Marie
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Description
Book Information
Author Description
Steven Uhly, 1964 in Köln geboren, ist deutsch-bengalischer Abstammung, dabei teilverwurzelt in der spanischen Kultur. Er studierte Literatur, leitete ein Institut in Brasilien, übersetzt Lyrik und Prosa aus dem Spanischen, Portugiesischen und Englischen. Er lebt mit seiner Familie in München.
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Traurig, verstörend und doch so real: Die Blaupause einer dysfunktionalen Familie Das wunderschöne Cover hat mich gelockt, Steven Uhlys „Marie“ zu lesen. Eigentlich wollte ich vorher noch den Vorgänger dieses Buchs, „Glückskind“, lesen, aber irgendwie hat es sich nicht ergeben. Dabei bin ich jetzt, nach der Lektüre, noch viel begieriger drauf, mehr von der Familie und deren Vorgeschichte zu erfahren. Es geht um die Familie Kelber, Mutter geschieden, alleinerziehend mit drei Kindern: Mira, Frido und Chiara. Der Vater hat sich mit einer anderen Frau ein neues Leben aufgebaut und nimmt die Kinder am Wochenende vielleicht mal, aber nur wenn es denn unbedingt sein muss, und auch nur „Frido und die Kleine“! Veronika, die Mutter, ist sichtlich überfordert mit der Situation und schafft es immer nur gerade so, den Kindern rechtzeitig eine Mahlzeit (meistens Pizza) auf den Tisch zu stellen. Der elfjährige Frido muss daher vieles erledigen, was eigentlich kein Kind erledigen sollte: schauen, dass seine Schwestern rechtzeitig zur Schule kommen, sie dorthin begleiten, sie ermuntern, Hausaufgaben zu machen, etc. Dass das nicht gut ist für ein Kind, realisiert Veronika nicht. Und als Frido Chiara eine Gutenachtgeschichte erzählt, die sich als näher an der Realität herausstellt als gedacht, gerät das Leben der Kinder völlig aus den Fugen. Wow. Als ich „Marie“ zur Hand nahm, war mir bewusst, dass dies kein Gute-Laune-Roman sein wird, aber dass mich das alles so mitnehmen würde, hätte ich dann auch nicht gedacht. Das Bild einer Familie, wie sie sein sollte, durchbrechen die Kelbers und zeigen so ziemlich das Gegenteil. Die Mutter kommt überhaupt nicht mit ihrer Vergangenheit klar und die Kinder werden vernachlässigt, nicht umsorgt und offensichtlich auch nicht geliebt. Hätte sie doch bloß verhütet, dann wäre ihr Leo nicht weggelaufen. Wären die Kinder doch bloß nicht gewesen… Solche Gedanken schiebt Veronika in ihrem Kopf hin und her, und die Geschichte aus „Glückskind“, die hier eine tragende Rolle spielt, wird nach und nach von den Kindern aufgedeckt. Es geht um ein Baby namens Marie, das von einem Obdachlosen in einer Mülltonne gefunden wurde. Relativ am Anfang des Buches wird klar, dass Chiara dieses Baby sein muss, und sie spürt es nach der Gutenachtgeschichte irgendwie auch. Die Sechsjährige beginnt, sich mit Marie zu identifizieren und es baut sich eine zweite Persönlichkeit in ihrem Innern auf. Während Veronika immer instabiler wird, weil die Geschichte nach sechs Jahren nun wieder auf dem Tisch liegt, verwahrlosen ihre Kinder zusehends weiter. "Sie muss funktionieren, Das ist auch eine Strafe, sagt sie sich, Im Gefängnis hättest du es doch viel zu leicht gehabt, du dumme Kuh, denkt sie. Sie muss hart gegen sich selbst werden, dann wird es gehen." Die vollständige Rezension findet ihr auf meinem Blog: https://killmonotony.de/rezension/steven-uhly-marie
"Marie" stammt aus der Feder von Steven Uhly und erzählt eine ganz alltägliche Geschichte: Die drei Kinder Frido, Mira und Chiara leben bei der Mutter Veronika, nachdem die Eltern sich getrennt haben. Leo, der Vater, spielt zwar eine Rolle im Leben der Kinder, aber er ist auch nicht unbedingt die Vaterfigur, die man sich wünscht. Beispielsweise sucht er sich aus, wann ihn welches Kind an welchem Wochenende besuchen darf – am liebsten Frido und Chiara, am wenigsten lieb Mira. Veronika ist allerdings als berufstätige Mutter vollkommen überfordert, hängt noch sehr an ihrem Ex-Mann und überträgt gerne die Verantwortung auf Frido. Der allerdings selbst erst 12 Jahre ist. Daraus ergeben sich vermehrt schwierige Situationen, vor allem dann, als Frido seiner kleinsten Schwester Chiara eine Geschichte über ein Baby namens Marie erzählt, das vor einigen Jahren in eine Mülltonne geworfen wurde. Besonders aufgefallen ist mir bei "Marie" der Stil. Ich fand es ausgesprochen erfrischend, mal wieder ein Buch in den Händen zu halten, bei dem nicht alles schwarz auf weiß da steht, sondern man auch hinter und zwischen den Zeilen lesen muss. Die Geschichte rund um das Baby Marie und warum Frido dies seiner kleinen Schwester erzählt, wird nie wörtlich aufgelöst, ebenso wenig wie die Hintergründe oder wer welche Rolle in dem Drama gespielt hat. Was den Leser dazu zwingt, selbst kreativ zu werden und sich das Szenario, von dem gesprochen wird, in eigener Weise vorzustellen. Ich hatte während des Lesens die ganze Zeit den Eindruck, dass Steven Uhly seinen Lesern immer mal wieder ein Puzzle-Stück zuschiebt und den ungefähren Platz angibt – zusammensetzen musste man allerdings selbst. Meiner Meinung nach ist "Marie" daher keine einfache Unterhaltungsliteratur für zwischendurch, sondern ein Werk, mit dem man sich beschäftigen muss und das dadurch auch lange im Gedächtnis bleibt. Auch der Aufbau der Geschichte hat mir sehr gut gefallen. Es werden viele alltägliche Situationen beschrieben, aber auch dramatische, übertriebene, die eine gute Kombination beim Erzählen des Plots ausmachen. Veronikas Überforderung wird sehr gut deutlich, ebenso wie die schwierige Beziehung zwischen der kleinen Familie und dem Vater – was die ganze Geschichte rund um Marie noch viel mysteriöser und geheimnisvoller erscheinen ließ. Vor allem, da Frido die Geschichte erzählt, aber selbst nicht alle Hintergründe und Geschehnisse weiß. Alle Charaktere und Figuren in der Geschichte haben einen Eindruck bei mir hinterlassen können. Natürlich haben manche mehr Ecken und Kanten, manche sind schon im Grunde unsympathisch dargestellt und andere sind ganz eindeutig die Helden in der Geschichte, aber trotzdem fand ich den Mix aus unterschiedlichen Protagonisten sehr gut. Gerade die drei Kinder sind so schutzbedürftig und liebenswürdig dargestellt, dass es mir in der Seele Leid tat, was sie durchmachen müssen, vor welche Herausforderungen sie gestellt werden und welche große Verantwortung schon auf ihren Schultern liegt. Ich selbst habe keine Kinder, aber ich kann mir sehr gut vorstellen, dass das Lesen von "Marie" für eine Mutter sehr aufwühlend sein kann. "Schuld" daran ist natürlich auch der Schreibstil von Steven Uhly. Die tollen Beschreibungen des Umfelds und dessen, was den Kindern fehlt oder was ihnen durch ihre verantwortungslosen und überforderten Eltern verwehrt wird, war auf der einen Seiten fast schon grandios, auf der anderen Seite wirklich starker Tobak. Steven Uhly lässt den Leser dabei in eine Welt eintauchen, die hinter verschlossenen Haustüren stattfinden kann (und wahrscheinlich auch stattfinden wird), ohne dabei ein Blatt vor den Mund zu nehmen oder den Leser zu schonen. Das hat mir sehr gut gefallen. Denn es zeigt nicht nur, welche Abgründe sich in manchen Familien auftun und wie sehr das System versagen kann, es zeigt auch, wie abhängig wir in jungen Jahren von der Erziehung, dem Halt, der Geborgenheit und letztlich auch der Liebe unserer Eltern sind – und wie uns das letztlich auch formt bzw. formen kann. Fazit Trotz der durchweg sehr guten Kritik, bekommt das Buch von mir "nur" 4 Sterne, weil mir der letzte Pfeffer gefehlt hat und ich mir auch das Ende ein bisschen stärker gewünscht hätte. Aber "Marie" ist eine sehr berührende Geschichte, die mir direkt ans Herz gegangen ist und mir durch die Alltäglichkeit der Situationen sehr echt vorkam. Deshalb bekommt das Werk von Steven Uhly auch von mir eine dicke Leseempfehlung.
Traurig, verstörend und doch so real: Die Blaupause einer dysfunktionalen Familie Das wunderschöne Cover hat mich gelockt, Steven Uhlys „Marie“ zu lesen. Eigentlich wollte ich vorher noch den Vorgänger dieses Buchs, „Glückskind“, lesen, aber irgendwie hat es sich nicht ergeben. Dabei bin ich jetzt, nach der Lektüre, noch viel begieriger drauf, mehr von der Familie und deren Vorgeschichte zu erfahren. Es geht um die Familie Kelber, Mutter geschieden, alleinerziehend mit drei Kindern: Mira, Frido und Chiara. Der Vater hat sich mit einer anderen Frau ein neues Leben aufgebaut und nimmt die Kinder am Wochenende vielleicht mal, aber nur wenn es denn unbedingt sein muss, und auch nur „Frido und die Kleine“! Veronika, die Mutter, ist sichtlich überfordert mit der Situation und schafft es immer nur gerade so, den Kindern rechtzeitig eine Mahlzeit (meistens Pizza) auf den Tisch zu stellen. Der elfjährige Frido muss daher vieles erledigen, was eigentlich kein Kind erledigen sollte: schauen, dass seine Schwestern rechtzeitig zur Schule kommen, sie dorthin begleiten, sie ermuntern, Hausaufgaben zu machen, etc. Dass das nicht gut ist für ein Kind, realisiert Veronika nicht. Und als Frido Chiara eine Gutenachtgeschichte erzählt, die sich als näher an der Realität herausstellt als gedacht, gerät das Leben der Kinder völlig aus den Fugen. Wow. Als ich „Marie“ zur Hand nahm, war mir bewusst, dass dies kein Gute-Laune-Roman sein wird, aber dass mich das alles so mitnehmen würde, hätte ich dann auch nicht gedacht. Das Bild einer Familie, wie sie sein sollte, durchbrechen die Kelbers und zeigen so ziemlich das Gegenteil. Die Mutter kommt überhaupt nicht mit ihrer Vergangenheit klar und die Kinder werden vernachlässigt, nicht umsorgt und offensichtlich auch nicht geliebt. Hätte sie doch bloß verhütet, dann wäre ihr Leo nicht weggelaufen. Wären die Kinder doch bloß nicht gewesen… Solche Gedanken schiebt Veronika in ihrem Kopf hin und her, und die Geschichte aus „Glückskind“, die hier eine tragende Rolle spielt, wird nach und nach von den Kindern aufgedeckt. Es geht um ein Baby namens Marie, das von einem Obdachlosen in einer Mülltonne gefunden wurde. Relativ am Anfang des Buches wird klar, dass Chiara dieses Baby sein muss, und sie spürt es nach der Gutenachtgeschichte irgendwie auch. Die Sechsjährige beginnt, sich mit Marie zu identifizieren und es baut sich eine zweite Persönlichkeit in ihrem Innern auf. Während Veronika immer instabiler wird, weil die Geschichte nach sechs Jahren nun wieder auf dem Tisch liegt, verwahrlosen ihre Kinder zusehends weiter. "Sie muss funktionieren, Das ist auch eine Strafe, sagt sie sich, Im Gefängnis hättest du es doch viel zu leicht gehabt, du dumme Kuh, denkt sie. Sie muss hart gegen sich selbst werden, dann wird es gehen." Die vollständige Rezension findet ihr auf meinem Blog: https://killmonotony.de/rezension/steven-uhly-marie
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Steven Uhly, 1964 in Köln geboren, ist deutsch-bengalischer Abstammung, dabei teilverwurzelt in der spanischen Kultur. Er studierte Literatur, leitete ein Institut in Brasilien, übersetzt Lyrik und Prosa aus dem Spanischen, Portugiesischen und Englischen. Er lebt mit seiner Familie in München.
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Traurig, verstörend und doch so real: Die Blaupause einer dysfunktionalen Familie Das wunderschöne Cover hat mich gelockt, Steven Uhlys „Marie“ zu lesen. Eigentlich wollte ich vorher noch den Vorgänger dieses Buchs, „Glückskind“, lesen, aber irgendwie hat es sich nicht ergeben. Dabei bin ich jetzt, nach der Lektüre, noch viel begieriger drauf, mehr von der Familie und deren Vorgeschichte zu erfahren. Es geht um die Familie Kelber, Mutter geschieden, alleinerziehend mit drei Kindern: Mira, Frido und Chiara. Der Vater hat sich mit einer anderen Frau ein neues Leben aufgebaut und nimmt die Kinder am Wochenende vielleicht mal, aber nur wenn es denn unbedingt sein muss, und auch nur „Frido und die Kleine“! Veronika, die Mutter, ist sichtlich überfordert mit der Situation und schafft es immer nur gerade so, den Kindern rechtzeitig eine Mahlzeit (meistens Pizza) auf den Tisch zu stellen. Der elfjährige Frido muss daher vieles erledigen, was eigentlich kein Kind erledigen sollte: schauen, dass seine Schwestern rechtzeitig zur Schule kommen, sie dorthin begleiten, sie ermuntern, Hausaufgaben zu machen, etc. Dass das nicht gut ist für ein Kind, realisiert Veronika nicht. Und als Frido Chiara eine Gutenachtgeschichte erzählt, die sich als näher an der Realität herausstellt als gedacht, gerät das Leben der Kinder völlig aus den Fugen. Wow. Als ich „Marie“ zur Hand nahm, war mir bewusst, dass dies kein Gute-Laune-Roman sein wird, aber dass mich das alles so mitnehmen würde, hätte ich dann auch nicht gedacht. Das Bild einer Familie, wie sie sein sollte, durchbrechen die Kelbers und zeigen so ziemlich das Gegenteil. Die Mutter kommt überhaupt nicht mit ihrer Vergangenheit klar und die Kinder werden vernachlässigt, nicht umsorgt und offensichtlich auch nicht geliebt. Hätte sie doch bloß verhütet, dann wäre ihr Leo nicht weggelaufen. Wären die Kinder doch bloß nicht gewesen… Solche Gedanken schiebt Veronika in ihrem Kopf hin und her, und die Geschichte aus „Glückskind“, die hier eine tragende Rolle spielt, wird nach und nach von den Kindern aufgedeckt. Es geht um ein Baby namens Marie, das von einem Obdachlosen in einer Mülltonne gefunden wurde. Relativ am Anfang des Buches wird klar, dass Chiara dieses Baby sein muss, und sie spürt es nach der Gutenachtgeschichte irgendwie auch. Die Sechsjährige beginnt, sich mit Marie zu identifizieren und es baut sich eine zweite Persönlichkeit in ihrem Innern auf. Während Veronika immer instabiler wird, weil die Geschichte nach sechs Jahren nun wieder auf dem Tisch liegt, verwahrlosen ihre Kinder zusehends weiter. "Sie muss funktionieren, Das ist auch eine Strafe, sagt sie sich, Im Gefängnis hättest du es doch viel zu leicht gehabt, du dumme Kuh, denkt sie. Sie muss hart gegen sich selbst werden, dann wird es gehen." Die vollständige Rezension findet ihr auf meinem Blog: https://killmonotony.de/rezension/steven-uhly-marie
"Marie" stammt aus der Feder von Steven Uhly und erzählt eine ganz alltägliche Geschichte: Die drei Kinder Frido, Mira und Chiara leben bei der Mutter Veronika, nachdem die Eltern sich getrennt haben. Leo, der Vater, spielt zwar eine Rolle im Leben der Kinder, aber er ist auch nicht unbedingt die Vaterfigur, die man sich wünscht. Beispielsweise sucht er sich aus, wann ihn welches Kind an welchem Wochenende besuchen darf – am liebsten Frido und Chiara, am wenigsten lieb Mira. Veronika ist allerdings als berufstätige Mutter vollkommen überfordert, hängt noch sehr an ihrem Ex-Mann und überträgt gerne die Verantwortung auf Frido. Der allerdings selbst erst 12 Jahre ist. Daraus ergeben sich vermehrt schwierige Situationen, vor allem dann, als Frido seiner kleinsten Schwester Chiara eine Geschichte über ein Baby namens Marie erzählt, das vor einigen Jahren in eine Mülltonne geworfen wurde. Besonders aufgefallen ist mir bei "Marie" der Stil. Ich fand es ausgesprochen erfrischend, mal wieder ein Buch in den Händen zu halten, bei dem nicht alles schwarz auf weiß da steht, sondern man auch hinter und zwischen den Zeilen lesen muss. Die Geschichte rund um das Baby Marie und warum Frido dies seiner kleinen Schwester erzählt, wird nie wörtlich aufgelöst, ebenso wenig wie die Hintergründe oder wer welche Rolle in dem Drama gespielt hat. Was den Leser dazu zwingt, selbst kreativ zu werden und sich das Szenario, von dem gesprochen wird, in eigener Weise vorzustellen. Ich hatte während des Lesens die ganze Zeit den Eindruck, dass Steven Uhly seinen Lesern immer mal wieder ein Puzzle-Stück zuschiebt und den ungefähren Platz angibt – zusammensetzen musste man allerdings selbst. Meiner Meinung nach ist "Marie" daher keine einfache Unterhaltungsliteratur für zwischendurch, sondern ein Werk, mit dem man sich beschäftigen muss und das dadurch auch lange im Gedächtnis bleibt. Auch der Aufbau der Geschichte hat mir sehr gut gefallen. Es werden viele alltägliche Situationen beschrieben, aber auch dramatische, übertriebene, die eine gute Kombination beim Erzählen des Plots ausmachen. Veronikas Überforderung wird sehr gut deutlich, ebenso wie die schwierige Beziehung zwischen der kleinen Familie und dem Vater – was die ganze Geschichte rund um Marie noch viel mysteriöser und geheimnisvoller erscheinen ließ. Vor allem, da Frido die Geschichte erzählt, aber selbst nicht alle Hintergründe und Geschehnisse weiß. Alle Charaktere und Figuren in der Geschichte haben einen Eindruck bei mir hinterlassen können. Natürlich haben manche mehr Ecken und Kanten, manche sind schon im Grunde unsympathisch dargestellt und andere sind ganz eindeutig die Helden in der Geschichte, aber trotzdem fand ich den Mix aus unterschiedlichen Protagonisten sehr gut. Gerade die drei Kinder sind so schutzbedürftig und liebenswürdig dargestellt, dass es mir in der Seele Leid tat, was sie durchmachen müssen, vor welche Herausforderungen sie gestellt werden und welche große Verantwortung schon auf ihren Schultern liegt. Ich selbst habe keine Kinder, aber ich kann mir sehr gut vorstellen, dass das Lesen von "Marie" für eine Mutter sehr aufwühlend sein kann. "Schuld" daran ist natürlich auch der Schreibstil von Steven Uhly. Die tollen Beschreibungen des Umfelds und dessen, was den Kindern fehlt oder was ihnen durch ihre verantwortungslosen und überforderten Eltern verwehrt wird, war auf der einen Seiten fast schon grandios, auf der anderen Seite wirklich starker Tobak. Steven Uhly lässt den Leser dabei in eine Welt eintauchen, die hinter verschlossenen Haustüren stattfinden kann (und wahrscheinlich auch stattfinden wird), ohne dabei ein Blatt vor den Mund zu nehmen oder den Leser zu schonen. Das hat mir sehr gut gefallen. Denn es zeigt nicht nur, welche Abgründe sich in manchen Familien auftun und wie sehr das System versagen kann, es zeigt auch, wie abhängig wir in jungen Jahren von der Erziehung, dem Halt, der Geborgenheit und letztlich auch der Liebe unserer Eltern sind – und wie uns das letztlich auch formt bzw. formen kann. Fazit Trotz der durchweg sehr guten Kritik, bekommt das Buch von mir "nur" 4 Sterne, weil mir der letzte Pfeffer gefehlt hat und ich mir auch das Ende ein bisschen stärker gewünscht hätte. Aber "Marie" ist eine sehr berührende Geschichte, die mir direkt ans Herz gegangen ist und mir durch die Alltäglichkeit der Situationen sehr echt vorkam. Deshalb bekommt das Werk von Steven Uhly auch von mir eine dicke Leseempfehlung.
Traurig, verstörend und doch so real: Die Blaupause einer dysfunktionalen Familie Das wunderschöne Cover hat mich gelockt, Steven Uhlys „Marie“ zu lesen. Eigentlich wollte ich vorher noch den Vorgänger dieses Buchs, „Glückskind“, lesen, aber irgendwie hat es sich nicht ergeben. Dabei bin ich jetzt, nach der Lektüre, noch viel begieriger drauf, mehr von der Familie und deren Vorgeschichte zu erfahren. Es geht um die Familie Kelber, Mutter geschieden, alleinerziehend mit drei Kindern: Mira, Frido und Chiara. Der Vater hat sich mit einer anderen Frau ein neues Leben aufgebaut und nimmt die Kinder am Wochenende vielleicht mal, aber nur wenn es denn unbedingt sein muss, und auch nur „Frido und die Kleine“! Veronika, die Mutter, ist sichtlich überfordert mit der Situation und schafft es immer nur gerade so, den Kindern rechtzeitig eine Mahlzeit (meistens Pizza) auf den Tisch zu stellen. Der elfjährige Frido muss daher vieles erledigen, was eigentlich kein Kind erledigen sollte: schauen, dass seine Schwestern rechtzeitig zur Schule kommen, sie dorthin begleiten, sie ermuntern, Hausaufgaben zu machen, etc. Dass das nicht gut ist für ein Kind, realisiert Veronika nicht. Und als Frido Chiara eine Gutenachtgeschichte erzählt, die sich als näher an der Realität herausstellt als gedacht, gerät das Leben der Kinder völlig aus den Fugen. Wow. Als ich „Marie“ zur Hand nahm, war mir bewusst, dass dies kein Gute-Laune-Roman sein wird, aber dass mich das alles so mitnehmen würde, hätte ich dann auch nicht gedacht. Das Bild einer Familie, wie sie sein sollte, durchbrechen die Kelbers und zeigen so ziemlich das Gegenteil. Die Mutter kommt überhaupt nicht mit ihrer Vergangenheit klar und die Kinder werden vernachlässigt, nicht umsorgt und offensichtlich auch nicht geliebt. Hätte sie doch bloß verhütet, dann wäre ihr Leo nicht weggelaufen. Wären die Kinder doch bloß nicht gewesen… Solche Gedanken schiebt Veronika in ihrem Kopf hin und her, und die Geschichte aus „Glückskind“, die hier eine tragende Rolle spielt, wird nach und nach von den Kindern aufgedeckt. Es geht um ein Baby namens Marie, das von einem Obdachlosen in einer Mülltonne gefunden wurde. Relativ am Anfang des Buches wird klar, dass Chiara dieses Baby sein muss, und sie spürt es nach der Gutenachtgeschichte irgendwie auch. Die Sechsjährige beginnt, sich mit Marie zu identifizieren und es baut sich eine zweite Persönlichkeit in ihrem Innern auf. Während Veronika immer instabiler wird, weil die Geschichte nach sechs Jahren nun wieder auf dem Tisch liegt, verwahrlosen ihre Kinder zusehends weiter. "Sie muss funktionieren, Das ist auch eine Strafe, sagt sie sich, Im Gefängnis hättest du es doch viel zu leicht gehabt, du dumme Kuh, denkt sie. Sie muss hart gegen sich selbst werden, dann wird es gehen." Die vollständige Rezension findet ihr auf meinem Blog: https://killmonotony.de/rezension/steven-uhly-marie





