Wider die Kunst
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Description
Book Information
Author Description
Tomas Espedal, 1961 in Bergen geboren, gab sein literarisches Debut 1988 mit dem Roman En vill flukt av parfymer (Eine wilde Flucht vor dem Parfüm). Seither veröffentlichte er zahlreiche, mit vielen Preisen ausgezeichnete Romane und gilt neben seinem Freund Karl Ove Knausgård als einer der wichtigsten Schriftsteller Skandinaviens.
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Das war kein einfaches Buch. Es hat mich sowohl inhaltlich als auch sprachlich stärker gefördert als erwartet. Der Klappentext verspricht eine Art Trauerbewältigung für den Autor und seine Tochter, da beide kurz hinter einander ihre Mutter verloren haben. Aber die Passagen, in denen es um den Umgang mit dem ganz konkreten Verlust geht, halten sich in Grenzen. Vielmehr habe ich das Buch als einen generellen Selbstreflexionsroman gelesen, der sich mit den eigenen Ängsten, Schwächen und Krisen beschäftigt. Um sich selbst zu reflektieren, geht der Autor erstmal tief zurück in der Familiengeschichte und zwar soweit, dass ich ich zeitweise den Faden verlor, von wem er gerade schrieb. Da Espedal dann auch noch Gefallen findet, die Sichtweise innerhalb eines Absatzes zu ändern und man nicht mehr weiß, ob er mit dem 'er' jetzt den Großvater oder sich selbst meint, hatte ich zwischendurch echt einen Hänger und ich war froh, dass in der Leserunde ein Stammbaum visualisiert wurde. Das half ungemein. Danke nochmal. Die stärksten Szenen hat das Buch für mich, wenn der Autor seine Lethargie und Niedergeschlagenheit in kurzen Eindrücken schildert. Da habe ich mich oft wiedergefunden. Und zwar so stark, dass es fast schon weh tat. Die Beobachtung seines Arms, den er liegend auf dem Bett betrachtet und sich fragt, was das für ein Objekt ist, wem es gehört und in welcher Beziehung er zu ihm steht, war einfach grandios. Solche Szenen tauchen immer mal wieder auf. Beispielsweise klagt seine Mutter im Rückblick über die Tatsache, dass sie sich täglich mit der Frage des Kochens plagen muss. So einen Sachverhalt könnte man in einem normalen Satz abtun. Doch Espendal dreht diese Frage nach dem täglichen Kochen immer wieder in neue Variationen, ohne Punkt, nur Kommas, plötzlich bekommt die Aussage fast schon Zentrifugalkraft und man spürt plötzlich am eigenen Körper wie das Gejammer der Mutter ihn rasend macht. Wahnsinn, was Sprache alles kann, nicht nur Bilder im Kopf erzeugen, sondern intensive Empfindungen. Sprachlich wirklich meisterhaft, auch die verschiedenen Stilformen, vom Gedankenblitzen, Memoiren, detaillierten Schilderungen bis hin zu lediglich einem Wort, das alles ausdrücken soll. Es weckt die Lust auf die moderne norwegische Literatur, abseits von Geschichten über Bienen.
Das war kein einfaches Buch. Es hat mich sowohl inhaltlich als auch sprachlich stärker gefördert als erwartet. Der Klappentext verspricht eine Art Trauerbewältigung für den Autor und seine Tochter, da beide kurz hinter einander ihre Mutter verloren haben. Aber die Passagen, in denen es um den Umgang mit dem ganz konkreten Verlust geht, halten sich in Grenzen. Vielmehr habe ich das Buch als einen generellen Selbstreflexionsroman gelesen, der sich mit den eigenen Ängsten, Schwächen und Krisen beschäftigt. Um sich selbst zu reflektieren, geht der Autor erstmal tief zurück in der Familiengeschichte und zwar soweit, dass ich ich zeitweise den Faden verlor, von wem er gerade schrieb. Da Espedal dann auch noch Gefallen findet, die Sichtweise innerhalb eines Absatzes zu ändern und man nicht mehr weiß, ob er mit dem 'er' jetzt den Großvater oder sich selbst meint, hatte ich zwischendurch echt einen Hänger und ich war froh, dass in der Leserunde ein Stammbaum visualisiert wurde. Das half ungemein. Danke nochmal. Die stärksten Szenen hat das Buch für mich, wenn der Autor seine Lethargie und Niedergeschlagenheit in kurzen Eindrücken schildert. Da habe ich mich oft wiedergefunden. Und zwar so stark, dass es fast schon weh tat. Die Beobachtung seines Arms, den er liegend auf dem Bett betrachtet und sich fragt, was das für ein Objekt ist, wem es gehört und in welcher Beziehung er zu ihm steht, war einfach grandios. Solche Szenen tauchen immer mal wieder auf. Beispielsweise klagt seine Mutter im Rückblick über die Tatsache, dass sie sich täglich mit der Frage des Kochens plagen muss. So einen Sachverhalt könnte man in einem normalen Satz abtun. Doch Espendal dreht diese Frage nach dem täglichen Kochen immer wieder in neue Variationen, ohne Punkt, nur Kommas, plötzlich bekommt die Aussage fast schon Zentrifugalkraft und man spürt plötzlich am eigenen Körper wie das Gejammer der Mutter ihn rasend macht. Wahnsinn, was Sprache alles kann, nicht nur Bilder im Kopf erzeugen, sondern intensive Empfindungen. Sprachlich wirklich meisterhaft, auch die verschiedenen Stilformen, vom Gedankenblitzen, Memoiren, detaillierten Schilderungen bis hin zu lediglich einem Wort, das alles ausdrücken soll. Es weckt die Lust auf die moderne norwegische Literatur, abseits von Geschichten über Bienen.
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Tomas Espedal, 1961 in Bergen geboren, gab sein literarisches Debut 1988 mit dem Roman En vill flukt av parfymer (Eine wilde Flucht vor dem Parfüm). Seither veröffentlichte er zahlreiche, mit vielen Preisen ausgezeichnete Romane und gilt neben seinem Freund Karl Ove Knausgård als einer der wichtigsten Schriftsteller Skandinaviens.
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Das war kein einfaches Buch. Es hat mich sowohl inhaltlich als auch sprachlich stärker gefördert als erwartet. Der Klappentext verspricht eine Art Trauerbewältigung für den Autor und seine Tochter, da beide kurz hinter einander ihre Mutter verloren haben. Aber die Passagen, in denen es um den Umgang mit dem ganz konkreten Verlust geht, halten sich in Grenzen. Vielmehr habe ich das Buch als einen generellen Selbstreflexionsroman gelesen, der sich mit den eigenen Ängsten, Schwächen und Krisen beschäftigt. Um sich selbst zu reflektieren, geht der Autor erstmal tief zurück in der Familiengeschichte und zwar soweit, dass ich ich zeitweise den Faden verlor, von wem er gerade schrieb. Da Espedal dann auch noch Gefallen findet, die Sichtweise innerhalb eines Absatzes zu ändern und man nicht mehr weiß, ob er mit dem 'er' jetzt den Großvater oder sich selbst meint, hatte ich zwischendurch echt einen Hänger und ich war froh, dass in der Leserunde ein Stammbaum visualisiert wurde. Das half ungemein. Danke nochmal. Die stärksten Szenen hat das Buch für mich, wenn der Autor seine Lethargie und Niedergeschlagenheit in kurzen Eindrücken schildert. Da habe ich mich oft wiedergefunden. Und zwar so stark, dass es fast schon weh tat. Die Beobachtung seines Arms, den er liegend auf dem Bett betrachtet und sich fragt, was das für ein Objekt ist, wem es gehört und in welcher Beziehung er zu ihm steht, war einfach grandios. Solche Szenen tauchen immer mal wieder auf. Beispielsweise klagt seine Mutter im Rückblick über die Tatsache, dass sie sich täglich mit der Frage des Kochens plagen muss. So einen Sachverhalt könnte man in einem normalen Satz abtun. Doch Espendal dreht diese Frage nach dem täglichen Kochen immer wieder in neue Variationen, ohne Punkt, nur Kommas, plötzlich bekommt die Aussage fast schon Zentrifugalkraft und man spürt plötzlich am eigenen Körper wie das Gejammer der Mutter ihn rasend macht. Wahnsinn, was Sprache alles kann, nicht nur Bilder im Kopf erzeugen, sondern intensive Empfindungen. Sprachlich wirklich meisterhaft, auch die verschiedenen Stilformen, vom Gedankenblitzen, Memoiren, detaillierten Schilderungen bis hin zu lediglich einem Wort, das alles ausdrücken soll. Es weckt die Lust auf die moderne norwegische Literatur, abseits von Geschichten über Bienen.
Das war kein einfaches Buch. Es hat mich sowohl inhaltlich als auch sprachlich stärker gefördert als erwartet. Der Klappentext verspricht eine Art Trauerbewältigung für den Autor und seine Tochter, da beide kurz hinter einander ihre Mutter verloren haben. Aber die Passagen, in denen es um den Umgang mit dem ganz konkreten Verlust geht, halten sich in Grenzen. Vielmehr habe ich das Buch als einen generellen Selbstreflexionsroman gelesen, der sich mit den eigenen Ängsten, Schwächen und Krisen beschäftigt. Um sich selbst zu reflektieren, geht der Autor erstmal tief zurück in der Familiengeschichte und zwar soweit, dass ich ich zeitweise den Faden verlor, von wem er gerade schrieb. Da Espedal dann auch noch Gefallen findet, die Sichtweise innerhalb eines Absatzes zu ändern und man nicht mehr weiß, ob er mit dem 'er' jetzt den Großvater oder sich selbst meint, hatte ich zwischendurch echt einen Hänger und ich war froh, dass in der Leserunde ein Stammbaum visualisiert wurde. Das half ungemein. Danke nochmal. Die stärksten Szenen hat das Buch für mich, wenn der Autor seine Lethargie und Niedergeschlagenheit in kurzen Eindrücken schildert. Da habe ich mich oft wiedergefunden. Und zwar so stark, dass es fast schon weh tat. Die Beobachtung seines Arms, den er liegend auf dem Bett betrachtet und sich fragt, was das für ein Objekt ist, wem es gehört und in welcher Beziehung er zu ihm steht, war einfach grandios. Solche Szenen tauchen immer mal wieder auf. Beispielsweise klagt seine Mutter im Rückblick über die Tatsache, dass sie sich täglich mit der Frage des Kochens plagen muss. So einen Sachverhalt könnte man in einem normalen Satz abtun. Doch Espendal dreht diese Frage nach dem täglichen Kochen immer wieder in neue Variationen, ohne Punkt, nur Kommas, plötzlich bekommt die Aussage fast schon Zentrifugalkraft und man spürt plötzlich am eigenen Körper wie das Gejammer der Mutter ihn rasend macht. Wahnsinn, was Sprache alles kann, nicht nur Bilder im Kopf erzeugen, sondern intensive Empfindungen. Sprachlich wirklich meisterhaft, auch die verschiedenen Stilformen, vom Gedankenblitzen, Memoiren, detaillierten Schilderungen bis hin zu lediglich einem Wort, das alles ausdrücken soll. Es weckt die Lust auf die moderne norwegische Literatur, abseits von Geschichten über Bienen.





