Öffentlichkeit als gesellschaftlicher Auftrag

Öffentlichkeit als gesellschaftlicher Auftrag

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Softcover

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Description

Warum im 21. Jahrhundert noch Texte, die aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert stammen? Noch dazu Texte über Öffentlichkeit und Journalismus, zwischen denen und der Gegenwart diverse Medienumbrüche klaffen? Der Herausgeber nennt zwei gute Gründe, angesichts mancher Aufgeregtheiten in Medienpolitik und Kommunikationswissenschaft nachzulesen, was Klassiker der Sozialwissenschaft über den Beruf geschrieben haben, dessen Aufgabe das Herstellen von Öffentlichkeit ist. Der erste hat mit Verhältnissen in und zwischen den Fächern zu tun, die sich mit dem Gegenstand öffentliche Kommunikation befassen. Einerseits zogen sich die Soziologen von diesem Gegenstand zurück, als sich ein besonderes Fach etablierte, das sich heute Kommunikationswissenschaft nennt. Andererseits sind die einschlägigen Texte der sozialwissenschaftlichen Klassiker auch in der Kommunikationswissenschaft wenig beachtet worden, weil sich dieses junge, auf Eigenständigkeit bedachte Fach auf seine Gründerväter beruft. Auf Grund dieser doppelten Vergesslichkeit werden viele Einsichten heutiger Medienforschung für originäre Errungenschaften gehalten. Aber nicht erst die Wirkungsdebatte der 70er Jahre hat das aktive Publikum entdeckt, schon Max Weber schrieb über den Einfluss der Leserschaft auf die Zeitung. Nicht erst die Theorie der Schweigespirale hat das Phänomen der öffentlichen Meinung auf einen genauen Begriff gebracht, das tat schon Ferdinand Tönnies in den 20er Jahren - wenn auch mit anderen anthropologischen und politischen Akzenten. Und nicht erst seit den Cultural Studies lässt sich begründen, dass die Erforschung der Medien als Kulturwissenschaft aufgefasst werden kann, sondern wiederum schon seit Max Webers Vorschlag für eine Zeitungsenquête von 1910. Das alles nicht nur zu wissen, sondern im Detail zu studieren, bringt neben Entdeckerfreude auch Gelassenheit gegenüber den aktuellen Mediendebatten mit sich. Der zweite Grund hat mit den gegenwärtigen Problemen des Journalistenberufs zu tun. Viele kritisieren heute, dem Beruf gehe auf Grund des raschen Medienwandels sein Ethos verloren. In solcher Kritik ist oft wenig Verständnis für die journalistische Profession zu finden. Manchmal wird sogar der Anschein erweckt, als sei dieser Beruf überflüssig. Die Klassiker der Sozialwissenschaft wussten es besser. Weil ihre zentrale Frage war, was die Moderne sei, haben sie erkannt, dass und wozu eine moderne Gesellschaft Journalisten braucht und was diese Gesellschaft vom Journalismus erwarten kann.

Book Information

Main Genre
Specialized Books
Sub Genre
Society & Social Sciences
Format
Softcover
Pages
498
Price
35.00 €