Manhattan Transfer

Manhattan Transfer

Hardback
3.317
StadtportraitGroßstadtdschungelUrbanes LebenBerlin Alexanderplatz

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Description

Manhattan Transfergehört zu den großen revolutionären Romanen des 20. Jahrhunderts. Durch eine Fülle von Schauplätzen und Charakteren lässt Dos Passos ein schillerndes Porträt des urbanen New Yorker Dschungels entstehen, in dem das Jagdfieber wütet: nach Arbeit, Glück und Macht. Die Figuren des Romans – ein junger Einwanderer, ein Gewerkschaftsführer, ein Mörder, ein Karrierist, eine nach Selbstständigkeit strebende Frau, ein sensibler Alkoholiker und andere – scheinen aus der unbestimmbar großen Masse der Stadtbewohner herausgerissen, um irgendwann wieder in ihrem Gewühl unterzugehen. Der eigentliche Protagonist des Romans ist jedoch die Großstadt New York von den frühen Jahren des 20. Jahrhunderts bis nach dem Ersten Weltkrieg – eine immense, scheinbar anarchische Macht, der alle ausgeliefert sind.

Der Roman ist panoramisch, filmisch, eine beeindruckende Collage modernen Lebens, voller Episoden und Brüche. Dos Passos' Kamerablick setzt das Dokumentarische neben das Erleben seiner fiktiven Figuren; er verfolgt sie durch das Dickicht der Stadt, überlässt es jedoch dem Leser, seine Schlüsse aus ihrem Lebenskampf zu ziehen.

Nach Erscheinen dieses Romans rückte Dos Passos mit einem Schlag in die Riege der wichtigsten Autoren des 20. Jahrhunderts. In ihm vermischen sich der Naturalismus eines Theodore Dreiser und der Modernismus eines James Joyce zu einem vibrierenden, atemlos rhythmischen Stil, der bis heute nichts von seiner schillernden Farbigkeit und leuchtenden Intensität eingebüßt hat. Zahlreiche Autoren nahmen sich Dos Passos weltweit zum Vorbild, unter anderem übte er maßgeblichen Einfluss auf Alfred Döblins berühmten RomanBerlin Alexanderplatzaus.

Die vorliegende Neuübersetzung stammt von dem renommierten Literaturübersetzer Dirk van Gunsteren (Thomas Pynchon, Philip Roth, T.C. Boyle) und ersetzt die aus dem Jahr 1966 stammende von Paul Baudisch. Sie ist mit einem Nachwort von Clemens Meyer (bekannt durch seinen ebenfalls Dos Passos verpflichteten großen Leipzig-RomanIm Stein) versehen.

Book Information

Main Genre
Novels
Sub Genre
Classics
Format
Hardback
Pages
544
Price
25.70 €

Author Description

John Dos Passos wurde 1896 in Chicago geboren. Er studierte in Harvard und ging nach dem Abschluss 1916 nach Europa. Als Kunststudent in Spanien begann er zu malen und zu schreiben; unter dem Eindruck des Ersten Weltkrieges verfasste er zwei pazifistische Romane, bevor er mit dem multiperspektivischen Großstadtpanorama Manhattan Transfer 1925 den amerikanischen Roman revolutionierte. Später engagierte er sich im Spanischen Bürgerkrieg auf Seiten der Republikaner. Er gilt neben Hemingway, Faulkner und Fitzgerald als einer der wichtigsten Vertreter der amerikanischen Moderne. Seine Romane beeinflussten weltweit zahlreiche Schriftsteller, namentlich inspirierte Manhattan Transfer Alfred Döblin zu seinem großen Roman Berlin Alexanderplatz. John Dos Passos starb 1970 in Baltimore.

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Für New York Liebhaber

Manhattan Transfer von John Dos Passos erschien 1925 und nimmt einen auf eine Reise durch NY City zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Im Vordegrund steht nicht so sehr das Figurenpotpouri, sondern die Stadt selbst. Es gibt eine Unzahl von Personen und nur wenige begleitet der Leser durch den ganzen Roman, die aber auch selbst immer mal wieder auf und abtauchen. Die Personen gehen queer durch die Gesellschaftsschichten und ihrer Probleme. Zeitliche Sprünge kann man nur an bestimmen Gegebenheiten fest machen, wie zb das Auftauchen von Automobilen oder den Anschlag des Thronfolgers in Sarajewo. Was dem Autor für mich sehr gut gelungen ist, die Atmosphäre dieser schnelllebigen Stadt wiederzugeben. Wie sie sich über die Jahre räumlich veränderte aber auch die Menschen durch die Stadt verändert worden sind. Besonders wenn man selbst schon einmal dort war und sich beim Lesen orientieren kann, wo man sich gerade befindet (durch den Schachbrettaufbau der Straßen klappt dies hervorragend), streift man mit durch die Straßen oder an den Hudsonriver etc., was mir viel Spaß gemacht hat. Trotzdem fand ich es auf den ca 100 letzen Seiten etwas anstrengend zu lesen.

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Man versteht, wieso es ein solcher Klassiker ist, literarisch sicherlich eine Revolution und auch sprachlich herausragend. Leider habe ich nie einen Zugang zum Buch gefunden, weil ich weder einer der Handlungen, noch einem der Charaktere wirklich etwas abgewinnen konnte und das Collagenhafte des Buches es dem*der Leser*in auch wirklich nicht einfach macht. Vielleicht etwas, das man mit entsprechender Begleitung mehr genießen kann.

Nach 117 Seiten ist Schluss. Für mich eine dröge, altbackene Sprache, die wenig Freude bereitet und das Gefühl einer Pflichtlektüre aufkommen lässt. Ein Großstadtgewirr, das viel zu schnell zwischen Personen und Zeit springt. Die bisher behandelten Themen sind toll und ich kann auch würdigen, dass er mit den raschen Perspektivwechseln das Großstadtgewimmel gut einfängt. Holt mich nur stilistisch nicht ab.

1.5

Die unschöne Wahrheit hinter dem American Dream

Manhattan Transfer von John Dos Passos kann als ein Pionierwerk des Großstadtromans betrachtet werden. Der Autor widmet sich der Zeit zwischen etwa 1890 und 1920 und nutzt eine Vielzahl von Figuren in einer episodischen Erzählweise, um das Streben nach Geld, Ruhm und sozialem Status darzustellen. Ganz im Sinne des American Dream, und ähnlich wie in der Realität, entstehen dabei deutliche Klassenunterschiede. Der Weg dorthin führt häufig zu Entfremdung, Einsamkeit und sozialem Scheitern, kann aber ebenso in den erhofften Erfolg und dessen Begleiterscheinungen münden. Oftmals tritt jedoch ersteres ein. Dos Passos gelingt es, ein eindrückliches Porträt von New York City zu zeichnen; es entsteht ein vielschichtiges Panorama dieser Metropole. Gleichzeitig übt der Roman präzise Gesellschaftskritik: Die Stadt wirkt als System, das Individualität unter Druck setzt und teilweise zerstört. Auch die Kritik an Konsumgesellschaft und Kapitalismus wird deutlich herausgearbeitet. Leider ist mir persönlich der Zugang zu diesem Werk nicht gelungen. Die Handlung sowie die Figuren wirken oft substituierbar und emotional distanziert. Der stark fragmentarische, nahezu montageartige Erzählstil erschwert zusätzlich ein flüssiges Leseerlebnis. Es fiel mir schwer, eine Bindung zu den zahlreichen Charakteren aufzubauen, die zudem häufig eher oberflächlich dargestellt erscheinen. In Gänze lässt sich das Buch primär als Geschichtensammlung verstehen und weniger als klassischer Roman. Insgesamt erkenne ich die literarische Bedeutung des Romans und seine besondere Erzählstruktur an, die den Fokus bewusst von einzelnen Figuren auf ein Gesamtbild der Großstadt und ihrer gesellschaftlichen Dynamiken verschiebt. Mit all seinen gesellschaftskritischen Nuancen und dem eingefangenen Zeitgeist ist das Werk zweifellos bemerkenswert. Auf einer unterhaltenden und zugänglichen Ebene konnte mich Manhattan Transfer jedoch nicht überzeugen. Möglicherweise können Leserinnen und Leser mit einer besonderen Affinität zu New York oder zur dargestellten Epoche dem Roman mehr abgewinnen.

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