Michael Kohlhaas. Aus einer alten Chronik
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Description
Heinrich von Kleists Michael Kohlhaas, »einer der rechtschaffensten zugleich und entsetzlichsten Menschen seiner Zeit«, zählt zu den eindrucksvollsten Gestalten der Weltliteratur. Der Rosshändler Kohlhaas, vom Junker Wenzel von Tronka unrechtmäßig um zwei seiner Pferde gebracht, streitet für Gerechtigkeit: Als ihm diese auf juristischem Weg verwehrt bleibt, beginnt er einen blutigen Rachefeldzug gegen seinen Übeltäter. Schließlich erfährt er Genugtuung – doch für das auf der Suche nach Gerechtigkeit begangene Unrecht zahlt Kohlhaas mit seinem Leben.
Der »Tarantino« des Spätmittelalters Neuausgabe der berühmten Novelle über Intrigen, Rache und Selbstjustiz »Gestern abend habe ich Dir nicht geschrieben, weil es über Michael Kohlhaas zu spät geworden ist (kennst Du ihn? Wenn nicht, dann lies ihn nicht! Ich werde Dir ihn vorlesen!), den ich bis auf einen kleinen Teil, den ich schon vorgestern gelesen hatte, in einem Zug gelesen habe. Wohl schon zum zehnten Male.« Franz Kafka an Felice Bauer
Book Information
Author Description
Heinrich von Kleist wurde 1777 in Frankfurt an der Oder geboren und wurde als Fünfzehnjähriger Soldat. Erst 1799 schied er aus dem Militärdienst aus, um ein Studium der Philosophie, Mathematik und Physik aufzunehmen, das er 1800 jedoch schon wieder aufgab. Im gleichen Jahr verlobte er sich mit der Generalstochter Wilhelmine von Zenge und trat auf Wunsch der Familie seiner Braut in den Staatsdienst ein. Auf der beständigen Suche nach dem ihm entsprechenden Lebensentwurf begab er sich ab 1801 wiederholt auf ausgedehnte Reisen, übte verschiedene Tätigkeiten aus, u.a. als Journalist, und brach mit seiner Verlobten. 1810 erschien der erste Band mit seinen Erzählungen (»Michael Kohlhaas«, »Die Marquise von O…«, »Das Erdbeben in Chili«) sowie das Theaterstück »Das Käthchen von Heilbronn«. Unter dem Eindruck seines persönlichen Scheiterns als Dichter beging er 1811 am Wannsee bei Potsdam Selbstmord.
Posts
„Das Rechtgefühl machte ihn zum Räuber und Mörder“ — Wenn Gerechtigkeit zur Obsession wird 🗯️🔥👨⚖️
Michael Kohlhaas ist so einer, der eigentlich nichts weiter will, als in Ruhe seine Pferde verkaufen. Stattdessen verliert er im Lauf der Geschichte nicht nur seine Pferde, sondern auch seine Frau, seine Würde und am Ende sein Leben – und das alles, weil er nicht loslassen kann. Kleists Novelle erzählt die Geschichte eines Mannes, der aus einem berechtigten Anliegen heraus Stück für Stück jeden moralischen Kompass verliert und sich dabei selbst zur zerstörerischen Kraft macht. Und ja: Das ist so anstrengend wie faszinierend. Der Einstieg? Sprachlich eine Herausforderung – lange, verschachtelte Sätze, altertümliches Vokabular, jede dritte Zeile eine Fußnote wert. Aber wenn man einmal drin ist, entfaltet „Michael Kohlhaas“ eine wuchtige Sogkraft. Der Text liest sich wie ein Moralfall im Ausnahmezustand: Was passiert, wenn ein Mensch sich zu 100 % im Recht fühlt – und alle staatlichen, moralischen und sozialen Schranken ignoriert, weil „das Gesetz“ versagt hat? Und genau da liegt der Reiz: Kohlhaas ist nicht einfach ein Wahnsinniger. Er ist kein brutaler Aufwiegler. Er ist ein Idealist, der das System beim Wort nimmt – und daran zerbricht. Dass er sich dabei mehr und mehr ins Extrem radikalisiert, wird nicht geschönt. Kleist zeigt, wie schmal der Grat zwischen Gerechtigkeit und Selbstgerechtigkeit ist, wie leicht aus Rechtsempfinden Gewalt werden kann. Das ist erschreckend aktuell – ob man will oder nicht. Trotzdem: Der Text ist auch überfrachtet. Der Plot eskaliert mitunter ins Absurde. Dass ausgerechnet ein Pferdehändler plötzlich halb Sachsen niederbrennt und sich mit Martin Luther über Gott und Gerechtigkeit unterhält, wirkt eher wie ein Fiebertraum als ein realitätsnaher Erzählstrang. Aber genau dieser Bruch – zwischen überhöhtem Pathos und messerscharfer Kritik – macht die Novelle eben auch spannend. Und sperrig. Und ein bisschen größenwahnsinnig. Fazit: „Michael Kohlhaas“ ist kein gemütlicher Klassiker zum Weglesen, sondern ein moralischer Stresstest in erzählerischer Höchstform. Wer sich darauf einlässt, wird belohnt mit einem Text, der tief bohrt und unbequeme Fragen stellt. Wie viel Gerechtigkeit darf man fordern? Wann kippt Haltung in Hybris? Und wie sehr darf man ausrasten, bevor man selbst zum Täter wird? Kleist gibt keine Antworten – aber er zwingt dich, deine eigenen zu finden. ⭐️⭐️⭐️

Kurz & Knackig, historisch mit ein paar Ungenauigkeiten
Heinrich von Kleist schrieb dieses kleine Büchlein ungefähr 1809/10. er bediente sich dabei einer Chronik aus seiner Zeit über die fast 300 Jahre alten Ereignisse. Den trotzigen Pferdehändler Kohlhaas hat es also wirklich gegeben. Der Stoff ist auch beliebt und es gibt einige Verfilmungen. Zuletzt habe ich die Version mit Mads Mikkelsen als Kohlhaas in Schweizer Bergen gesehen, die nicht wirklich funktioniert. Der Film lässt (vermutlich wegen knappem Budget) fast die Hälfte der Handlung weg. Insbesondere die politischen Ränkespiele im 2. Teil des Buches sind interessant, tauchen aber im Film gar nicht auf. Jedenfalls finde ich es erstaunlich, dass sich in den Konflikt sogar Martin Luther einmischt, der sich womöglich an die Bauernaufstände Jahre zuvor erinnert fühlt. Das Buch wirft auch heute noch aktuelle Fragen von Anpassung, Widerstand und (übertriebenem?) Sinn für Gerechtigkeit auf. Es ist sehr flott erzählt und die knapp 100 Seiten lesen sich sehr schnell weg.
Die altertümliche Schrift ist zu Beginn schwierig und zum Ende hin ein wenig mühselig. Dennoch wird das Leben dieses Mannes sehr gut beschrieben. Nüchtern wird das Unrecht betrachtet, welches in Selbstjustiz endet und diesen der unbedingten Gerechtigkeit liebenden Mann auf seinem Weg begleitet. Durch das Leben von Michael Kohlhaas konnte seine Geschichte nur gut werden.
"Habt ihr's gelesen?" - "Mhm!" "Habt ihr's auch verstanden?" - "So halbwegs..."
Ich kann leider nichts Gutes über das Buch sagen. Es hat eine ziemlich verwirrende Schreibweise. Viel zu lange verworrene Sätze, bei denen man oft nicht mehr weiß, wie der Satz überhaupt begonnen hat und was er einen überhaupt mitteilen will. Daher ist es echt sehr schwer zu lesen und den Überblick des Geschehens zu behalten. Auch die Moral der Gerechtigkeit um der Gerechtigkeitswillen widerstrebt mir. Ist es wirklich in Ordnung anderen unschuldigen , die mit der Sache nichts zutun haben und der eigentliche Schuldige sich dort in einer Stadt verschanzt, diesen Menschen dort Leid zuzufügen oder gar zu töten?.... Kurz um mir hat es absolut nicht gefallen. Es gibt deutlich angenehmeres zu lesen als DAS.... Ich frag mich immer noch, warum ich mir das freiwillig angetan habe.
Ein rechtschaffener Mensch wird durch die Willkür der Obrigkeit um sein Eigentum gebracht und verliert im Fortgang bei seiner Suche nach Gerechtigkeit sowohl seine Frau, sein Hab und Gut und letztlich auch noch seine moralische Grundsätze als Protestant. Er verschafft sich seine Recht durch Selbstjustiz und wird zum Schrecken im Land, brandstiftet und mordet. Was soll man von so einem Mensch halten. Wahrlich kein Held nach unseren heutigen Maßstäben, gemessen an seinen brutalen Taten eher ein Terrorist als eine Lichtgestalt der Arbeiterklasse. Und trotzdem wurde dieser Mensch, Michael Kohlhaas, vor allem in den letzten 100 Jahren verehrt und von verschiedenen politischen Gruppierungen als Sinnbild hoch gehalten, von den Rechten wie den Linken. Für mich ist der Pferdehändler aus dem Brandenburgischen gewiss kein Vorbild, aber seine Geschichte, die ein reales Vorbild aus dem 16. Jahrhundert, ist aktueller denn je, gerade wenn man sieht, wie heutzutage wieder Menschen zur Selbstjustiz andere Menschen durch Straßen hetzen und die herrschende Ordnung unseres Staates ablehnen. Insofern ist es gut, dass Michael Kohlhaas in den Schulen noch gelesen wird. An mir ging er leider während der Schulzeit vorbei, wobei ich ihn vielleicht auch wegen der mittelalterlichen Sprache Kleists verflucht hätte. Heute betrachte ich das Buch mit anderen Augen und finde es vor allem interessant, dass Kleist die Form einer Novelle gewählt hat, denn das Stück hätten andere Autoren zu Beginn des 19. Jahrhunderts noch in Dramen gepackt. Unweigerlich drängt sich da die Parallele zu Karl Moor in den Räubern auf. Doch Moor schwankt in seinen Ansichten, während Kohlhaas seine Taten nicht bereut, aber sein Ende auf dem Schafott aber auch als gerecht in tapferer und stolzer Form hinnimmt. Ich hätte gerne mehr über Kohlhaasens Gedankenwelt erfahren, aber Kleist schreibt seine Novelle sehr nüchtern, fast schon wie einen Aufsatz in einer juristischen Fachzeitung. Fall, Anspruchsgrundlage, Gesetz, Auslegung, Lösung. Und natürliche kann man unser Rechtsempfinden nicht mit dem aus den Zeiten Martin Luthers vergleichen. Luther muss dann sogar auch herhalten als moralische Instanz, der erst Kohlhaas verteufelt und sich dann doch für ihn beim Kurfürsten einsetzt. Und das alles wegen zweier Pferde. Verrückt. Im zweiten Teil war es einfach etwas zu viel von wegen juristischer Winkelzüge und Vetternwirtschaften. Und das Auftauchen einer hellsichtigen Zigeunerin und ihrer Prophezeiung auf einem Zettel notiert, hätte ich als Abschlusspointe auch nicht gebraucht. Auf jeden Fall ein Klassiker, der zum Nachdenken und weiteren Recherchieren anregt.
Ein rechtschaffener Mensch wird durch die Willkür der Obrigkeit um sein Eigentum gebracht und verliert im Fortgang bei seiner Suche nach Gerechtigkeit sowohl seine Frau, sein Hab und Gut und letztlich auch noch seine moralische Grundsätze als Protestant. Er verschafft sich seine Recht durch Selbstjustiz und wird zum Schrecken im Land, brandstiftet und mordet. Was soll man von so einem Mensch halten. Wahrlich kein Held nach unseren heutigen Maßstäben, gemessen an seinen brutalen Taten eher ein Terrorist als eine Lichtgestalt der Arbeiterklasse. Und trotzdem wurde dieser Mensch, Michael Kohlhaas, vor allem in den letzten 100 Jahren verehrt und von verschiedenen politischen Gruppierungen als Sinnbild hoch gehalten, von den Rechten wie den Linken. Für mich ist der Pferdehändler aus dem Brandenburgischen gewiss kein Vorbild, aber seine Geschichte, die ein reales Vorbild aus dem 16. Jahrhundert, ist aktueller denn je, gerade wenn man sieht, wie heutzutage wieder Menschen zur Selbstjustiz andere Menschen durch Straßen hetzen und die herrschende Ordnung unseres Staates ablehnen. Insofern ist es gut, dass Michael Kohlhaas in den Schulen noch gelesen wird. An mir ging er leider während der Schulzeit vorbei, wobei ich ihn vielleicht auch wegen der mittelalterlichen Sprache Kleists verflucht hätte. Heute betrachte ich das Buch mit anderen Augen und finde es vor allem interessant, dass Kleist die Form einer Novelle gewählt hat, denn das Stück hätten andere Autoren zu Beginn des 19. Jahrhunderts noch in Dramen gepackt. Unweigerlich drängt sich da die Parallele zu Karl Moor in den Räubern auf. Doch Moor schwankt in seinen Ansichten, während Kohlhaas seine Taten nicht bereut, aber sein Ende auf dem Schafott aber auch als gerecht in tapferer und stolzer Form hinnimmt. Ich hätte gerne mehr über Kohlhaasens Gedankenwelt erfahren, aber Kleist schreibt seine Novelle sehr nüchtern, fast schon wie einen Aufsatz in einer juristischen Fachzeitung. Fall, Anspruchsgrundlage, Gesetz, Auslegung, Lösung. Und natürliche kann man unser Rechtsempfinden nicht mit dem aus den Zeiten Martin Luthers vergleichen. Luther muss dann sogar auch herhalten als moralische Instanz, der erst Kohlhaas verteufelt und sich dann doch für ihn beim Kurfürsten einsetzt. Und das alles wegen zweier Pferde. Verrückt. Im zweiten Teil war es einfach etwas zu viel von wegen juristischer Winkelzüge und Vetternwirtschaften. Und das Auftauchen einer hellsichtigen Zigeunerin und ihrer Prophezeiung auf einem Zettel notiert, hätte ich als Abschlusspointe auch nicht gebraucht. Auf jeden Fall ein Klassiker, der zum Nachdenken und weiteren Recherchieren anregt.
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Heinrich von Kleists Michael Kohlhaas, »einer der rechtschaffensten zugleich und entsetzlichsten Menschen seiner Zeit«, zählt zu den eindrucksvollsten Gestalten der Weltliteratur. Der Rosshändler Kohlhaas, vom Junker Wenzel von Tronka unrechtmäßig um zwei seiner Pferde gebracht, streitet für Gerechtigkeit: Als ihm diese auf juristischem Weg verwehrt bleibt, beginnt er einen blutigen Rachefeldzug gegen seinen Übeltäter. Schließlich erfährt er Genugtuung – doch für das auf der Suche nach Gerechtigkeit begangene Unrecht zahlt Kohlhaas mit seinem Leben.
Der »Tarantino« des Spätmittelalters Neuausgabe der berühmten Novelle über Intrigen, Rache und Selbstjustiz »Gestern abend habe ich Dir nicht geschrieben, weil es über Michael Kohlhaas zu spät geworden ist (kennst Du ihn? Wenn nicht, dann lies ihn nicht! Ich werde Dir ihn vorlesen!), den ich bis auf einen kleinen Teil, den ich schon vorgestern gelesen hatte, in einem Zug gelesen habe. Wohl schon zum zehnten Male.« Franz Kafka an Felice Bauer
Book Information
Author Description
Heinrich von Kleist wurde 1777 in Frankfurt an der Oder geboren und wurde als Fünfzehnjähriger Soldat. Erst 1799 schied er aus dem Militärdienst aus, um ein Studium der Philosophie, Mathematik und Physik aufzunehmen, das er 1800 jedoch schon wieder aufgab. Im gleichen Jahr verlobte er sich mit der Generalstochter Wilhelmine von Zenge und trat auf Wunsch der Familie seiner Braut in den Staatsdienst ein. Auf der beständigen Suche nach dem ihm entsprechenden Lebensentwurf begab er sich ab 1801 wiederholt auf ausgedehnte Reisen, übte verschiedene Tätigkeiten aus, u.a. als Journalist, und brach mit seiner Verlobten. 1810 erschien der erste Band mit seinen Erzählungen (»Michael Kohlhaas«, »Die Marquise von O…«, »Das Erdbeben in Chili«) sowie das Theaterstück »Das Käthchen von Heilbronn«. Unter dem Eindruck seines persönlichen Scheiterns als Dichter beging er 1811 am Wannsee bei Potsdam Selbstmord.
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„Das Rechtgefühl machte ihn zum Räuber und Mörder“ — Wenn Gerechtigkeit zur Obsession wird 🗯️🔥👨⚖️
Michael Kohlhaas ist so einer, der eigentlich nichts weiter will, als in Ruhe seine Pferde verkaufen. Stattdessen verliert er im Lauf der Geschichte nicht nur seine Pferde, sondern auch seine Frau, seine Würde und am Ende sein Leben – und das alles, weil er nicht loslassen kann. Kleists Novelle erzählt die Geschichte eines Mannes, der aus einem berechtigten Anliegen heraus Stück für Stück jeden moralischen Kompass verliert und sich dabei selbst zur zerstörerischen Kraft macht. Und ja: Das ist so anstrengend wie faszinierend. Der Einstieg? Sprachlich eine Herausforderung – lange, verschachtelte Sätze, altertümliches Vokabular, jede dritte Zeile eine Fußnote wert. Aber wenn man einmal drin ist, entfaltet „Michael Kohlhaas“ eine wuchtige Sogkraft. Der Text liest sich wie ein Moralfall im Ausnahmezustand: Was passiert, wenn ein Mensch sich zu 100 % im Recht fühlt – und alle staatlichen, moralischen und sozialen Schranken ignoriert, weil „das Gesetz“ versagt hat? Und genau da liegt der Reiz: Kohlhaas ist nicht einfach ein Wahnsinniger. Er ist kein brutaler Aufwiegler. Er ist ein Idealist, der das System beim Wort nimmt – und daran zerbricht. Dass er sich dabei mehr und mehr ins Extrem radikalisiert, wird nicht geschönt. Kleist zeigt, wie schmal der Grat zwischen Gerechtigkeit und Selbstgerechtigkeit ist, wie leicht aus Rechtsempfinden Gewalt werden kann. Das ist erschreckend aktuell – ob man will oder nicht. Trotzdem: Der Text ist auch überfrachtet. Der Plot eskaliert mitunter ins Absurde. Dass ausgerechnet ein Pferdehändler plötzlich halb Sachsen niederbrennt und sich mit Martin Luther über Gott und Gerechtigkeit unterhält, wirkt eher wie ein Fiebertraum als ein realitätsnaher Erzählstrang. Aber genau dieser Bruch – zwischen überhöhtem Pathos und messerscharfer Kritik – macht die Novelle eben auch spannend. Und sperrig. Und ein bisschen größenwahnsinnig. Fazit: „Michael Kohlhaas“ ist kein gemütlicher Klassiker zum Weglesen, sondern ein moralischer Stresstest in erzählerischer Höchstform. Wer sich darauf einlässt, wird belohnt mit einem Text, der tief bohrt und unbequeme Fragen stellt. Wie viel Gerechtigkeit darf man fordern? Wann kippt Haltung in Hybris? Und wie sehr darf man ausrasten, bevor man selbst zum Täter wird? Kleist gibt keine Antworten – aber er zwingt dich, deine eigenen zu finden. ⭐️⭐️⭐️

Kurz & Knackig, historisch mit ein paar Ungenauigkeiten
Heinrich von Kleist schrieb dieses kleine Büchlein ungefähr 1809/10. er bediente sich dabei einer Chronik aus seiner Zeit über die fast 300 Jahre alten Ereignisse. Den trotzigen Pferdehändler Kohlhaas hat es also wirklich gegeben. Der Stoff ist auch beliebt und es gibt einige Verfilmungen. Zuletzt habe ich die Version mit Mads Mikkelsen als Kohlhaas in Schweizer Bergen gesehen, die nicht wirklich funktioniert. Der Film lässt (vermutlich wegen knappem Budget) fast die Hälfte der Handlung weg. Insbesondere die politischen Ränkespiele im 2. Teil des Buches sind interessant, tauchen aber im Film gar nicht auf. Jedenfalls finde ich es erstaunlich, dass sich in den Konflikt sogar Martin Luther einmischt, der sich womöglich an die Bauernaufstände Jahre zuvor erinnert fühlt. Das Buch wirft auch heute noch aktuelle Fragen von Anpassung, Widerstand und (übertriebenem?) Sinn für Gerechtigkeit auf. Es ist sehr flott erzählt und die knapp 100 Seiten lesen sich sehr schnell weg.
Die altertümliche Schrift ist zu Beginn schwierig und zum Ende hin ein wenig mühselig. Dennoch wird das Leben dieses Mannes sehr gut beschrieben. Nüchtern wird das Unrecht betrachtet, welches in Selbstjustiz endet und diesen der unbedingten Gerechtigkeit liebenden Mann auf seinem Weg begleitet. Durch das Leben von Michael Kohlhaas konnte seine Geschichte nur gut werden.
"Habt ihr's gelesen?" - "Mhm!" "Habt ihr's auch verstanden?" - "So halbwegs..."
Ich kann leider nichts Gutes über das Buch sagen. Es hat eine ziemlich verwirrende Schreibweise. Viel zu lange verworrene Sätze, bei denen man oft nicht mehr weiß, wie der Satz überhaupt begonnen hat und was er einen überhaupt mitteilen will. Daher ist es echt sehr schwer zu lesen und den Überblick des Geschehens zu behalten. Auch die Moral der Gerechtigkeit um der Gerechtigkeitswillen widerstrebt mir. Ist es wirklich in Ordnung anderen unschuldigen , die mit der Sache nichts zutun haben und der eigentliche Schuldige sich dort in einer Stadt verschanzt, diesen Menschen dort Leid zuzufügen oder gar zu töten?.... Kurz um mir hat es absolut nicht gefallen. Es gibt deutlich angenehmeres zu lesen als DAS.... Ich frag mich immer noch, warum ich mir das freiwillig angetan habe.
Ein rechtschaffener Mensch wird durch die Willkür der Obrigkeit um sein Eigentum gebracht und verliert im Fortgang bei seiner Suche nach Gerechtigkeit sowohl seine Frau, sein Hab und Gut und letztlich auch noch seine moralische Grundsätze als Protestant. Er verschafft sich seine Recht durch Selbstjustiz und wird zum Schrecken im Land, brandstiftet und mordet. Was soll man von so einem Mensch halten. Wahrlich kein Held nach unseren heutigen Maßstäben, gemessen an seinen brutalen Taten eher ein Terrorist als eine Lichtgestalt der Arbeiterklasse. Und trotzdem wurde dieser Mensch, Michael Kohlhaas, vor allem in den letzten 100 Jahren verehrt und von verschiedenen politischen Gruppierungen als Sinnbild hoch gehalten, von den Rechten wie den Linken. Für mich ist der Pferdehändler aus dem Brandenburgischen gewiss kein Vorbild, aber seine Geschichte, die ein reales Vorbild aus dem 16. Jahrhundert, ist aktueller denn je, gerade wenn man sieht, wie heutzutage wieder Menschen zur Selbstjustiz andere Menschen durch Straßen hetzen und die herrschende Ordnung unseres Staates ablehnen. Insofern ist es gut, dass Michael Kohlhaas in den Schulen noch gelesen wird. An mir ging er leider während der Schulzeit vorbei, wobei ich ihn vielleicht auch wegen der mittelalterlichen Sprache Kleists verflucht hätte. Heute betrachte ich das Buch mit anderen Augen und finde es vor allem interessant, dass Kleist die Form einer Novelle gewählt hat, denn das Stück hätten andere Autoren zu Beginn des 19. Jahrhunderts noch in Dramen gepackt. Unweigerlich drängt sich da die Parallele zu Karl Moor in den Räubern auf. Doch Moor schwankt in seinen Ansichten, während Kohlhaas seine Taten nicht bereut, aber sein Ende auf dem Schafott aber auch als gerecht in tapferer und stolzer Form hinnimmt. Ich hätte gerne mehr über Kohlhaasens Gedankenwelt erfahren, aber Kleist schreibt seine Novelle sehr nüchtern, fast schon wie einen Aufsatz in einer juristischen Fachzeitung. Fall, Anspruchsgrundlage, Gesetz, Auslegung, Lösung. Und natürliche kann man unser Rechtsempfinden nicht mit dem aus den Zeiten Martin Luthers vergleichen. Luther muss dann sogar auch herhalten als moralische Instanz, der erst Kohlhaas verteufelt und sich dann doch für ihn beim Kurfürsten einsetzt. Und das alles wegen zweier Pferde. Verrückt. Im zweiten Teil war es einfach etwas zu viel von wegen juristischer Winkelzüge und Vetternwirtschaften. Und das Auftauchen einer hellsichtigen Zigeunerin und ihrer Prophezeiung auf einem Zettel notiert, hätte ich als Abschlusspointe auch nicht gebraucht. Auf jeden Fall ein Klassiker, der zum Nachdenken und weiteren Recherchieren anregt.
Ein rechtschaffener Mensch wird durch die Willkür der Obrigkeit um sein Eigentum gebracht und verliert im Fortgang bei seiner Suche nach Gerechtigkeit sowohl seine Frau, sein Hab und Gut und letztlich auch noch seine moralische Grundsätze als Protestant. Er verschafft sich seine Recht durch Selbstjustiz und wird zum Schrecken im Land, brandstiftet und mordet. Was soll man von so einem Mensch halten. Wahrlich kein Held nach unseren heutigen Maßstäben, gemessen an seinen brutalen Taten eher ein Terrorist als eine Lichtgestalt der Arbeiterklasse. Und trotzdem wurde dieser Mensch, Michael Kohlhaas, vor allem in den letzten 100 Jahren verehrt und von verschiedenen politischen Gruppierungen als Sinnbild hoch gehalten, von den Rechten wie den Linken. Für mich ist der Pferdehändler aus dem Brandenburgischen gewiss kein Vorbild, aber seine Geschichte, die ein reales Vorbild aus dem 16. Jahrhundert, ist aktueller denn je, gerade wenn man sieht, wie heutzutage wieder Menschen zur Selbstjustiz andere Menschen durch Straßen hetzen und die herrschende Ordnung unseres Staates ablehnen. Insofern ist es gut, dass Michael Kohlhaas in den Schulen noch gelesen wird. An mir ging er leider während der Schulzeit vorbei, wobei ich ihn vielleicht auch wegen der mittelalterlichen Sprache Kleists verflucht hätte. Heute betrachte ich das Buch mit anderen Augen und finde es vor allem interessant, dass Kleist die Form einer Novelle gewählt hat, denn das Stück hätten andere Autoren zu Beginn des 19. Jahrhunderts noch in Dramen gepackt. Unweigerlich drängt sich da die Parallele zu Karl Moor in den Räubern auf. Doch Moor schwankt in seinen Ansichten, während Kohlhaas seine Taten nicht bereut, aber sein Ende auf dem Schafott aber auch als gerecht in tapferer und stolzer Form hinnimmt. Ich hätte gerne mehr über Kohlhaasens Gedankenwelt erfahren, aber Kleist schreibt seine Novelle sehr nüchtern, fast schon wie einen Aufsatz in einer juristischen Fachzeitung. Fall, Anspruchsgrundlage, Gesetz, Auslegung, Lösung. Und natürliche kann man unser Rechtsempfinden nicht mit dem aus den Zeiten Martin Luthers vergleichen. Luther muss dann sogar auch herhalten als moralische Instanz, der erst Kohlhaas verteufelt und sich dann doch für ihn beim Kurfürsten einsetzt. Und das alles wegen zweier Pferde. Verrückt. Im zweiten Teil war es einfach etwas zu viel von wegen juristischer Winkelzüge und Vetternwirtschaften. Und das Auftauchen einer hellsichtigen Zigeunerin und ihrer Prophezeiung auf einem Zettel notiert, hätte ich als Abschlusspointe auch nicht gebraucht. Auf jeden Fall ein Klassiker, der zum Nachdenken und weiteren Recherchieren anregt.












