Postpatriarchales Chaos und wie wir mit Feminismus die Freiheit erobern

Postpatriarchales Chaos und wie wir mit Feminismus die Freiheit erobern

Hardback
4.011

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Description

Die Zeit des Patriarchats ist vorbei .

Die aktuellen politischen Entwicklungen sind kein Beweis für die bleibende Stärke des Patriarchats, sondern Anzeichen für dessen Ende. Das Patriarchat war eine hierarchische Ordnung mit »alten weißen Männern« an der Spitze, gestützt auf anerkannte Institutionen wie Universitäten, Parlamente und Kirchen. Diese Zeiten sind vorbei. Heute basiert Macht auf dem Recht des Stärkeren, physischer Gewalt, ökonomischer Überlegenheit und Willkür. Das ist kein Patriarchat, sondern postpatriarchales Chaos. Feministische Strategien müssen darauf reagieren. In ihrem intellektuell funkelnden und geistreich-pointierten Essay nimmt die Politologin Antje Schrupp eine (selbst)kritische Bestandsaufnahme der Frauenbewegung vor und entwirft Perspektiven für einen zukunftsorientierten, konstruktiven Feminismus, dessen oberstes Anliegen eine freiheitliche Gesellschaft ist.

»Das klügste feministische Buch des Jahres« KATJA BERLIN

Book Information

Main Genre
Specialized Books
Sub Genre
Society & Social Sciences
Format
Hardback
Pages
192
Price
20.60 €

Author Description

Antje Schrupp ist Politikwissenschaftlerin und Journalistin und lebt in Frankfurt am Main. Sie forscht vor allem zur politischen Ideengeschichte von Frauen und promovierte über feministische Sozialistinnen im 19. Jahrhundert. Außerdem beschäftigt sie sich seit Langem mit feministischer Wirtschaftsethik. In ihrem Blog »Aus Liebe zur Freiheit« mischt sie sich in aktuelle feministische Debatten ein und forderte u. a. ein Schuldbekenntnis der Kirche für die jahrhundertelange patriarchale Theologie. 2025 erhielt sie den Luise-Büchner-Preis für Publizistik.

Posts

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“Wir müssen verstehen, dass Feminismus nicht Orientierung an den Männern bedeutet, sondern die Bewusstwerdung einer eigenen weiblichen (oder queeren oder sonstigen nicht cis-männlichen) Subjektivität, die nicht nur mitmacht bei einem Spiel, dessen Regeln bereits feststehen, sondern mit eigenen Wünschen und Projekten in Erscheinung tritt. Die die herkömmlichen Schiedsrichter als befangen zurückweist und womöglich nicht nur die Spielregeln ändern, sondern ein ganz neues Spiel spielen möchte. Die das Ziel der “Gleichstellung” als ungenügend zurückweist.” Ich habe früher regelmäßig den Blog von Antje Schrupp gelesen. Ihre Beiträge waren immer super interessant, auch wenn ich natürlich nicht allem zugestimmt habe. Umso gespannter war ich auf dieses Büchlein! Im ersten Abschnitt geht es um die Historie der Frauenbewegung, außerdem folgt eine kleine Bestandsaufnahme. Schrupp stellt heraus, warum wir bereits von einer postpatriarchalen Welt sprechen können, Feminismus aber dennoch unverzichtbar ist. Gut! In Sachen Begehren stimme ich ihr dann allerdings nicht zu. Klar kann jede Frau selbst entscheiden, ob sie mit einem Typen zusammen sein und Kinder will, der sich um nichts kümmert und auch kaum erreichbar ist. Ein feministischer Akt ist das aber nicht. Und wenn Familie und Freundinnen dann verständlicherweise was sagen, ist das auch keine Abwertung des Begehrens der Frau, denn dieses entsteht nicht im Vakuum. Ich habe zu viele Frauen, sowohl familiär als auch freundschaftlich, begleitet, die mit etwas Abstand rückblickend entsetzt waren, dass sie bestimmte Sachen so lange mitgemacht haben. Sie konnten selbst nicht mehr verstehen, warum sie so eine Beziehung mal wollten und heulten jedem verlorenen Tag hinterher. Ich halte es deswegen mit Beatrice Frasl: Entromantisiert euch endlich! Es wird dann oft sehr philosophisch und theoretisch, dennoch konnte ich ganz viel mitnehmen. Ob Gender, Bro-Culture oder rechte Frauen, Schrupp blickt differenziert auf diese Themen und gibt gute Denkanstöße. Dabei zeigt sie aber immer Haltung! Im Besonderen beeindruckt hat mich ihre Meinung zu patriarchalen Institutionen (also unser Justizsystem, Universitäten etc.), die Frauen zwar nun Zugang gewähren, aber vielleicht doch eher abgeschafft und durch gänzlich Neue ersetzt werden sollten. Frauen “gleichstellen” wird nie so funktionieren, wie wir uns das vorstellen. Wir brauchen eine komplett neue Welt! Davon träume ich zumindest - und Antje Schrupp wohl auch. “(...) oder ob man die betreffenden Institutionen nicht auch aufgeben kann, ob sie nicht bedeutungslos geworden sind oder von ihren Prinzipien her ungeeignet für eine freiheitliche Weltgestaltung.” “Selbstverständlich kann man ungerechte Verhältnisse gleichmäßig zwischen Männern und Frauen aufteilen. Aber wenn die Welt ansonsten genauso ungerecht bleibt wie eh und je, ist damit überhaupt nichts gewonnen.” Ich habe den Text jedenfalls gerne gelesen und kann ihn nur empfehlen.

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Immer mal wieder stoße ich auf ein Buch, das ich einfach nicht aus der Hand legen kann. "Postpatriarchales Chaos und wie wir mit Feminismus die Freiheit erobern" ist so ein Buch. Antje Schrupp legt in ihrem Essay nachvollziehbar dar, dass wir derzeit nicht etwa eine Rückkehr des Patriarchats erleben, sondern vielmehr "postpatriarchales Chaos". Was darunter zu verstehen ist, wie die Autorin dieses Chaos abgrenzt zum klassischen Patriarchat, das ist sowohl interessant als auch einleuchtend - und für mich ein erstaunlicher Quell der Hoffnung. Diese Einordnung bildet allerdings nur den Auftakt, denn im weiteren Verlauf widmet sich Antje Schrupp der Aufgabe des Feminismus, nicht im Ist-Zustand zu verharren, sondern sich im Gegenteil weiterzuentwickeln und den aktuellen Entwicklungen anzupassen. Sie geht auf die Geschichte des Feminismus ebenso ein wie auf die Herausforderungen, denen er sich zu stellen hat. Das alles macht sie auf eine so verständliche Art und Weise, dass es wirklich Spaß macht, ihren Ausführungen zu folgen. "Postpatriarchales Chaos und wie wir mit Feminismus die Freiheit erobern" ist auch deshalb so lesenswert, weil es in vielerlei Hinsicht einladend ist, weil es durchaus (selbst-) kritisch ist und weil die Autorin daran erinnert, was Feminismus war, ist und werden kann. "Damit verbunden ist ein Perspektivenwechsel für feministische Anliegen: Wir kämpfen nicht für das, was uns vermeintlich zusteht, sondern für das, was wir wollen, was uns am Herzen liegt. (...) Wir halten uns nicht damit auf zu beweisen, dass wir recht haben, denn das interessiert sowieso niemanden. Erst recht entschuldigen und rechtfertigen wir uns nicht für unsere Wünsche und Sehnsüchte. Sondern wir tun konsequent das, was wir für richtig halten; jede*r im Rahmen der eigenen Möglichkeiten, so gut wir eben können." Irgendwie hat Antje Schrupp es außerdem geschafft, dass ich mich während der Lektüre immer wieder direkt angesprochen fühlte, dass ich motiviert wurde, dass ich Hoffnung schöpfte. Ich glaube, dafür bin ich ihr am meisten dankbar: dass sie im Kern Hoffnung verbreitet. Mich persönlich motiviert Hoffnung deutlich mehr als das Gefühl, dass "alles verloren" bzw. hoffnungslos ist. Fazit: Viele kluge Gedanken wurden in einem verständlichen Essay vereint. Man muss nicht mit allem einverstanden sein, aber als Idee und als Grundlage für Diskussionen und eine neue Welle des Feminismus, vor allem aber als Hoffnungsgeber, funktioniert dieses Büchlein ganz wunderbar.

4

Der vollständige Titel des Buches lautet "Postpatriarchales Chaos und wie wir mit Feminismus die Freiheit erobern" und ist ein Essay. Ich lese solche politische Werke recht gerne, denn Politik betrifft uns schließlich alle. Beim Lesen kam es meinerseits immer wieder zu zustimmendem Nicken, aber auch zu einigen "Aha-Momenten" bezüglich mancher Aspekte, die für mich aus einem neuen Blickwinkel betrachtet und erklärt wurden. Themen wie zum Beispiel Mikrofeminismus und das Phänomen der Tradwives, welche beide auf Social Media verbreitet sind, fand ich sehr interessant dargestellt. Sprachlich ist das Buch gut zugänglich und liefert viele spannende Denkanstöße. Allerdings ist es eher nicht geeignet zum schnell „weglesen“, da man doch recht aufmerksam sein sollte. Wer sich jedoch für politische und feministische Themen interessiert, dem dürfte es leicht fallen, im Buch zügig voranzukommen.

4.5

Mit Sachbüchern tue ich nich oft etwas schwer, und auch bei diesem hat es etwas länger gedauert, bis ich es beendet habe. Trotzdem hat es mir gut gefallen, und ich werde es mit Sicherheit noch einmal lesen, um noch tiefer in die Thematik einzutauchen. Ich fand toll, wie die Autorin ihre Gedanken klar und strukturiert aufs Papier gebracht hat, sodass die Kapitel aufeinander aufbauen und man mit jedem ein bisschen tiefer einsteigt und besser versteht, worauf sie hinaus will. Sie bedient sich dabei einer Mischung aus Bezügen auf andere Autor*innen und Denker*innen und eigenen Erfahrungen und Ideen, was meiner Meinung nach gut funktioniert und überzeugen ist. An der ein oder anderen Stelle hätte ich mir ein bisschen einfacherere Formulierungen gewünscht, damit der Inhalt nicht hinter der Fachsprache verloren geht, aber insgesamt ließ das Buch sich gut lesen, wenn auch nicht abends nach einem langen Tag, ein bisschen Kapazitäten brauchte man schon. Mit am besten an dem Buch hat mir gefallen, dass die Autorin sehr differenziert auf die Sachverhalte blickt und nicht abwertend oder ausgrenzend wird. Vielmehr denkt sie viele Standpunkte und Lebensmodelle mit und lässt in ihren Ideen viel Raum für Individualität. Ob nun der individualistische Ansatz ihrer Handlungsempfehlungen das ist, was am meisten Zukunft hat, ist schwer zu sagen, ich konnte ihre Sichtweise aber durchaus nachvollziehen und finde, ihrem Ansatz wohnt eine gewisse Attraktivität inne. Auf jeden Fall ein Buch, über das man sich austauschen und diskutieren kann, mit spannenden Ideen dafür, wo eine feministische Praxis herkommen und wie sie aussehen kann und sollte, und dafür, wie wir mit postpatriarchalen Chaos umgehen können. Danke an den Aufbau Verlag und Netgalley für das Rezensionsexemplar!

5

Postpatriarchales Denken: Eine neue Perspektive auf Macht und Geschlecht Mit dem Essay Postpatriarchales Chaos legt Antje Schrupp ein kluges, pointiertes und stellenweise durchaus provokantes Plädoyer vor, das den aktuellen feministischen Diskurs aus politikwissenschaftlicher Perspektive neu betrachtet. Ausgangspunkt ist eine eher kontraintuitive und somit zunächst irritierende These: Das Patriarchat ist nicht etwa im Wiedererstarken begriffen – es ist bereits vorbei. Schrupp stellt fest, dass das Patriarchat in dem Moment vorbei war, in dem die männliche Vorherrschaft nicht mehr frag- und klaglos akzeptiert, sondern grundlegend hinterfragt wurde - auch wenn wir angesichts der langen Geschichte die Auswirkungen in den System und Strukturen noch immer wahrnehmen. Was wir derzeit erleben, beschreibt Schrupp stattdessen als „postpatriarchales Chaos“: eine Übergangsphase, in der die alte Ordnung ihre absolute Selbstverständlichkeit verloren hat, ohne dass sich bereits tragfähige neue Strukturen etabliert hätten. Diese Diagnose nutzt sie für eine umfassende (selbst)kritische Bestandsaufnahme des Feminismus. Besonders interessant und für mich anschlussfähig ist dabei ihre Kritik an klassischen Gleichstellungsansätzen, die – so Schrupp – häufig lediglich die Integration von Frauen in bestehende, männlich geprägte Systeme fördern, anstatt diese grundlegend zu hinterfragen: Es reicht nicht, Frauen „ein Stück vom Kuchen“ zu geben – vielleicht braucht es ein völlig neues Rezept. „Wir müssen verstehen, dass Feminismus nicht Orientierung an den Männern bedeutet, sondern die Bewusstwerdung einer eigenen weiblichen (oder queeren oder sonstigen nicht cis-männlichen) Subjektivität, die nicht nur mitmacht bei einem Spiel, dessen Regeln bereits feststehen, sondern mit eigenen Wünschen und Projekten in Erscheinung tritt. Die die herkömmlichen Schiedsrichter als befangen zurückweist und womöglich nicht nur die Spielregeln ändern, sondern ein ganz neues Spiel spielen möchte. Die das Ziel der “Gleichstellung” als ungenügend zurückweist.” Das Essay überzeugt vor allem durch seine analytische Schärfe und seinen intellektuellen Anspruch. Schrupp verbindet theoretische Reflexion mit aktuellen gesellschaftspolitischen Entwicklungen. Ihre Kritik , u.a. an Gleichstellungspolitik und Quoten ist dabei durchaus „radikal“, aber argumentativ fundiert – und dürfte viele Leser:innen zum Weiterdenken bringen, auch wenn man nicht jedem Gedanken zustimmen muss. Die stärker philosophisch-religiös geprägten Überlegungen im Kontext des Begehrens, zum Beispiel, konnten mich nicht überzeugen. Besonders stark finde ich den Impuls, Feminismus nicht als Anpassungsprojekt zu denken, sondern als Einladung, gesellschaftliche Spielregeln grundsätzlich neu zu entwerfen. “(...) oder ob man die betreffenden Institutionen nicht auch aufgeben kann, ob sie nicht bedeutungslos geworden sind oder von ihren Prinzipien her ungeeignet für eine freiheitliche Weltgestaltung.” “Selbstverständlich kann man ungerechte Verhältnisse gleichmäßig zwischen Männern und Frauen aufteilen. Aber wenn die Welt ansonsten genauso ungerecht bleibt wie eh und je, ist damit überhaupt nichts gewonnen.” Postpatriarchales Chaos ist ein anspruchsvolles, klug argumentiertes und zugleich lesbares wie lesenswertes Essay, das den Feminismus jenseits etablierter Denkmuster denkt. Auch wenn nicht alle Thesen vollständig überzeugen, liegt gerade darin seine Stärke: Schrupp zwingt dazu, eigene Überzeugungen zu hinterfragen und feministische Strategien neu zu denken. 📚 Leseempfehlung für alle, die sich vertieft, differenziert und auch kontrovers mit Feminismus, Machtstrukturen und gesellschaftlichem Wandel auseinandersetzen möchten.

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