Parzival
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Zwischen Sprachzauber und Wut im Bauch – mein Blick auf „Parzival“
Es gibt Bücher, bei denen ich schon nach wenigen Seiten weiß: Die Sprache trägt mich. So ging es mir auch bei Parzival von Wolfram von Eschenbach. Diese Ausdruckskraft, diese Bilder, diese Grammatik – das liest sich für mich wie ein kunstvoll gebautes Gewölbe. Jeder Satz sitzt. Ich liebe das. Auch die Figuren sind nicht einfach Schablonen. Parzival ist kein strahlender Überheld. Am Anfang ist er naiv, fast einfältig. Er macht Fehler. Er versteht die Welt nicht. Gerade das macht ihn greifbar. Seine Entwicklung, sein Ringen mit Schuld und Verantwortung – das ist stark erzählt und erstaunlich differenziert für ein Werk aus dem Mittelalter. Und trotzdem habe ich beim Lesen oft die Zähne zusammengebissen. Die Frauenrollen sind schwer zu ertragen. Eine Jungfrau schöner als die andere. Kaum Handlungsmacht. Viel Projektion, wenig Eigenständigkeit. Frauen erscheinen als Belohnung, als moralischer Prüfstein oder als schmückendes Beiwerk. Das Frauenbild ist eng, hierarchisch und aus heutiger Sicht klar frauenfeindlich. Natürlich war das um 1200 gesellschaftliche Realität. Literatur bildet ihre Zeit ab. Das weiß ich. Aber dieses Wissen macht das Lesen nicht leichter. Für mich zerstört es ein Stück weit die Freude am Text, weil ich mich immer wieder ärgere. Ich lese nicht nur die Geschichte – ich reibe mich permanent am Weltbild dahinter. Vielleicht ist genau das der Punkt: Parzival ist literarisch beeindruckend und gleichzeitig in seinen Wertvorstellungen befremdlich. Beides stimmt. Ich kann die Sprache bewundern und das Frauenbild klar kritisieren. Ich kann die psychologische Entwicklung des Helden anerkennen und trotzdem sagen: Das hier ist aus heutiger Perspektive problematisch. Unterm Strich bleibt für mich ein großes Werk mit klaren Schwächen. Sprachlich ein Genuss. Inhaltlich in Teilen schwer auszuhalten. Und genau dieser Zwiespalt begleitet mich auch nach der letzten Seite.
Ein Klassiker der deutschen Literatur
Ich habe das Werk im Kontext meines Mediävistikstudiums gelesen und mochte es sehr. Natürlich muss einem bewusst sein, dass es um 1200 entstanden und zudem ein höfischer Roman ist: D.h. dass in dem Werk Erzählelemente enthalten sind, die zur Gattung dazugehören; wie z.B. die descriptiones, also die darin enthaltenen ausschweifenden Beschreibungen von Figuren, Festen etc. , die die adelige Lebenswelt widerspiegeln. Das gilt auch für das Geschlechterkonzept. Wobei ich es persönlich auch verstehen kann, wenn einen die misogynen Aussagen (v.a. die des Erzählers) beim Lesefluss stören. Im altfranzösischen Pendant (Perceval) , worauf der ,Parzival‘ ja basiert, befinden sich hiervon weniger - falls jemand nach einer alternativen Lektüre suchen sollte. Das Werk gibt es auch von Reclam inkl. Übersetzung.
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Zwischen Sprachzauber und Wut im Bauch – mein Blick auf „Parzival“
Es gibt Bücher, bei denen ich schon nach wenigen Seiten weiß: Die Sprache trägt mich. So ging es mir auch bei Parzival von Wolfram von Eschenbach. Diese Ausdruckskraft, diese Bilder, diese Grammatik – das liest sich für mich wie ein kunstvoll gebautes Gewölbe. Jeder Satz sitzt. Ich liebe das. Auch die Figuren sind nicht einfach Schablonen. Parzival ist kein strahlender Überheld. Am Anfang ist er naiv, fast einfältig. Er macht Fehler. Er versteht die Welt nicht. Gerade das macht ihn greifbar. Seine Entwicklung, sein Ringen mit Schuld und Verantwortung – das ist stark erzählt und erstaunlich differenziert für ein Werk aus dem Mittelalter. Und trotzdem habe ich beim Lesen oft die Zähne zusammengebissen. Die Frauenrollen sind schwer zu ertragen. Eine Jungfrau schöner als die andere. Kaum Handlungsmacht. Viel Projektion, wenig Eigenständigkeit. Frauen erscheinen als Belohnung, als moralischer Prüfstein oder als schmückendes Beiwerk. Das Frauenbild ist eng, hierarchisch und aus heutiger Sicht klar frauenfeindlich. Natürlich war das um 1200 gesellschaftliche Realität. Literatur bildet ihre Zeit ab. Das weiß ich. Aber dieses Wissen macht das Lesen nicht leichter. Für mich zerstört es ein Stück weit die Freude am Text, weil ich mich immer wieder ärgere. Ich lese nicht nur die Geschichte – ich reibe mich permanent am Weltbild dahinter. Vielleicht ist genau das der Punkt: Parzival ist literarisch beeindruckend und gleichzeitig in seinen Wertvorstellungen befremdlich. Beides stimmt. Ich kann die Sprache bewundern und das Frauenbild klar kritisieren. Ich kann die psychologische Entwicklung des Helden anerkennen und trotzdem sagen: Das hier ist aus heutiger Perspektive problematisch. Unterm Strich bleibt für mich ein großes Werk mit klaren Schwächen. Sprachlich ein Genuss. Inhaltlich in Teilen schwer auszuhalten. Und genau dieser Zwiespalt begleitet mich auch nach der letzten Seite.
Ein Klassiker der deutschen Literatur
Ich habe das Werk im Kontext meines Mediävistikstudiums gelesen und mochte es sehr. Natürlich muss einem bewusst sein, dass es um 1200 entstanden und zudem ein höfischer Roman ist: D.h. dass in dem Werk Erzählelemente enthalten sind, die zur Gattung dazugehören; wie z.B. die descriptiones, also die darin enthaltenen ausschweifenden Beschreibungen von Figuren, Festen etc. , die die adelige Lebenswelt widerspiegeln. Das gilt auch für das Geschlechterkonzept. Wobei ich es persönlich auch verstehen kann, wenn einen die misogynen Aussagen (v.a. die des Erzählers) beim Lesefluss stören. Im altfranzösischen Pendant (Perceval) , worauf der ,Parzival‘ ja basiert, befinden sich hiervon weniger - falls jemand nach einer alternativen Lektüre suchen sollte. Das Werk gibt es auch von Reclam inkl. Übersetzung.







