Miracle Creek: A Novel

Miracle Creek: A Novel

Ebook
4.02

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Book Information

Main Genre
N/A
Sub Genre
N/A
Format
Ebook
Pages
434
Price
9.49 €

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1
All
5

Das ist wahrscheinlich das beste und komplexeste Gerichtsdrama, das ich je gelesen/gehört/gesehen habe.

Die hyperbare Sauerstofftherapie wird bei zahlreichen Krankheitsbildern eingesetzt, um bei Patienten mittels reinem Sauerstoff Heilprozesse zu fördern. Im vorliegenden Roman betrieb Pak Yoo, ein koreanischer Einwanderer, mit seiner Ehefrau Young und Teenager-Tochter Mary in dem kleinen Ort Miracle Creek in Virginia eine Druckkammer, in der diese Therapieform angewandt wurde. Die Behandlung ist nicht ohne Risiken, denn reiner Sauerstoff ist extrem brandfördernd, weswegen strenge Sicherheitsmaßnahmen gelten. Dennoch kam es in Paks Einrichtung zur Katastrophe: Die Druckkammer geriet in Brand und ein junger Patient, der wegen Autismus behandelt wurde, und die Mutter eines weiteren Kindes starben, weitere Personen wurden schwer verletzt, darunter der Betreiber Pak. Nun beginnt der Gerichtsprozess und angeklagt ist die Mutter des Jungen, der auf grausame Weise in der Kammer zu Tode kam. Angie Kim wirft die Lesenden direkt ins kalte Wasser: Das Buch beginnt mit der Eröffnung des Gerichtsverfahrens, zunächst geschildert aus der Perspektive von Paks Frau Young, die bei der Katastrophe zugegen war. Die Ereignisse werden in Rückblicken geschildert, teilweise mittels der Zeugenaussagen der Beteiligten. Wir lernen dabei zahlreiche verschiedene Perspektiven kennen, u. a. die der Angeklagten und der anderen Opfer. Die Schilderung des Unfalls ist stellenweise sehr grausam und kaum zu ertragen. Jeder Perspektivwechsel eröffnet neue Erkenntnisse, die dazu führen, dass die Lesenden ständig ihre Vermutungen über den bzw. die Schuldige anpassen müssen. Alle Protagonisten haben scheinbar etwas zu verbergen. Wie unterschiedlich scheinbar stark belastende Aussagen aus einer anderen Perspektive erscheinen, ist absolut faszinierend und von Angie Kim meisterhaft dargelegt. In Frage steht nicht nur das Whodunnit, auch viele weitere interessante Aspekte werden aufgegriffen, am wichtigsten erscheint mir dabei die Lebensrealität der Eltern von Kindern mit Behinderungen (insbesondere Autismus), die etwa bei der Angeklagten einen kaum zu bewältigenden, durchgetakteten Tagesablauf umfasst, sowie die Bedeutung des Prinzips, dass Angeklagte bis zum Beweis der Schuld als unschuldig zu gelten haben. So ist Angie Kims Roman nicht nur ein hochspannendes Gerichtsdrama, sondern auch ein Plädoyer für Verständnis gegenüber betroffenen Eltern. Ein weiterer wichtiger Aspekt sind die Schwierigkeiten, mit denen sich Einwandererfamilien konfrontiert sehen und die mit einem teilweisen Verlust der eigenen Identität einhergehen können. Angie Kims Erstling ist, wie ich bereits geäußert habe, das beste, was ich in diesem Genre je gelesen, gehört oder gesehen habe. Insbesondere für mich, die nicht viele Krimis oder Thriller liest, kann kein blutiges oder actionreiches Buch mit dieser intelligenten und hochkomplexen Geschichte mithalten. Die offenbar auf Texte mit asiatischem Bezug spezialisierte Jennifer Lim liest das Hörbuch nuancenreich und gibt auch die verschiedenen Akzente wieder. Eine Top-Leistung.

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