (für mich zu schnell) zu der Erkenntnis, dass er Star liebt. Nach meinem ersten Lesen vor 5 Jahren fand ich ihn nicht sympathisch. Das hat sich ein bisschen gebessert, weil ich sehe, dass er mit Star einen Lebenswandel durchführt. Gleichzeitig frage ich mich, genauso, wie Star, ob seine Liebe vielleicht deswegen aufkommt. Und was sollte das bitte mit dem Ultimatum? Eine Frau sorgt für eine Zeit lang, für seinen Sohn. Um den er sich gerade nicht kümmern kann. Kocht für ihn. Kümmert sich (gefühlt) um den gesamten Haushalt. Und dann würde er sie bitten, eine andere Bleibe zu suchen, wenn sie keine Beziehung mit ihm eingeht? Ach du meine Güte. Rory👥 Rory ist mir gleich ans Herz gewachsen. Total toll fand ich seine offene Art. Außerdem war es so schön zu sehen, dass die verschiedenen Sprachen der Gebärdensprachen berücksichtigt wurden (d.h. dass die französische nicht dieselbe wie die englische ist). Ich fand aber, dass Star & Rory sich sehr schnell aneinander gewöhnt haben. Auch wenn es süß ist, ist er immer noch ein "fremdes Kind", dem Star nach wenigen Wochen ein Gute-Nacht-Kuss auf die Stirn gibt. Aber vielleicht war das allgemein ein ungewohntes Thema für mich: Star küsst fast alle Familienmitglieder auf die Stirn. Was zwar zeigt, wie nahe sie sich stehen, aber angesichts dessen, dass sie sich wenige Wochen kennen, seltsam. Historische Personen💌 Flora👥 Flora liebe ich wirklich. Ihre Schlagfertigkeit, ihre offene Art und Liebe zu Tieren macht sie sehr sympathisch. Es gab einige Momente, bei denen ich lachen musste, weil Flora einfach sehr direkt ist. Zum Beispiel: Archie verabschiedet sich nach seinem Ausflug mit den Worten: "Schade, dass Sie den falschen Eindruck von mir zu haben scheinen [...]" und sie antwortet: "Ich glaube nicht, dass ich den falschen Eindruck habe." Oder sie gefragt wird, ob sie wirklich eine alte Jungfer werden, die nur von Tieren und Pflanzen umgeben sei und sie sagt: "Sie meinen eine vermögende, unabhängige Frau, der es gelungen ist, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen?" Sie spricht Konflikte einfach an. Außerdem hat sie viele Gedanken, die mich selbst auch zum Nachdenken anregten. Archie👥 Er ist schon ein süßer Mann. Fast hätte ich mit in ihn verliebt. Er hat Flora sogar gefragt, ob er sie küssen darf und ging sehr behutsam mit ihr um. Und auch wenn er Aurelia nicht liebte, sorgte er für sie und verteidigte sie vor seiner Mutter. Violet👥 Die lesbische Beziehung war sehr schön zu lesen. Umso schöner war danach, herauszufinden, dass das historisch der Wahrheit entspricht. Handlung ⭐⭐⭐⭐ Zum Teil war es für mich durch Längen, anstrengend zu lesen. Ich mag Stars Geschichte sehr gerne, aber manchmal hatte ich das Gefühl, dass einfach nichts passiert. Vielleicht liegt das aber auch daran, dass es für mich ein Reread war. Mit der Zeitspanne war ich sehr oft unsicher. Manchmal wusste ich nicht genau, wie lange Star Orlandos Familie schon kennt. Das führte dazu, dass einige Handlungen zu voreilig wirkten, auch wenn sie es vielleicht nicht waren (z.B. Stars Entscheidung für Rory zu sorgen). Einige Male wurde von unterschiedlichen Personen auf das Gewicht von Star Bezug genommen. Jedes Mal war ich mir unsicher, ob das als Kompliment oder als Warnung gemeint war. Und immer fragte ich mich, ob das für die Handlung nicht gleichgültig war. Schreibstil-Gefühl ⭐⭐⭐⭐,5 Es gibt viele tolle Zitate, die schön klingen, aber auch zum Nachdenken anregen. Ich habe bei diesem Buch soviele Notizen, wie bei kaum einem anderen davor. Überrascht hat mich, wieviele echte historische Gegebenheiten und Personen in die Geschichte eingeflossen sind. Lucindas Rileys Danksagungen sind wirklich schön geschrieben. Man kann ihre Gedanken zu all den Personen erfassen und bekommt ein Gefühl für ihren Schreibprozess. Ein Punkt, der mich störte, aber an der Übersetzung liegt, war der Gebrauch von Sie und Du. Wie oben geschrieben, fande ich, dass die Liebesgeschichte zwischen Maus & Star viel zu schnell ging. Das verstärkte sich auch noch, dass die beiden erst nach dem Liebesgeständnis damit anfingen, sich zu duzen. Unterhaltung ⭐⭐⭐⭐,5 Ich habe viel Spaß gehabt, wieder in eines der Sieben-Schwester-Bücher zu versinken. Auch wenn ich nicht jede Person sympathisch fand & es ein paar Längen gab, habe ich sehr viel Inspiration & Gedanken mitgenommen. Und u.a. davon lebt das Lesen. Ich bin sehr gespannt auf das neue Buch von Lucinda Rileys Sohn. Da ich auch Atlas sehr mochte, bin ich aber fast sicher, dass es mir gefällt. Vielleicht muss ich aber meine Erwartungen noch ein bisschen runterschrauben.....






















































