Unser Ole
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Description
Drei Frauen, die von ihren Müttern nicht geliebt wurden, ein kognitiv beeinträchtigter Junge, der sie verbindet, und ein unerwarteter Tod. Katja Lange-Müller gelingt mit diesem Kammerspiel ein literarisches Wunderwerk.
Die einst bildschöne Ida ist alt und vom Leben, den Männern und sich selbst enttäuscht. Um nicht völlig zu verarmen, arbeitet sie gelegentlich als Model bei Seniorinnenmodenschauen. In einem Kaufhaus begegnet sie Elvira, die ihren Enkel Ole betreut, genauer: ihn abwechselnd schikaniert und verwöhnt. Als Ida ihre Wohnung verliert, lockt Elvira, die den Kontakt zu ihrer Tochter abgebrochen hat und doch nichts mehr fürchtet als die Einsamkeit, die Freundin in ihr Landhaus, denn sie braucht Hilfe mit dem unberechenbaren, spätpubertierenden Hünen Ole.
Eines Morgens kommt es zu einem tragischen Ereignis, das Oles Mutter Manuela auf den Plan ruft. Sie hat ihren Sohn seit dessen erstem Lebensjahr nicht mehr gesehen. Während die Frauen einander misstrauisch umkreisen, entblättern sich ihre Familiengeschichten, ihre Biografien, ihre seelischen Verletzungen.
Katja Lange-Müller ist einzigartig in der literarischen Kraft und Präzision, mit der sie Figuren vom Rande der Gesellschaft unterschiedliche Stimmen gibt. Dieser Roman schärft aufs Feinste unser Denken und Empfinden. Er erzählt von ablehnenden Müttern, von den Widersprüchen, aus denen sich eine Persönlichkeit zusammensetzt, von der heimlichen Sehnsucht nach Zuneigung und all den Lebenslügen, die so gelogen manchmal gar nicht sind.
Book Information
Author Description
Katja Lange-Müller, geboren 1951 in Ostberlin, lebt als freie Schriftstellerin in Berlin und im Aargau. 1986 erhielt sie den Ingeborg-Bachmann-Preis, 1995 den Alfred-Döblin-Preis für ihre zweiteilige Erzählung »Verfrühte Tierliebe«, 2002 den Preis des ZDF, des Senders 3sat und der Stadt Mainz, 2005 den Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor, 2008 den Preis der LiteraTour Nord, den Gerty-Spies-Preis und den Wilhelm-Raabe-Preis. In den Jahren 2012/2013 war sie Stipendiatin der Villa Massimo, erhielt den Kleist-Preis und war 2013/2014 Stipendiatin der Kulturakademie Tarabya Istanbul. 2017 erhielt sie den Günter-Grass-Preis, 2023 den Turmschreiberpreis der Stadt Deidesheim.
Posts
"Bin ich mir wenigstens mir selbst lieb und teuer? Lieb nicht, aber teuer schon." - typisch Ida. Ein schönes Cover und interessanter Klappentext machten mich neugierig, zumal ich von diesem Roman noch nichts gehört hatte. Die wunderschöne, leider etwas oberflächliche, Ida ist inzwischen 76 Jshre alt und mittellos. Daher zieht sie mit einem Schrankkoffer zu ihrer Bekannten Elvira in deren Haus in ein Dorf im Berliner Umfeld. Dort soll sie bei der Betreuung von Elviras 15jährigem Enkel Ole und in Haus und Garten zur Hand gehen. Dabei beginnt Ida ihr Leben zu reflektieren. Und manchmal denkt sie ziemlich kluge Sätze. Es geht um so viel in diesem Roman und nicht zuletzt um die Liebe und Beziehung zwischen Müttern und Töchtern. Die Geschichte wird in abwechselnd, nicht zu langen, Kapiteln erzählt. Meist steckt man in Ida's oder Manuelas Kopf. Im Mittelpunkt der drei Frauen steht Ole, der die mehr oder weniger verbindet und der trotzdem schattenhaft im Nebel bleibt. Das habe ich etwas bedauert, aber gleichzeitig gibt dies dem ganzen etwas Geheimnisvolles. Mit nüchternen, teils humorigen Beschreibungen bringt die Autorin uns Situationen und Personen näher. Ich mochte den Schreibstil. Die Gedanken und Dialoge entsprechen der Welt genau der Gesellachaftsschicht, die die Autorin hier agieren lässt. Luther würde sagen: "Dem Volke aufs Maul geschaut". Das ist ihr gelungen. Zielsicher, genau, punktiert Die Gedanken und Dialoge entsprechen der Welt genau der Gesellachaftsschicht, die die Autorin hier agieren lässt. Luther würde sagen: "Dem Volke aufs Maul geschaut". Das ist ihr gelungen. Zielsicher, genau, punktiert; einfach klasse. Dies ist mein erstes Buch von Katja Lange-Müller und ich muss sagen, dass es mich sehr positiv überrascht hat. Schön, traurig, humorvoll, unverschleiert, ehrlich. Mit optimalen Ende. Ich habe es sehr, sehr gemocht.
Angenehm zu lesen mit viel schwarzem Humor
Unser Ole ist kognitiv eingeschränkt. Früher hätte man vielleicht behindert gesagt, aber das ist heute ja ein Schimpfwort, aber Oma Elvira nimmt da kein Blatt vor den Mund. Was seine Einschränkung ausmacht, das hatte man nie herausgefunden. Ein Arzt meinte, es könnte ein Gendefekt sein, ein anderer sagte "es wäre Sauerstoffmangel unter der Geburt gewesen". Wie auch immer, unser Ole ist inzwischen sehr groß und weiß nicht wie stark er ist. Als Ole auf die Welt kam, wusste man gleich, dass da etwas nicht stimmen kann. Und Oma Elvira bestimmte, dass dieses Kind Ole heißen muss. Ein Name, der neutral norddeutsch klingt und dieser herbe Name kann man nicht durch ein Diminutiv verhunzen. Olelein oder Olchen würde keiner sagen! Oles Mutter Manuela zog sich nach der Geburt direkt in eine Depression zurück und überließ das Kind Oma Elvira, die sich fortan um ihn kümmerte. Bis zu dem Tag, an dem Elvira, völlig verkrümmt, tot auf dem Treppenabsatz lag. Ole stand mit dem Rücken, flunderflach an die Wand gedrückt, oberhalb des Treppenabsatzes. Hat der Achtzehnjährige die Oma in seiner Wut geschubst? Ida fand die Beiden und wusste auch nicht, was da geschehen sein mag. Ida Isolde Schlosser ist eine wirklich schöne Frau für ihr Alter. Sie hat sich ja immerhin über die vielen Jahre sehr gut gehalten und aufgebessert. Ihr Körper war immer ihr Kapital, ihre Versicherung, ausgehalten und "geliebt" zu werden. Dabei kann sie selber keine Liebe empfinden. Etwas, was sie schon in ihrer Kindheit nicht bekommen hat, kann man eben nicht weitergeben. Irgendwann hatte Ida aber keinen Liebhaber mehr und auch kein Geld. Da kam Elvira und machte ihr den Vorschlag, bei ihr auf dem Land, in ihr Haus mit einzuziehen. Und dann war da die Sache mit unserm Ole, der vielleicht die Oma von der Treppe gestoßen haben mag. Ob Ida das Haus weiter bewirtschaften kann und den kognitiv eingeschränkten jungen Mann versorgen kann? Und dann kam aber alles anders, alles kam ins Wanken, als die Erbin, Manuela auftauchte. Katja Lange-Müller, die Autorin, schreibt leicht und locker. Sie mag Schachtelsätze, die am Anfang ein bisschen anstrengend sind, aber schnell zu dem Geschriebenen passen. Ihre endlos langen Sätze geben dem Ganzen auch eine gewisse Struktur, erinnern an die Gedankengänge, die man als Mensch so hat. Ihre Figuren sind aus dem Leben gegriffen, was auch die Geschichte zu sein scheint. (Im Epilog könnte man zumindest den Verdacht bekommen.) Alle ihre Haupt-Figuren haben ein Problem mit ihren Müttern. Sie wurden nicht geliebt und betteln um Aufmerksamkeit. Sie verstellen sich, um gesehen zu werden oder eine kleine Portion "Liebe" zu ergattern. Die Frauen erzählen Lebenslügen, welche irgendwann zu Wahrheiten werden, weil sie immer wieder und oft erzählt wurden. Es sind nicht viele Seiten und man hat dieses Buch schnell gelesen. Doch bleiben einem die Figuren im Kopf, ihre Geschichten haben mich noch eine Weile beschäftigt. Sind wir nicht alle ein bisschen so? Suchen nach Liebe und Aufmerksamkeit? Katja Lange-Müller hat mich voll erwischt. Sie schreibt unterhaltsam, mit einer Prise Humor, die leicht bissig ist, mit einem unverstellten Blick auf die Gesellschaft. Sie hat den Humor einer Berlinerin! Wunderbar zu lesen! Die Autorin Katja Lange-Müller Sie ist 1952 in Berlin-Lichtenberg auf die Welt gekommen. Sie flog als Sechzehnjährige von der Schule und machte eine Ausbildung zur Schriftsetzerin … Ihr Leben liest sich wie ein Roman, wenn sie jemals eine Biografie schreiben sollte, werde ich sie ganz sicher lesen. Satire, Theater und Schriftstellerei mit einer Prise Psychiatrie begleitet ihr Leben. Dazu kommen eine ganze Reihe von Auszeichnungen. Mehr bei Wikipedia

UNSER OLE Katja Lange-Müller Katja Lange-Müllers neuester Roman stellt drei Frauen in den Mittelpunkt, deren Leben durch Einsamkeit, Traumata und emotionale Verstrickungen geprägt ist: Ida, ein ehemaliges Seniorenmodel, sieht sich zunehmend mit dem Älterwerden und chronischer Geldnot konfrontiert. Die Tage, in denen wohlhabende Herren ihr jeden Wunsch erfüllten, gehören längst der Vergangenheit an. Nach einer unbedeutenden Modelshow in einem Kaufhaus begegnet sie Elvira, die ihr vorschlägt, bei ihr einzuziehen. Elvira lebt in einem kleinen Haus mit ihrem autistischen Enkel Ole. Nachdem ihre Tochter Manuela nach der Geburt ihres Sohnes unter postnatalen Depressionen litt, nahm Elvira den Jungen zu sich. Sie verwöhnte Ole, der inzwischen zu einem korpulenten Jugendlichen herangewachsen ist und zunehmend Spannungen in den Alltag bringt – besonders, seit er seine Sexualität entdeckt hat. Ihre Beziehung ist von ständigen Streitigkeiten geprägt. Manuela hingegen hat den Kontakt zu ihrer Mutter und ihrem Sohn seit Jahren abgebrochen. Erst ein tragischer Unfall führt sie zurück in das Haus, das sie einst verlassen hat. Lange-Müller seziert die Lebensgeschichten dieser Figuren mit einem präzisen Blick für emotionale Kälte und die Folgen unerfüllter Bedürfnisse. Im Kern geht es um empathiearme Menschen, die selbst nie Liebe erfahren haben, und die Narben, die solche Erfahrungen hinterlassen. Besonders gelungen ist der Blick hinter die Fassade: Elvira, die sich immer einen Sohn gewünscht hat, war von Anfang an eifersüchtig auf die Beziehung zwischen ihrer Tochter und deren Vater, der Manuela stets wie eine Prinzessin behandelte. Manuela wiederum flüchtete nach seinem Tod in eine Opferrolle. Zwischen diesen Konflikten versucht Ida zu vermitteln, denn als mittellose Außenseiterin hat sie keine andere Wahl, als in dieser zerrütteten Gemeinschaft zu bleiben. Der Roman besticht durch einen flüssigen Schreibstil, bleibt jedoch erzählerisch oberflächlich. Ein klarer Höhepunkt oder tiefgreifender Plot fehlt. Dennoch ist es ein kurzweiliges, gut lesbares Kammerspiel. 3½/ 5

Ein Meisterwerk
Ich habe ein Buch beendet und ich kann es noch gar nicht richtig glauben, wie sehr mich dieses Buch begeistern konnte. Aber erstmal zu den Fakten: Verlag: Kiepenheuer & Witsch Erscheinungsdatum: 05.09.2024 Seitenzahl: 240 Worum geht es? Drei Frauen, die von ihren Müttern nicht geliebt wurden, ein kognitiv beeinträchtigter Junge, der sich verbindet, und ein unerwarteter Tod. In dieser Geschichte begleiten wir Ida. Ida ist ein Model bei Seniorinnenmodeschauen und lebt alleine und unter eher ärmeren Verhältnissen. Eliva die ihren Enkel Ole betreut will Ida unterstützen und bietet ihr an, bei sich und Ole zu wohnen. Das Angebot nimmt Ida dankend an und lebt mit den beiden eine Weile zusammen. Doch dann passiert ein schreckliches Unglück und Manuela (die Tochter von Elvira) betritt die Bühne in der Geschichte. Meine Meinung dazu: Mir haben die Protagonisten und Protagonistinnen sehr gut gefallen. Ich mochte persönlich Ole und Ida als Hauptaugenmerk in der Geschichte sehr. Ida mit ihrer offenen und lustigen Art hat mir das Lesen wirklich versüßt. Ole wurde wirklich sehr gut dargestellt. Besonders wie er seine eigne Welt sieht und wir wir lernen können uns auf diese einzulassen. Aber auch welche Gefahren mit dieser Diagnose lauern. Ich bin ja selbst im Sozialen Sektor tätig und ich kann es nur bestätigen, welche Herausforderungen mit bestimmten Krankheitsbildern auftauchen können. Manuela war mir von Anfang an unsympathisch. Nichts desto trotz verstehe ich gut warum Sie so geworden ist, wie sie ist. Alles in Allem konnte mich die Schriftstellerin mit der Geschichte absolut überzeugen. Es hat mich erneut sensibilisiert mit Menschen so umzugehen, wie ich selbst auch möchte, dass man sich mir gegenüber verhält. Eine absolute Leseempfehlung (Besonders für diejenigen, die in sozialen Berufen tätig sind) Von mir bekommt das Buch ganz klar 5 Sterne.

Bärenstark! Ein sensationelles, furioses Kammerspiel, das seinesgleichen sucht. Ziemlich unerwartet und in der Spätphase meines Lesejahres 2024 kam dieses auf den ersten Blick unscheinbare Buch daher, das sich als nichts geringeres als mein Lesehighlight 2024 entpuppte. In 2 Tagen bin ich durch diese knapp 230 Seiten durchgerauscht und bin hellauf und über alle Maßen begeistert!!! Es war meine erste (und definitiv nicht die letzte) Lektüre von Katja Lange-Müller. Wie sie es versteht, eine eigentlich ziemlich traurige Geschichte so furios, spannend und in Teilen zum Brüllen komisch zu erzählen, ist spektakulär. Drei bombastisch starke Frauenfiguren, die miteinander ringen, sich selbst und die jeweils andere quälen, gleichzeitig jedoch unendlich brauchen - das habe ich in derart starker Form selten gelesen. Die Figuren werden mit einer großen Zärtlichkeit geschildert und man gewinnt jede von ihnen auf gewisse Art lieb, gleichzeitig werden die Figuren in ihren Bedürfnissen und Boshaftigkeiten und Eitelkeiten literarisch seziert und bis auf die nackte Haut entlarvt. Ganz großes Kino! Man kann es nicht anders sagen, aber es macht einen höllischen Spaß, dieses Buch zu lesen. Mehrfach habe ich ganz unerwartet und wirklich schallend gelacht. Selten fand ich ein Buch gleichermaßen so unglaublich gut und unglaublich unterhaltsam. Die Autorin versteht, ganz genau hinzuschauen, die Innenleben der Figuren bis ins Detail auszuforschen und mit ihnen auf engstem Raum eine rasante, kluge, auch durchaus emotionale Geschichte zu erzählen. Klug, bitterböse, absolut konsequent in Form und Inhalt, mit tollen, komplexen Figuren und alles in allem nicht nur lesenswert, sondern ein absolutes Must Read! Für mich eines der Top 3 Bücher des Jahres 2024, wenn nicht sogar das heimliche Highlight! Ganz sicher aber die gelungenste Lese-Überraschung dieses Jahres! Ein Buch, dem ich gerne 10/5 Sternen geben würde. Ein Buch, das ich so schnell nicht vergessen werde! Leseempfehlung: Ja! Dieses denkwürdige Kammerspiel muss man einfach gelesen haben!
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Drei Frauen, die von ihren Müttern nicht geliebt wurden, ein kognitiv beeinträchtigter Junge, der sie verbindet, und ein unerwarteter Tod. Katja Lange-Müller gelingt mit diesem Kammerspiel ein literarisches Wunderwerk.
Die einst bildschöne Ida ist alt und vom Leben, den Männern und sich selbst enttäuscht. Um nicht völlig zu verarmen, arbeitet sie gelegentlich als Model bei Seniorinnenmodenschauen. In einem Kaufhaus begegnet sie Elvira, die ihren Enkel Ole betreut, genauer: ihn abwechselnd schikaniert und verwöhnt. Als Ida ihre Wohnung verliert, lockt Elvira, die den Kontakt zu ihrer Tochter abgebrochen hat und doch nichts mehr fürchtet als die Einsamkeit, die Freundin in ihr Landhaus, denn sie braucht Hilfe mit dem unberechenbaren, spätpubertierenden Hünen Ole.
Eines Morgens kommt es zu einem tragischen Ereignis, das Oles Mutter Manuela auf den Plan ruft. Sie hat ihren Sohn seit dessen erstem Lebensjahr nicht mehr gesehen. Während die Frauen einander misstrauisch umkreisen, entblättern sich ihre Familiengeschichten, ihre Biografien, ihre seelischen Verletzungen.
Katja Lange-Müller ist einzigartig in der literarischen Kraft und Präzision, mit der sie Figuren vom Rande der Gesellschaft unterschiedliche Stimmen gibt. Dieser Roman schärft aufs Feinste unser Denken und Empfinden. Er erzählt von ablehnenden Müttern, von den Widersprüchen, aus denen sich eine Persönlichkeit zusammensetzt, von der heimlichen Sehnsucht nach Zuneigung und all den Lebenslügen, die so gelogen manchmal gar nicht sind.
Book Information
Author Description
Katja Lange-Müller, geboren 1951 in Ostberlin, lebt als freie Schriftstellerin in Berlin und im Aargau. 1986 erhielt sie den Ingeborg-Bachmann-Preis, 1995 den Alfred-Döblin-Preis für ihre zweiteilige Erzählung »Verfrühte Tierliebe«, 2002 den Preis des ZDF, des Senders 3sat und der Stadt Mainz, 2005 den Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor, 2008 den Preis der LiteraTour Nord, den Gerty-Spies-Preis und den Wilhelm-Raabe-Preis. In den Jahren 2012/2013 war sie Stipendiatin der Villa Massimo, erhielt den Kleist-Preis und war 2013/2014 Stipendiatin der Kulturakademie Tarabya Istanbul. 2017 erhielt sie den Günter-Grass-Preis, 2023 den Turmschreiberpreis der Stadt Deidesheim.
Posts
"Bin ich mir wenigstens mir selbst lieb und teuer? Lieb nicht, aber teuer schon." - typisch Ida. Ein schönes Cover und interessanter Klappentext machten mich neugierig, zumal ich von diesem Roman noch nichts gehört hatte. Die wunderschöne, leider etwas oberflächliche, Ida ist inzwischen 76 Jshre alt und mittellos. Daher zieht sie mit einem Schrankkoffer zu ihrer Bekannten Elvira in deren Haus in ein Dorf im Berliner Umfeld. Dort soll sie bei der Betreuung von Elviras 15jährigem Enkel Ole und in Haus und Garten zur Hand gehen. Dabei beginnt Ida ihr Leben zu reflektieren. Und manchmal denkt sie ziemlich kluge Sätze. Es geht um so viel in diesem Roman und nicht zuletzt um die Liebe und Beziehung zwischen Müttern und Töchtern. Die Geschichte wird in abwechselnd, nicht zu langen, Kapiteln erzählt. Meist steckt man in Ida's oder Manuelas Kopf. Im Mittelpunkt der drei Frauen steht Ole, der die mehr oder weniger verbindet und der trotzdem schattenhaft im Nebel bleibt. Das habe ich etwas bedauert, aber gleichzeitig gibt dies dem ganzen etwas Geheimnisvolles. Mit nüchternen, teils humorigen Beschreibungen bringt die Autorin uns Situationen und Personen näher. Ich mochte den Schreibstil. Die Gedanken und Dialoge entsprechen der Welt genau der Gesellachaftsschicht, die die Autorin hier agieren lässt. Luther würde sagen: "Dem Volke aufs Maul geschaut". Das ist ihr gelungen. Zielsicher, genau, punktiert Die Gedanken und Dialoge entsprechen der Welt genau der Gesellachaftsschicht, die die Autorin hier agieren lässt. Luther würde sagen: "Dem Volke aufs Maul geschaut". Das ist ihr gelungen. Zielsicher, genau, punktiert; einfach klasse. Dies ist mein erstes Buch von Katja Lange-Müller und ich muss sagen, dass es mich sehr positiv überrascht hat. Schön, traurig, humorvoll, unverschleiert, ehrlich. Mit optimalen Ende. Ich habe es sehr, sehr gemocht.
Angenehm zu lesen mit viel schwarzem Humor
Unser Ole ist kognitiv eingeschränkt. Früher hätte man vielleicht behindert gesagt, aber das ist heute ja ein Schimpfwort, aber Oma Elvira nimmt da kein Blatt vor den Mund. Was seine Einschränkung ausmacht, das hatte man nie herausgefunden. Ein Arzt meinte, es könnte ein Gendefekt sein, ein anderer sagte "es wäre Sauerstoffmangel unter der Geburt gewesen". Wie auch immer, unser Ole ist inzwischen sehr groß und weiß nicht wie stark er ist. Als Ole auf die Welt kam, wusste man gleich, dass da etwas nicht stimmen kann. Und Oma Elvira bestimmte, dass dieses Kind Ole heißen muss. Ein Name, der neutral norddeutsch klingt und dieser herbe Name kann man nicht durch ein Diminutiv verhunzen. Olelein oder Olchen würde keiner sagen! Oles Mutter Manuela zog sich nach der Geburt direkt in eine Depression zurück und überließ das Kind Oma Elvira, die sich fortan um ihn kümmerte. Bis zu dem Tag, an dem Elvira, völlig verkrümmt, tot auf dem Treppenabsatz lag. Ole stand mit dem Rücken, flunderflach an die Wand gedrückt, oberhalb des Treppenabsatzes. Hat der Achtzehnjährige die Oma in seiner Wut geschubst? Ida fand die Beiden und wusste auch nicht, was da geschehen sein mag. Ida Isolde Schlosser ist eine wirklich schöne Frau für ihr Alter. Sie hat sich ja immerhin über die vielen Jahre sehr gut gehalten und aufgebessert. Ihr Körper war immer ihr Kapital, ihre Versicherung, ausgehalten und "geliebt" zu werden. Dabei kann sie selber keine Liebe empfinden. Etwas, was sie schon in ihrer Kindheit nicht bekommen hat, kann man eben nicht weitergeben. Irgendwann hatte Ida aber keinen Liebhaber mehr und auch kein Geld. Da kam Elvira und machte ihr den Vorschlag, bei ihr auf dem Land, in ihr Haus mit einzuziehen. Und dann war da die Sache mit unserm Ole, der vielleicht die Oma von der Treppe gestoßen haben mag. Ob Ida das Haus weiter bewirtschaften kann und den kognitiv eingeschränkten jungen Mann versorgen kann? Und dann kam aber alles anders, alles kam ins Wanken, als die Erbin, Manuela auftauchte. Katja Lange-Müller, die Autorin, schreibt leicht und locker. Sie mag Schachtelsätze, die am Anfang ein bisschen anstrengend sind, aber schnell zu dem Geschriebenen passen. Ihre endlos langen Sätze geben dem Ganzen auch eine gewisse Struktur, erinnern an die Gedankengänge, die man als Mensch so hat. Ihre Figuren sind aus dem Leben gegriffen, was auch die Geschichte zu sein scheint. (Im Epilog könnte man zumindest den Verdacht bekommen.) Alle ihre Haupt-Figuren haben ein Problem mit ihren Müttern. Sie wurden nicht geliebt und betteln um Aufmerksamkeit. Sie verstellen sich, um gesehen zu werden oder eine kleine Portion "Liebe" zu ergattern. Die Frauen erzählen Lebenslügen, welche irgendwann zu Wahrheiten werden, weil sie immer wieder und oft erzählt wurden. Es sind nicht viele Seiten und man hat dieses Buch schnell gelesen. Doch bleiben einem die Figuren im Kopf, ihre Geschichten haben mich noch eine Weile beschäftigt. Sind wir nicht alle ein bisschen so? Suchen nach Liebe und Aufmerksamkeit? Katja Lange-Müller hat mich voll erwischt. Sie schreibt unterhaltsam, mit einer Prise Humor, die leicht bissig ist, mit einem unverstellten Blick auf die Gesellschaft. Sie hat den Humor einer Berlinerin! Wunderbar zu lesen! Die Autorin Katja Lange-Müller Sie ist 1952 in Berlin-Lichtenberg auf die Welt gekommen. Sie flog als Sechzehnjährige von der Schule und machte eine Ausbildung zur Schriftsetzerin … Ihr Leben liest sich wie ein Roman, wenn sie jemals eine Biografie schreiben sollte, werde ich sie ganz sicher lesen. Satire, Theater und Schriftstellerei mit einer Prise Psychiatrie begleitet ihr Leben. Dazu kommen eine ganze Reihe von Auszeichnungen. Mehr bei Wikipedia

UNSER OLE Katja Lange-Müller Katja Lange-Müllers neuester Roman stellt drei Frauen in den Mittelpunkt, deren Leben durch Einsamkeit, Traumata und emotionale Verstrickungen geprägt ist: Ida, ein ehemaliges Seniorenmodel, sieht sich zunehmend mit dem Älterwerden und chronischer Geldnot konfrontiert. Die Tage, in denen wohlhabende Herren ihr jeden Wunsch erfüllten, gehören längst der Vergangenheit an. Nach einer unbedeutenden Modelshow in einem Kaufhaus begegnet sie Elvira, die ihr vorschlägt, bei ihr einzuziehen. Elvira lebt in einem kleinen Haus mit ihrem autistischen Enkel Ole. Nachdem ihre Tochter Manuela nach der Geburt ihres Sohnes unter postnatalen Depressionen litt, nahm Elvira den Jungen zu sich. Sie verwöhnte Ole, der inzwischen zu einem korpulenten Jugendlichen herangewachsen ist und zunehmend Spannungen in den Alltag bringt – besonders, seit er seine Sexualität entdeckt hat. Ihre Beziehung ist von ständigen Streitigkeiten geprägt. Manuela hingegen hat den Kontakt zu ihrer Mutter und ihrem Sohn seit Jahren abgebrochen. Erst ein tragischer Unfall führt sie zurück in das Haus, das sie einst verlassen hat. Lange-Müller seziert die Lebensgeschichten dieser Figuren mit einem präzisen Blick für emotionale Kälte und die Folgen unerfüllter Bedürfnisse. Im Kern geht es um empathiearme Menschen, die selbst nie Liebe erfahren haben, und die Narben, die solche Erfahrungen hinterlassen. Besonders gelungen ist der Blick hinter die Fassade: Elvira, die sich immer einen Sohn gewünscht hat, war von Anfang an eifersüchtig auf die Beziehung zwischen ihrer Tochter und deren Vater, der Manuela stets wie eine Prinzessin behandelte. Manuela wiederum flüchtete nach seinem Tod in eine Opferrolle. Zwischen diesen Konflikten versucht Ida zu vermitteln, denn als mittellose Außenseiterin hat sie keine andere Wahl, als in dieser zerrütteten Gemeinschaft zu bleiben. Der Roman besticht durch einen flüssigen Schreibstil, bleibt jedoch erzählerisch oberflächlich. Ein klarer Höhepunkt oder tiefgreifender Plot fehlt. Dennoch ist es ein kurzweiliges, gut lesbares Kammerspiel. 3½/ 5

Ein Meisterwerk
Ich habe ein Buch beendet und ich kann es noch gar nicht richtig glauben, wie sehr mich dieses Buch begeistern konnte. Aber erstmal zu den Fakten: Verlag: Kiepenheuer & Witsch Erscheinungsdatum: 05.09.2024 Seitenzahl: 240 Worum geht es? Drei Frauen, die von ihren Müttern nicht geliebt wurden, ein kognitiv beeinträchtigter Junge, der sich verbindet, und ein unerwarteter Tod. In dieser Geschichte begleiten wir Ida. Ida ist ein Model bei Seniorinnenmodeschauen und lebt alleine und unter eher ärmeren Verhältnissen. Eliva die ihren Enkel Ole betreut will Ida unterstützen und bietet ihr an, bei sich und Ole zu wohnen. Das Angebot nimmt Ida dankend an und lebt mit den beiden eine Weile zusammen. Doch dann passiert ein schreckliches Unglück und Manuela (die Tochter von Elvira) betritt die Bühne in der Geschichte. Meine Meinung dazu: Mir haben die Protagonisten und Protagonistinnen sehr gut gefallen. Ich mochte persönlich Ole und Ida als Hauptaugenmerk in der Geschichte sehr. Ida mit ihrer offenen und lustigen Art hat mir das Lesen wirklich versüßt. Ole wurde wirklich sehr gut dargestellt. Besonders wie er seine eigne Welt sieht und wir wir lernen können uns auf diese einzulassen. Aber auch welche Gefahren mit dieser Diagnose lauern. Ich bin ja selbst im Sozialen Sektor tätig und ich kann es nur bestätigen, welche Herausforderungen mit bestimmten Krankheitsbildern auftauchen können. Manuela war mir von Anfang an unsympathisch. Nichts desto trotz verstehe ich gut warum Sie so geworden ist, wie sie ist. Alles in Allem konnte mich die Schriftstellerin mit der Geschichte absolut überzeugen. Es hat mich erneut sensibilisiert mit Menschen so umzugehen, wie ich selbst auch möchte, dass man sich mir gegenüber verhält. Eine absolute Leseempfehlung (Besonders für diejenigen, die in sozialen Berufen tätig sind) Von mir bekommt das Buch ganz klar 5 Sterne.

Bärenstark! Ein sensationelles, furioses Kammerspiel, das seinesgleichen sucht. Ziemlich unerwartet und in der Spätphase meines Lesejahres 2024 kam dieses auf den ersten Blick unscheinbare Buch daher, das sich als nichts geringeres als mein Lesehighlight 2024 entpuppte. In 2 Tagen bin ich durch diese knapp 230 Seiten durchgerauscht und bin hellauf und über alle Maßen begeistert!!! Es war meine erste (und definitiv nicht die letzte) Lektüre von Katja Lange-Müller. Wie sie es versteht, eine eigentlich ziemlich traurige Geschichte so furios, spannend und in Teilen zum Brüllen komisch zu erzählen, ist spektakulär. Drei bombastisch starke Frauenfiguren, die miteinander ringen, sich selbst und die jeweils andere quälen, gleichzeitig jedoch unendlich brauchen - das habe ich in derart starker Form selten gelesen. Die Figuren werden mit einer großen Zärtlichkeit geschildert und man gewinnt jede von ihnen auf gewisse Art lieb, gleichzeitig werden die Figuren in ihren Bedürfnissen und Boshaftigkeiten und Eitelkeiten literarisch seziert und bis auf die nackte Haut entlarvt. Ganz großes Kino! Man kann es nicht anders sagen, aber es macht einen höllischen Spaß, dieses Buch zu lesen. Mehrfach habe ich ganz unerwartet und wirklich schallend gelacht. Selten fand ich ein Buch gleichermaßen so unglaublich gut und unglaublich unterhaltsam. Die Autorin versteht, ganz genau hinzuschauen, die Innenleben der Figuren bis ins Detail auszuforschen und mit ihnen auf engstem Raum eine rasante, kluge, auch durchaus emotionale Geschichte zu erzählen. Klug, bitterböse, absolut konsequent in Form und Inhalt, mit tollen, komplexen Figuren und alles in allem nicht nur lesenswert, sondern ein absolutes Must Read! Für mich eines der Top 3 Bücher des Jahres 2024, wenn nicht sogar das heimliche Highlight! Ganz sicher aber die gelungenste Lese-Überraschung dieses Jahres! Ein Buch, dem ich gerne 10/5 Sternen geben würde. Ein Buch, das ich so schnell nicht vergessen werde! Leseempfehlung: Ja! Dieses denkwürdige Kammerspiel muss man einfach gelesen haben!









