Rosenstengel
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Description
»Zwei Menschen mit Doppelleben bilden das Gerüst des Debütromans von Angela Steidele: Catharina Linck, die sich als Anastasius Rosenstengel Anfang des 18. Jahrhunderts in Männerkleidern durchs Leben schlug, und Ludwig II., der sich aus der Politik in die Welt der Kunst flüchtete.« SZ
Book Information
Author Description
Angela Steidele, geb. 1968, Dr. phil, erforscht und erzählt historische Liebesgeschichten. Sie veröffentlichte u. a. »In Männerkleidern. Das verwegene Leben der Catharina Linck alias Anastasius Rosenstengel« (2004) sowie »Geschichte einer Liebe: Adele Schopenhauer und Sibylle Mertens« (2010). Für ihr literarisches Debut »Rosenstengel« wurde sie mit dem Bayerischen Buchpreis ausgezeichnet. Angela Steidele schreibt, gärtnert und singt in Köln.
Posts
Eine Geschichte, die sich zwischen Hexenprozessen, der Entstehung von Genderrollen und der Frage, ob Frauen nicht von Natur aus Wahnsinnig sind, bewegt.
Manchmal muss man sich durch ein Buch kämpfen, um seine Genialität zu erkennen. „Rosenstengel“ von Angela Steidele ist genau so ein Buch. Nach den ersten 50 Seiten dachte ich wirklich: „Soll ich das abbrechen?“ Die ersten 100 Seiten fordern Durchhaltevermögen. Altdeutsche Briefe von 1711 in schwer lesbarem Stil machen es einem anfangs nicht leicht - man gewöhnt sich aber daran. Doch wer durchhält, wird belohnt mit einer Geschichte, die sich zwischen Hexenprozessen, der Entstehung von Genderrollen und der Frage, ob Frauen nicht von Natur aus Wahnsinnig sind, bewegt. "Körperlich genommen ist das Weib ja ein Mittelding zwischen Kind und Mann, und geistig ist sie es auch." (Zitat) Dieses Buch lässt sich nicht so leicht in eine Schublade stecken. Es ist kein Roman, wie man ihn erwartet, sondern eine Sammlung von über 250 Briefen. Manche authentisch, andere fiktional. Worum geht's? Das Buch spielt auf zwei Zeitebenen: 1. 1711: Anastasius Rosenstengel, eine Frau, die sich als Mann ausgibt, heiratet eine Frau und wird schließlich als „Täuscherin“ zum Tode verurteilt. Anastasius Rosenstengel: Hinter dem Namen Anastasius Rosenstengel verbirgt sich Catharina Margaretha Linck. Diese Frau lebte im 18. Jahrhundert als Mann, heiratete eine Frau und wurde später hingerichtet, weil sie angeblich „die Gesellschaft getäuscht“ hatte. Ihr Fall zählt zu den ersten bekannten Berichten über Genderidentität in der Geschichte. 2. 1886: König Ludwig II. von Bayern, kurz vor seinem rätselhaften Tod, und der Irrenarzt Dr. Franz Müller rollen den Fall von Rosenstengel wieder auf. Müller plant eine wissenschaftliche Abhandlung darüber, die er mit Ludwig diskutiert. Der Leser springt durch Briefe, Gedanken und Beobachtungen dieser Persönlichkeiten, die sich immer mehr verdichten und unweigerlich auf das tragische Ende beider Zeitebenen zulaufen: den Tod von Rosenstengel 1711 und Ludwigs „Selbstmord“ 1886. Ich hatte einen klassischen historischen Roman erwartet. Stattdessen bekam ich eine Sammlung aus über 250 Briefen, von denen einige authentisch, andere fiktional, aber immer brillant recherchiert sind. Es ist ein Buch, das nicht mit Plot-Twists glänzt, sondern mit historischem Tiefgang, skurrilen Denkweisen und einem genauen Blick auf gesellschaftliche Themen: Homosexualität, Frauenrechte und die unfassbaren Ansichten über „das Weib“ in der Geschichte. „Der Sinn des Weibes ist es, Nichtsinn zu sein. Das Weib ist demnach nicht eigentlich schwachsinnig, es ist überhaupt nicht >sinnig<: Es ist als Ganzes Unsinn.“ (Zitat) Ja, solche Aussagen lassen einen schon mal mit offenem Mund dasitzen. Gleichzeitig trifft man auf Briefe von Männern, die Frauen durchaus für gleichwertig hielten – echte Lichtblicke zwischen dem ganzen Wahnsinn der damaligen Zeit. "Denn was hinderts, daß ein Frauenzimmer nicht ebensogut als ein Kerl etwas sollte können lernen! In der Geburtshülffe haben sie ihre Geschick erwiesen, ohne studirt zu haben, und in den anderen Künsten sind sie eben nicht angeleitet worden." (Zitat) Was macht das Buch so besonders? 1. König Ludwig II. von Bayern Die Darstellung des Märchenkönigs ist ein Highlight. Seine exzentrische, verträumte Art, kombiniert mit den politischen und sozialen Intrigen seiner Zeit, macht ihn zu einer schillernden Figur. König Ludwig II. von Bayern: König Ludwig II. (1845–1886) wird auch der „Märchenkönig“ genannt. Berühmt ist er vor allem für seine märchenhaften Schlösser wie Neuschwanstein. Ludwig war eine exzentrische Persönlichkeit, die sich für Kunst und Musik begeisterte. Sein mysteriöser Tod im Starnberger See bleibt bis heute ungeklärt. 2. Historische Genauigkeit Die Mischung aus Fakten und Fiktion: Angela Steidele hat hier ein Meisterwerk geschaffen, das unglaublich gut recherchiert ist. Die Briefe sind teilweise aus Orginalzitaten zusammen gesetzt und auch die Fiktionalen wirken authentisch, und man kann sich perfekt in die Denkweise der damaligen Zeit hineinversetzen.. 3. Spannende Themen Von Genderrollen über Homosexualität bis hin zu Hexenprozessen und der Rolle der Frau: Dieses Buch ist ein historisches Puzzle, das zum Nachdenken anregt. "Wie das Weib, welche als Gattin und Mutter jegliche Gemeinschaft erst begründet, den Staat bedrohen kann, entzieht sich jedoch meinem Verständnis." (Zitat) Fazit: Ein Meisterwerk für Geschichtsinterissierte „Rosenstengel“ ist nichts für zwischendurch. Aber wer sich darauf einlässt, wird mit einem Werk belohnt, das einen zum Nachdenken bringt. Über Geschichte. Über Rollenbilder. Über Religion. Und über den Wahnsinn, den Frauen jahrhundertelang ertragen mussten. Nach den ersten 100 Seiten konnte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Es ist eine Mischung aus Geschichtsbuch, psychologischem Porträt und literarischem Abenteuer. 5 Sterne für ein Buch, das nicht nur unterhält, sondern auch bildet.
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»Zwei Menschen mit Doppelleben bilden das Gerüst des Debütromans von Angela Steidele: Catharina Linck, die sich als Anastasius Rosenstengel Anfang des 18. Jahrhunderts in Männerkleidern durchs Leben schlug, und Ludwig II., der sich aus der Politik in die Welt der Kunst flüchtete.« SZ
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Angela Steidele, geb. 1968, Dr. phil, erforscht und erzählt historische Liebesgeschichten. Sie veröffentlichte u. a. »In Männerkleidern. Das verwegene Leben der Catharina Linck alias Anastasius Rosenstengel« (2004) sowie »Geschichte einer Liebe: Adele Schopenhauer und Sibylle Mertens« (2010). Für ihr literarisches Debut »Rosenstengel« wurde sie mit dem Bayerischen Buchpreis ausgezeichnet. Angela Steidele schreibt, gärtnert und singt in Köln.
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Eine Geschichte, die sich zwischen Hexenprozessen, der Entstehung von Genderrollen und der Frage, ob Frauen nicht von Natur aus Wahnsinnig sind, bewegt.
Manchmal muss man sich durch ein Buch kämpfen, um seine Genialität zu erkennen. „Rosenstengel“ von Angela Steidele ist genau so ein Buch. Nach den ersten 50 Seiten dachte ich wirklich: „Soll ich das abbrechen?“ Die ersten 100 Seiten fordern Durchhaltevermögen. Altdeutsche Briefe von 1711 in schwer lesbarem Stil machen es einem anfangs nicht leicht - man gewöhnt sich aber daran. Doch wer durchhält, wird belohnt mit einer Geschichte, die sich zwischen Hexenprozessen, der Entstehung von Genderrollen und der Frage, ob Frauen nicht von Natur aus Wahnsinnig sind, bewegt. "Körperlich genommen ist das Weib ja ein Mittelding zwischen Kind und Mann, und geistig ist sie es auch." (Zitat) Dieses Buch lässt sich nicht so leicht in eine Schublade stecken. Es ist kein Roman, wie man ihn erwartet, sondern eine Sammlung von über 250 Briefen. Manche authentisch, andere fiktional. Worum geht's? Das Buch spielt auf zwei Zeitebenen: 1. 1711: Anastasius Rosenstengel, eine Frau, die sich als Mann ausgibt, heiratet eine Frau und wird schließlich als „Täuscherin“ zum Tode verurteilt. Anastasius Rosenstengel: Hinter dem Namen Anastasius Rosenstengel verbirgt sich Catharina Margaretha Linck. Diese Frau lebte im 18. Jahrhundert als Mann, heiratete eine Frau und wurde später hingerichtet, weil sie angeblich „die Gesellschaft getäuscht“ hatte. Ihr Fall zählt zu den ersten bekannten Berichten über Genderidentität in der Geschichte. 2. 1886: König Ludwig II. von Bayern, kurz vor seinem rätselhaften Tod, und der Irrenarzt Dr. Franz Müller rollen den Fall von Rosenstengel wieder auf. Müller plant eine wissenschaftliche Abhandlung darüber, die er mit Ludwig diskutiert. Der Leser springt durch Briefe, Gedanken und Beobachtungen dieser Persönlichkeiten, die sich immer mehr verdichten und unweigerlich auf das tragische Ende beider Zeitebenen zulaufen: den Tod von Rosenstengel 1711 und Ludwigs „Selbstmord“ 1886. Ich hatte einen klassischen historischen Roman erwartet. Stattdessen bekam ich eine Sammlung aus über 250 Briefen, von denen einige authentisch, andere fiktional, aber immer brillant recherchiert sind. Es ist ein Buch, das nicht mit Plot-Twists glänzt, sondern mit historischem Tiefgang, skurrilen Denkweisen und einem genauen Blick auf gesellschaftliche Themen: Homosexualität, Frauenrechte und die unfassbaren Ansichten über „das Weib“ in der Geschichte. „Der Sinn des Weibes ist es, Nichtsinn zu sein. Das Weib ist demnach nicht eigentlich schwachsinnig, es ist überhaupt nicht >sinnig<: Es ist als Ganzes Unsinn.“ (Zitat) Ja, solche Aussagen lassen einen schon mal mit offenem Mund dasitzen. Gleichzeitig trifft man auf Briefe von Männern, die Frauen durchaus für gleichwertig hielten – echte Lichtblicke zwischen dem ganzen Wahnsinn der damaligen Zeit. "Denn was hinderts, daß ein Frauenzimmer nicht ebensogut als ein Kerl etwas sollte können lernen! In der Geburtshülffe haben sie ihre Geschick erwiesen, ohne studirt zu haben, und in den anderen Künsten sind sie eben nicht angeleitet worden." (Zitat) Was macht das Buch so besonders? 1. König Ludwig II. von Bayern Die Darstellung des Märchenkönigs ist ein Highlight. Seine exzentrische, verträumte Art, kombiniert mit den politischen und sozialen Intrigen seiner Zeit, macht ihn zu einer schillernden Figur. König Ludwig II. von Bayern: König Ludwig II. (1845–1886) wird auch der „Märchenkönig“ genannt. Berühmt ist er vor allem für seine märchenhaften Schlösser wie Neuschwanstein. Ludwig war eine exzentrische Persönlichkeit, die sich für Kunst und Musik begeisterte. Sein mysteriöser Tod im Starnberger See bleibt bis heute ungeklärt. 2. Historische Genauigkeit Die Mischung aus Fakten und Fiktion: Angela Steidele hat hier ein Meisterwerk geschaffen, das unglaublich gut recherchiert ist. Die Briefe sind teilweise aus Orginalzitaten zusammen gesetzt und auch die Fiktionalen wirken authentisch, und man kann sich perfekt in die Denkweise der damaligen Zeit hineinversetzen.. 3. Spannende Themen Von Genderrollen über Homosexualität bis hin zu Hexenprozessen und der Rolle der Frau: Dieses Buch ist ein historisches Puzzle, das zum Nachdenken anregt. "Wie das Weib, welche als Gattin und Mutter jegliche Gemeinschaft erst begründet, den Staat bedrohen kann, entzieht sich jedoch meinem Verständnis." (Zitat) Fazit: Ein Meisterwerk für Geschichtsinterissierte „Rosenstengel“ ist nichts für zwischendurch. Aber wer sich darauf einlässt, wird mit einem Werk belohnt, das einen zum Nachdenken bringt. Über Geschichte. Über Rollenbilder. Über Religion. Und über den Wahnsinn, den Frauen jahrhundertelang ertragen mussten. Nach den ersten 100 Seiten konnte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Es ist eine Mischung aus Geschichtsbuch, psychologischem Porträt und literarischem Abenteuer. 5 Sterne für ein Buch, das nicht nur unterhält, sondern auch bildet.





